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Tabakentwöhnung: Wege aus der Sucht

Tabakentwöhnungsprogramme - ein sperriges Wort für ein großes Ziel: Weg von der Zigarette. stern.de gibt einen Überblick über die Methoden.

Von Silke Haas

Nikotinpflaster, Hypnose oder Pendeln - die Angebote zur Rauchentwöhnung sind so zahlreich wie schillernd. Bei vielen Rauchern ist der Wille da, aber die Versuchung größer. In geselliger Runde in der Stammkneipe, auf der Party oder wenn der Chef mal wieder richtig Druck macht - schnell sind alle guten Vorsätze dahin und der Griff in die Schachtel und zum Feuerzeug da.

stern.de hat verschiedene Möglichkeiten unter die Lupe genommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Eines ist allen Methoden gemeinsam: "Ich will!" ist ein Muss. Rauchen ist eine Sucht und der Kampf gegen die "Sucht" beginnt im Kopf.

Betreute Gruppenprogramme

Früher unterschied man die unterschiedlichen Entwöhnungsmethoden strikt nach ihren Ansätzen: Stufenweises Absetzen des Tabakkonsums (Reduktionsmethode) oder kompromissloses Aufhören von heute auf morgen (sog. Schlusspunktmethode).

Heute kann sich der Raucher aus unterschiedlichen Bausteinen sein persönliches Programm zusammenbauen. Ein Betreuer steht ihm dabei zur Seite und zeigt ihm Motivationsstrategien. Die Gruppe ist Rückhalt und Unterstützung.

Entsprechend vorbereitet kann er den Zigaretten in einem Schritt - ab jetzt keine Zigaretten mehr - oder in vielen kleinen Schritten abschwören. Zur Vorbereitung gehört auch, das eigene Umfeld über den Entschluss zu informieren und Hilfe von Familie und Freunden anzunehmen.

Ohne einen geht es bei allen Methoden nicht: den Raucher. Sein Entschluss muss von innen kommen und er muss vom "Nein" zum Glimmstängel überzeugt sein.

Die schwierigste Phase beginnt nach der letzten Zigarette. Die körperliche Abhängigkeit vom Nikotin zeigt jetzt ihre Wirkung. Der Raucher wird nervös und reizbar. Hier können Nikotinersatzpräparate die Entzugssymptome dämpfen.

Zielgruppe:

Alle Raucher, die eine intensive und Erfolg versprechende Methode suchen

Erfolg:

25 bis 40 Prozent nach einem Jahr. Relative Wirksamkeit 2,16 bedeutet Folgendes: Wenn eine Kontrollgruppe 10 Prozent Abstinenz erzielt hat, war die Gruppe mit der Schlusspunktmethode 2,16 mal so effektiv und hat damit 21,6 Prozent Abstinenz erreicht

Kosten:

unterschiedlich, zwischen 250 und 350 Euro

Nebenwirkungen:

keine

Selbsthilfe

Natürlich kann es ein Raucher auch ohne Unterstützung einer Gruppe schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören. Dieser Weg ist jedoch schwieriger, da die Gruppe Rückhalt und Motivation auf Durststrecken gibt.

Zielgruppe: Alle Raucher, die sehr motiviert und diszipliniert sind

Erfolg: Wissenschaftlich nicht erwiesen, aber die Erfolgsquoten sind geringer als bei den Gruppenprogrammen

Kosten: Keine

Nebenwirkungen: Keine

Selbsthilfe-Bücher

"Endlich Nichtraucher" - wer kennt nicht das Buch des britischen Bestsellerautors Allan Carr? Das Buch ist kein medizinischer Ratgeber: Der Autor gibt psychologische Tipps, wie man es schafft, auch in schwierigen Situationen nicht in die Schachtel zu greifen.

"Endlich Nichtraucher" steht für eine Vielzahl von Ratgebern, die aufhörwillige Raucher auf ihrem Weg unterstützen. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Komponenten, Therapieansätze und Ziele.

Zielgruppe:

Alle, besonders auch unmotivierte Raucher

Erfolg:

Selbsthilfebroschüren haben in wissenschaftlichen Studien Abstinenzquoten von ca. 2 Prozent und eine relative Wirksamkeit von 1,2

Kosten:

Unterschiedlich

Nebenwirkungen:

Keine

Buchtipps

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Broschüre "Ja, ich werde rauchfrei!"/link> (Zusendung kostenfrei)

Arbeitskreis Raucherentwöhnung: Nichtraucher in sechs Wochen: Ein Selbsthilfeprogramm für alle, die das Rauchen aufgeben wollen. Preuss, Ratingen 2003

Mohl, H.: Rauchen? Der erfolgreiche Ausstieg. Springer, Berlin 1995

Rihs, M., Lotti, H.: Frei vom Rauchen. Gezielt aufhören - und das Leben neu genießen. Hans Huber, Bern 1993

Becker, H.: Aktion Nichtraucher! Wege zur Suchtüberwindung. Hartmut Becker, Marburg 1995

Lindinger, P.: Nichtrauchen und trotzdem schlank. Die Methode mit Köpfchen. Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2000

Unland, H.: Der Raucher-Ratgeber: Nichtraucher werden und bleiben. CIP-Medien, München 2000

Lindinger, P.: Lust und Last des Rauchens. Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2004

Akupunktur

Akupunktur ist ein altes chinesisches Heilverfahren, das auch in Europa von Ärzten und Heilpraktikern eingesetzt wird. Spezielle Nadeln werden in die so genannten "Suchtpunkte" im Ohr gesetzt. Sie sollen den Patienten bei seiner Entscheidung, nicht mehr zu rauchen unterstützen, indem sie seine aus dem Gleichgewicht geratenen Körperfunktionen stabilisieren.

Akupunktur soll den Patient in körperliche Gleichgewicht bringen - so fällt es ihm leichter, der Gier nach Nikotin zu widerstehen. Gleichzeitig sollen die Entzugserscheinungen aufgefangen werden, die mit dem Rauchstopp verbunden sind. Ist der Raucher nicht willens, mit dem Rauchen aufzuhören, können die Nadeln auch nicht helfen.

Zielgruppe:

Alle, die sich Erfolg von dieser Methode versprechen und einen seriösen Anbieter kennen

Erfolg:

Kurzfristig wurden gute Erfolge erzielt, lang- und mittelfristig verlieren sich die Effekte meist wieder. Kurzfristig 1,22, nach zwölf Monaten 1,08

Wissenschaftlicher konnten in Analysen keine positiven Ergebnisse durch Akupunktur nachweisen. Sie vermuten, dass die Erfolge eher auf den positiven Erwartungen der Patienten beruhen.

Kosten:

Einzelsitzung ab 45 Euro

Nebenwirkungen:

In wenigen Fällen Hautreizungen und Rötungen

Adressen:

Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren e.V

Bund Deutscher Heilpraktiker e.V.

Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V.

Freier Verband Deutscher Heilpraktiker e.V.

Freie Heilpraktiker e.V.

Hypnose

Ein Therapeut versetzt den Raucher in Trance: Er wirkt auf das Unterbewusstsein des Patienten ein und versucht über eine Bewusstseinsveränderung, die Lust auf die Zigarette zu verdrängen. Es gibt unterschiedliche Ansatzpunkte. Wer Hypnose skeptisch gegenübersteht oder nicht an ihre Wirkung glaubt, sollte lieber einen anderen Weg wählen.

Zielgruppe:

Alle, die an Wirksamkeit von Hypnose glauben

Erfolg:

wissenschaftlich nicht bewiesen; der Raucher bleibt in einer überwiegend passiven Rolle und erwirbt keine Strategien, um bei aufkommendem Rauchverlangen gegensteuern zu können

Nebenwirkungen:

Keine. Viele Patienten befürchten, dass während der Hypnose Missbrauch betrieben wird. Diese Sorge ist jedoch unbegründet: Auch ein unter Hypnose stehender Mensch kann nicht gegen seinen eigenen Willen handeln.

Kosten:

40 und 120 Euro je Sitzung. Die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen

Adressen:

Deutsche Gesellschaft für Hypnose e.V. Deutsche Gesellschaft für Hypnose-Therapie

Nikotinersatzpräparate

Am bekanntesten sind Nikotinpflaster und -kaugummis, weniger bekannt ist das Nasenspray. Das Grundprinzip besteht darin, den nikotinabhängigen Organismus mit dem süchtig machenden Wirkstoff aus einer anderen Quelle zu versorgen und so die Entzugserscheinungen zu mildern.

Die Präparate geben Nikotin dosiert an den Körper ab und lindern so die körperlichen Entzugserscheinungen. Die Entwöhnung erfolgt stufenweise, mit immer geringerer Nikotinaufnahme.

Rauchen in Verbindung mit einem Nikotinersatzpräparat kann in einer Nikotinvergiftung und damit tödlich enden. Bei körperlich abhängigen Rauchern verdoppelt die Nikotinsubstitution die Erfolgschancen.

Alle Nikotinersatzprodukte sind Arzneimittel. Rücksprache mit einem Apotheker oder Arzt wird dringend empfohlen und lesen Sie unbedingt den Beipackzettel.

Zielgruppe:

Raucher mit einer körperlicher Tabakabhängigkeit, die Angst vor Entzugssymptomen haben, oder Raucher, die schon einige Ausstiegsversuche hinter sich haben und nach wenigen Tagen gescheitert sind

Erfolg:

Relative Wirksamkeit aller Präparate im Vergleich zu einer Kontrollgruppe (Placebo) 1,77. Das bedeutet, dass z.B. die Placebogruppe 10 Prozent Abstinenz erzielt hat und die Gruppe mit Nikotinersatz 17,7 Prozent

Nebenwirkungen:

vereinzelt Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, manchmal auch erhöhtes Herzklopfen oder Geschmacksirritationen

Manche der Entzugserscheinungen werden von Patienten als "Nebenwirkungen" erlebt. Bei sachgemäßer Anwendung sind für den Raucher, der an den Effekt von Nikotin aus der Zigarette gewöhnt ist, kaum Nebenwirkungen zu erwarten

Nikotinpflaster

Nikotinpflaster sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Ärztliche Aufsicht ist dennoch erforderlich, da das Medikament die Blutgefäße verengen kann. Die Pflaster gibt es in drei Stärken: Raucher mit einer Tagesdosis von mehr als zehn Zigaretten sollten zunächst die höchste Dosis anwenden.

Man kann zwischen einem 16-Stunden- und 24-Stunden-Pflaster wählen. Das 16-Stunden-Pflaster wird abends abgenommen, das 24-Stunden-Pflaster bleibt rund um die Uhr auf der Haut.

Erfolg:

Relative Wirksamkeit 1,81

Kosten:

zwischen 57 und 82 Euro für 28 Tage

Nebenwirkungen:

vereinzelt lokale allergische Reaktionen wie Juckreiz, Brennen oder Ödeme

Nikotinkaugummi

Im Gegensatz zur Zigarette ist das Kauen des Kaugummis kein Genuss, denn es hat einen gewöhnungsbedürftigen Geschmack. Der Raucher hat die Wahl zwischen verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stärken (2 mg und 4 mg Nikotin).

Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Man sollte es langsam und mindestens 30 Minuten lang kauen. Um eine optimale Aufnahme des Nikotins zu ermöglichen, sollten starker Kaffee und säurehaltige Speisen und Getränke rund 15 Minuten vor dem Kauen gemieden werden.

Erfolg:

Relative Wirksamkeit 1,66

Kosten:

zwischen 57 und 82 Euro für 28 Tage

Nebenwirkungen:

Irritationen im Mund oder Hals, vermehrter Speichelfluss, Schluckauf, Sodbrennen oder Magenschmerzen

Nasenspray

Der Nikotinnasenspray wird bei Rauchverlangen in ein bis zwei Sprühstößen pro Stunde in jedes Nasenloch gesprüht. Dies entspricht einer Gesamtnikotinzufuhr von ca. 1 mg.

Das Nikotinspray ist verschreibungspflichtig und nicht mehr offiziell im deutschen Handel erhältlich. Er kann nur über den internationalen Handel bezogen werden.

Erfolg:

Relative Wirksamkeit 2,35

Kosten:

Je nach Bezugsland unterschiedlich

Nebenwirkungen:

Nasenreizungen, laufende Nase, Niesen, Schnupfen, gelegentlich treten Kopfkribbeln, Nasenbluten, Pharyngitis, Halsreizungen und eine wunde, empfindliche Nase auf. Es besteht außerdem die Gefahr, von dem Nasenspray abhängig zu werden

Antiraucherpille Zyban

Zyban ist seit 2000 in Deutschland zugelassen. Die Pille enthält kein Nikotin, ist also kein klassisches Nikotinersatzpräparat. Ihr Inhaltsstoff Bupropion ahmt die Wirkung von Nikotin im Gehirn nach und sorgt so für den Genusseffekt. Zudem dämpft es die Entzugserscheinungen.

Bupropion wird auch als Antidepressivum eingesetzt. Der Einsatz ist nicht unproblematisch, denn es können erhebliche Nebenwirkungen auftreten. Erfolg hat eine Therapie jedoch nur, wenn der Raucher auch motiviert ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Therapie dauert zwischen sieben und neun Wochen.

Zielgruppe:

Raucher, die mit Zyban behandelt werden wollen, sollten sich vor Beginn der Therapie gründlich untersuchen lassen. Die Anwendung ist nur für psychisch und physisch gesunde Menschen geeignet. Auf keinen Fall dürfen Schwangere oder Menschen mit Bulimie, Magersucht oder Epilepsie das Medikament nehmen.

Erfolg:

Relative Wirksamkeit 2,06.

Kosten:

127 Euro für 100 Tabletten

Nebenwirkungen:

Vereinzelt treten Krampfanfälle auf. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind erwiesen. Einige Patienten klagen über Schwindel, Mundtrockenheit, Atemnot, Hautausschläge und Schlafstörungen

Online-Ausstiegsprogramme

Es gibt eine Reihe kostenfreier Online-Ausstiegsprogramme, die die Teilnehmer während des Ausstiegs aus der Sucht begleiten. Die Teilnehmer machen persönliche Angaben zu ihren Rauchgewohnheiten und werden auf dieser Basis mit täglichen virtuellen Tipps motiviert.

In dem persönlichen Benutzerkonto stehen den Teilnehmern neben nützlichen Hilfsmitteln zur eigenen Erfolgskontrolle auch zahlreiche Downloads und Links mit vertiefenden Informationen zu Verfügung. Wer nicht täglich ins Internet kommt, verpasst mit dem E-Mail-Service keine wichtigen Tipps und Informationen.

Ein Beispiel ist die Seite #link;http//www.rauchfrei-info.de;"Rauchfrei"# der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Erwachsene.

Das Austeigerprogramm "SQUIN" gibt es erst seit 2012. Es wendet sich mit einer Mischung aus Spiel und Social network vor allem an junge Raucher und kann sie über Jahre begleiten. Im Unterschied zu vielen anderen programm, arbeitet der Raucher hier zunächst auf einen "Rauchstopptag" hin anstatt von einem auf den anderen Tag aufzuhören. #link;www.squin.de;"SQUIN"# wird im Hintergrund von Psychologen und "Rauchentwöhnungstrainer" betreut.

Zielgruppe:

Raucher ab 18 Jahren

Erfolg:

wird zur Zeit erhoben

Kosten:

keine

Nebenwirkungen:

keine

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