Epidemie Mysteriöse Lungenentzündung erreicht Deutschland


In mehreren Ländern Asiens breitet sich eine schwere Lungenentzündungen aus. Jetzt wurde bekannt, dass auch in Frankfurt drei Fluggäste mit Pneumonieverdacht auf der Isolierstation liegen.

Wegen des Verdachts auf eine unbekannte und hochansteckende Lungenerkrankung ist am Samstag ein Arzt aus Singapur in die Isolierstation der Universitätsklinik Frankfurt gebracht worden. Der Mediziner befand sich auf einem Flug der Singapore Airlines von New York nach Singapur, der am Mittag in Frankfurt zwischenlandete, teilte das hessische Sozialministerium mit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnete die Erkrankung, das "Severe Acute Respiratory Syndrome" (SARS) als "weltweite Gesundheitsgefahr" und hatte deshalb erst am (heutigen) Samstag eine Reisewarnung ausgesprochen. Der Keim der atypischen Lungenentzündung ist laut hessischem Gesundheitsministerium "noch unbekannt, aber hochansteckend". WHO-Sprecher Dick Thompsen erklärte in Genf, eine solche Reisewarnung werde äußert selten herausgegeben. Er könne sich nicht an den letzten Fall erinnern.

"Weltweite Bedrohung"

Die WHO teilte mit, sie habe im Laufe der Woche mehr als 150 Berichte über das Akutes Atemwegs-Syndrom erhalten. "SARS ist jetzt eine weltweite Bedrohung", erklärte WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtlandt. "Die Welt muss zusammen arbeiten, um ihre Ursache zu finden und die Kranken zu heilen." Zu den Symptomen gehörten Husten, hohes Fieber und Atemnot.

Alle Umsteiger in Quarantäne

155 Fluggäste, die in Frankfurt umsteigen und nicht weiter nach Singapur fliegen wollten, sind vorläufig auf dem Frankfurter Flughafen in Quarantäne genommen oder in häusliche Quarantäne geschickt worden, teilte das hessische Sozialministerium weiter mit. Dort sollten sie sich aufhalten bis geklärt sei, ob es sich bei der Erkrankung des Arztes um die gefährliche Lungenerkrankung handele. 85 Passagiere mit dem Flugziel Singapur und die 20 Menschen umfassende Crew sollten in Singapur medizinisch versorgt werden.

Wer erkrankt noch?

Die Frankfurter Uniklinik verfügt seit einigen Jahren über eine Isolierstation. Dort werden jederzeit sechs Betten für ungeklärte Krankheitsfälle vor allem auch für Patienten bereitgehalten, die am Frankfurter Flughafen einreisen, wie eine Kliniksprecherin erklärte. Ein WHO-Sprecher sagte in Genf, der in Frankfurt isolierte Arzt habe einige der ersten mutmaßlichen SARS-Patienten in Singapur behandelt, bevor er New York besucht hatte.

Krankheit erstmals in Asien beobachtet

Diese mysteriöse Form der Lungenentzündung wurde erstmals in Asien regisitriert. Nach anderen Ländern hätten auch Vietnam und Taiwan Erkrankungen registriert, teilten die Behörden beider Staaten mit. Laut kanadischen Presseberichten starben in Toronto eine Mutter und ihr Sohn, die erkrankt aus Hongkong angereist waren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kündigte am Samstag umfassende Vorsorgemaßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung an. Dazu sollten eventuell auch Fluggesellschaften kontaktiert werden.

Erste Fälle in Südchina

Seit dem ersten SARS-Ausbruch im Februar in China sind den WHO-Angaben zufolge acht Menschen an der Krankheit gestorben, deren Ursachen noch unbekannt sind. Im vietnamesischen Hanoi seien 41 Menschen in Behandlung, zwei davon befänden sich in kritischem Zustand, teilten örtliche Gesundheitsbehörden mit.

Oft Krankenhauspersonal betroffen

Auch in Australien wurden inzwischen 86 Krankheitsfälle registriert. Meist handelte es sich bei den Betroffenen um Krankenhausbedienstete. In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi wurde eine Klinik unter Quarantäne gestellt, nachdem mehr als 20 Angestellte Grippesymptome zeigten. Mittlerweile ist auch ein zweites Krankenhaus betroffen. Nach Hanoi wurde die Krankheit vermutlich von einem amerikanischen Geschäftsmann eingeschleppt, der von Schanghai über Hongkong nach Vietnam reiste und mittlerweile verstarb.

Immer mehr Krankheitsfälle

Behörden in Singapur meldeten die Erkrankung von neun Menschen, in Taiwan ist laut unbestätigten Berichten ein Ehepaar erkrankt. In Hongkong wiesen bislang 29 Krankenhausangestellte die Symptome auf, zwei befanden sich in einem kritischen Zustand, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker