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Ernährung Richtig abnehmen: Warum Fertiggerichte schlecht und sogar gefährlich sind

Abnehmen als Neujahrsvorsatz: Eine Frau hält einen Burger
Der Anteil an industriell verarbeiteten Lebensmitteln steigt stetig. Wer jedoch abnehmen will, tut sich mit Fertiggerichten keinen Gefallen – im Gegenteil
© Maria_Savenko/ Adobe Stock
Nahrungsmittel sind auch in Deutschland immer öfter stark bearbeitet und vollgepumpt mit allerlei Zusatzstoffen. Gesund ist das längst nicht mehr. Das Übergewicht hierzulande steigt stetig. Gerade in der Corona-Pandemie ist das besonders gefährlich.

Gleich zu Beginn dieses Artikels möchte ich Sie kurz erschrecken: Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren für eine schweren Covid-Verlauf. Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC belegen, dass stark übergewichtige Amerikaner im Durchschnitt dreimal häufiger im Krankenhaus behandelt werden mussten als Normalgewichtige. Kamen noch durch das zu viel an Gewicht ausgelöste Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes dazu, stiegt das Risiko für solche Übergewichtigen gleich um das sechsfache. Und das Sterberisiko sogar um das 12-fache.

Soweit die Fakten. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Übergewichtigen seit Jahren stetig. Laut Robert Koch-Institut sind inzwischen 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig. Und schauen Sie sich doch mal um – in manchen Altersgruppen ist Normalgewicht inzwischen die Ausnahme. 

Woran das liegt? Aus meiner Recherche und zahlreichen Gesprächen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den letzten Monaten wird immer klarer, dass die Art der Lebensmittel und wie sie hergestellt werden, eine extrem große Rolle spielen. Vor allem weil vieles, das bei uns inzwischen auf den Tellern landet, kaum mehr etwas mit den  Nahrungsmitteln von früher zu tun hat. Wir konsumieren immer mehr sogenannte "industriell verarbeitete" Lebensmittel. Sie wurden früher einmal erfunden, damit sie durch die Zugabe von Zusatzstoffen länger haltbar sind. Heute sind es aber regelrechte Chemiebomben. Sie werden inzwischen so bearbeitet, dass sie besonders intensiv schmecken, besonders verlockend aussehen und besonders lecker duften. Aber sogar wie schnell der menschliche Körper diese Lebensmittel verdaut, verändert sich. 

Lebensmittel werden in ihre Bestandteile zerlegt und neu zusammengebaut

Ursprünglich natürliche Lebensmittel werden dafür in ihre Bestandteile zerlegt, diese werden dann in chemischen Prozessen wiederum neu miteinander kombiniert. Dafür werden Zucker, Salz, Fett, Stärke, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Stabilisatoren und Konservierungsstoffe zusammengerührt. Von der Mehrheit dieser Bestandteile weiß heute niemand, wie sie langfristig auf den menschlichen Körper wirken. Es gibt erste Hinweise, dass einige das empfindliche Mikrobiom schwer und vor allem nachhaltig schädigen.

Laut der amerikanischen Zeitschrift "Newsweek" werden diese ultra-bearbeiteten Lebensmittel mit dem alleinigen Ziel designed, unser Gehirn auszutricksen. Denn sie sprechen besonders unser Glückszentrum an. Und sind in ihrer Konsistenz so gebaut, dass sie im Gehirn besonders schnell ein wohliges Gefühl auslösen. Es gibt einige Wissenschaftler, die sie deswegen für ähnlich süchtig machend wie Opioide oder Nikotin halten.

Fatal ist, dass diese Lebensmittel meist übermässig viele Kalorien sowie zu viel Fett und Zucker enthalten. Alles Stoffe, die wir lieben, die uns aber schlecht bekommen. Eine neue Studie aus den USA besagt, dass in Supermärkten inzwischen 66 Prozent der Lebensmittel zusätzliche süßende Stoffe enthalten. Das ist schlimm, denn besonders Zucker gilt als Hauptauslöser für das gefährliche und ungesund Bauchfett. In der Medizin gilt es inzwischen als eigenes Organ. Vor allem weil es entzündungsauslösende Botenstoffe aussendet, die inzwischen als Treiber für allerlei Krankheiten wie Arteriosklerose, Diabetes, Fettleber und sogar Krebs gelten.

Wir essen viel mehr, als uns guttut

Ja, man kann es so sagen: Dieses Essen bringt uns um. Mit jeder Gabel werden wir kranker und kranker. Der Anteil von stark behandelten Nahrungsmittel steigt immer mehr. Vor allem, weil sie praktisch sind. Packung aufgemacht, kurz aufgewärmt und zack steht ein Essen auf dem Tisch. Wir fallen regelrecht darauf rein. In einer Studie konnte der amerikanische Wissenschaftler Kevin Hall nachweisen, dass sich seine Testpersonen im Grunde ständig unwissentlich überessen, wenn sie zu dieser Art Lebensmittel griffen. Seine Testpersonen nahmen im Schnitt so pro Woche 500 Gramm zu und konsumierten täglich 500 Kalorien mehr als die Vergleichspersonen mit unbehandelten Lebensmitteln. Kehrten sie nach dem Ende der Testreihe zu ihrer normalen Ernährung mit natürlichen Bestandteilen zurück, verloren sie schnell wieder das zusätzliche Gewicht.

Einige der Lebensmittel sind im Grunde schon vorverdaut. So sind zum Beispiel viele der enthaltenen Getreidebestandteile bereits weitestgehend aufgespalten. Gesunde Ballaststoffe und Fettsäuren fehlen meist. Zurück bleiben nur kurzkettige Kohlenhydrate. Es gibt Erzeugnisse, die deswegen bereits im Mund statt ursprünglich in Magen und Darm verdaut werden. Der hohe Anteil schlechter Kohlenhydrate lässt so den Blutzucker rasend schnell nach oben schießen. Ebenso schnell stürzt er ab - und der Hunger ist wieder zurück. Auch scheint die Umgehung des Darms dafür zu sorgen, dass die gesundhaltende Bakterienschicht dort Schaden nimmt. So können krankmachende Erreger und Giftstoffe in den Körper gelangen. Das kann wiederum Auslöser sein für Diabetes, Asthma oder Alzheimer. 

Erfolgreich abnehmen: Obst und Gemüse machen den Unterschied

All das sollte man wissen, wenn man heute einen Supermarkt betritt. Denn wer erfolgreich und langfristig abnehmen will, muss mit dieser Art der Lebensmittel radikal Schluss machen. Es braucht in den allermeisten Fällen keine komplizierte Diät. Die endet ohnehin fast immer im JoJo-Effekt. Viel mehr braucht es eine Emanzipation und Rückbesinnung. Wer sein Idealgewicht anstrebt, muss sich frei machen von den Verführungen der modernen Lebensmittelindustrie. Und sich an (ausnahmsweise) auf alte Zeiten rückerinnern. Denn wir sind doch mehr als vielen bewusst ist, immer noch die Jäger und Sammler von früher. Eine auf Obst und Gemüse basierende Ernährung bekommt uns am besten. Wer seinen Speiseplan umstellt, wer zu viel frischen und unbehandelten Lebensmitteln greift, wird das auch bald auf der Waage sehen. So kann man sich sattessen - und nimmt trotzdem ab. Ein weiterer Nebeneffekt: Wer sich so ernährt, wird auch gesünder. Das wurde sehr gut in zahlreichen Studien belegt. Ich stelle mir inzwischen beim Einkauf ganz oft die Frage: Hätte meine Großmutter Frida das gekauft? Die Antwort ist meistens nein. Denn die Zutatenlisten lesen sich oft wie Bestandteile eines Chemiebaukastens. Wenn auch Sie davon die Finger lassen, werden Sie schnell merken, wie die Pfunde purzeln.

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