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Vogelgrippe in Deutschland: Sofortmaßnahmen gegen die Seuche

Alles Geflügel in der Region muss in den Stall, Schutzzonen wurden eingerichtet, in Berlin tagt der Krisenstab - die Behörden versuchen, die Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland zu unterbinden. Inzwischen gibt es einen neuen Verdachtsfall.

Im Fall der beiden toten Schwäne auf der Ostsee-Insel Rügen geht auch das Robert-Koch-Institut (RKI) vom aggressiven Vogelgrippe-Virus H5N1 aus. "Es ist leider so, diese Schwäne sind mit H5N1 aus Asien infiziert. Wir müssen davon ausgehen, dass sich dieser Verdacht bestätigt hat", sagte RKI-Chef Reinhard Kurth im ZDF-"Morgenmagazin".

Am Mittwochnachmittag meldete das Landratsamt in Bergen zudem einen weiteren Verdachtsfall: Im Norden Rügens, nahe Dranske, sei ein toter Habicht gefunden worden. In ersten Schnelltests wurde demnach ebenfalls der H5N1-Erreger nachgewiesen, teilte die Behörde auf einer Pressekonferenz mit.

Für Unruhe sorgte außerdem am Mittwoch der Fund von toten Enten in Hamburg. Die Polizei sperrte den Fundort der Tiere im Mittelkanal im Stadtteil Hammerbrook ab. Bei Vögeln mit einer unklaren Todesursache lassen die zuständigen Bezirksveterinäre die Kadaver im Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt untersuchen. Ob auch die toten Enten aus Hammerbrook dort überprüft wurden, war nicht zu erfahren.

Seehofer lässt Geflügelbestände prüfen

Vor der Sitzung des Nationalen Krisenstabs zur Tierseuchenbekämpfung in Berlin erklärte Agrarminister Horst Seehofer, er wolle alle Bestände von Haus- und Nutzgeflügel klinisch auf eine mögliche Infektion überprüfen lassen. Seehofer sprach von einer "Besorgnis erregenden Entwicklung". Nun gelte es, "zwischen Bund, Ländern und Fachbehörden sehr eng zusammen zu arbeiten, um Nutztiere und vor allem auch die Menschen zu schützen". Schutzvorkehrungen seien getroffen. Sie müssten nun strikt umgesetzt werden.

Der mecklenburg-vorpommersche Agrarminister Till Backhaus berichtete, die in Mecklenburg-Vorpommern eingerichtete Hotline sei überlastet. Er appellierte an seine Länderkollegen und den Bund, ebenfalls Informationsangebote einzurichten. Darüber hinaus sollten alle sofort eine Stallpflicht und ein Verbot von Geflügelmärkten und -ausstellungen für ihre Bundesländer erlassen. Sollte das Virus in Wirtschaftsgeflügel auftauchen, müsste auch die Möglichkeit von Impfungen ins Auge gefasst werden, sagte Backhaus weiter. Seehofer erklärte, in diesem Fall werde es auch zu Massenschlachtungen kommen.

Stallpflicht vorgezogen

Bundesweit werde die Stallpflicht nochmals vom kommenden Montag auf Freitag vorgezogen, teilte Seehofer mit. Das Freilaufverbot gilt zunächst bis Ende April; auch Geflügelmärkte und -schauen sind mit verschärften Ausnahmen befristet verboten.

"Wir bitten auch die Bevölkerung um Mithilfe, dass sie in der Natur tote Tiere meldet - um Gottes Willen nicht anfasst, damit unsere Behörden dann das Ihre tun können", sagte Seehofer.

Weitere Tests bis Donnerstag

Bereits am vergangenen Freitag hatten Urlauber vier verendete Schwäne an einer Fähre zwischen den Inseln Rügen und Hiddensee gefunden. Bei zwei Tieren wurde in ersten Schnelltests das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen. Endgültige Klarheit sollen weitere Tests in einem EU-Labor in London bringen, deren Ergebnisse jedoch erst am Donnerstag vorliegen werden.

In einer Schutzzone im Radius von 10 Kilometern um die Fundorte der toten Schwäne muss das Geflügel nach EU-Recht ab sofort in Ställe eingesperrt werden. In einer engeren Sperrzone von drei Kilometern dürften 21 Tage lang mindestens kein Geflügel oder Geflügel-Fleisch "bewegt", also ein- oder verkauft, werden.

Wo steckten sich die Schwäne an?

Rätselraten herrscht derzeit noch um die Herkunft des Vogelgrippe-Virus. Denn bei den auf Rügen verendeten Vögeln handelt es sich nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit um Höckerschwäne. "Diese Art ist ein Standortvogel, der immer hier ist", sagte die Sprecherin des Instituts auf der Insel Riems, Elke Reinking, am Mittwoch. "Uns beschäftigt jetzt die Frage, wo kommt das Virus her?"

Die Schwäne könnten sich bei Wildenten angesteckt haben, die das Influenzavirus natürlicherweise verstärkt in sich tragen. Diese könnten sich schon im vergangenen Jahr bei Zugvögeln mit dem auch für Menschen gefährlichen Virus H5N1 infiziert haben. "Dann kam das Virus bis jetzt unentdeckt in der Wildvogelpopulation vor", sagte Reinking. Der Ausbruch der Krankheit jetzt könne durch Stress wegen Nahrungsmangels hervorgerufen worden sein.

"Die Höckerschwäne können aber auch aus Osteuropa gekommen sein", mutmaßte Reinking. Sie könnten vor der Kälte in Russland geflohen sein. "Wir wissen nicht, wie weit sie fliegen können. Mehrere hundert Kilometer können es aber sein."

"Keine Gefahr für Verbraucher"

Die Geflügelzüchter sehen trotz des Vogelgrippeverdachts bei Wildvögeln in Deutschland derzeit kein Risiko für die Verbraucher. Die bei Züchtern gehaltenen Geflügelbestände seien virusfrei, erklärte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft am Mittwoch in Berlin. "Es besteht überhaupt keine Gefahr für den Verbraucher, er kann ohne weiteres Geflügel essen", sagte Präsident Gerhard Wagner.

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Deutschland forciert Vogelgrippe-Impfprogramm bei Menschen

Unabhängig von den Ereignissen auf Rügen kommt Deutschland der Entwicklung eines Vogelgrippe-Impfstoffes für Menschen einen Schritt näher. Die Bundesregierung habe 20 Millionen Euro bewilligt, sagte Klaus Vater, der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, am Mittwoch in Berlin.

Nun wollen nach Angaben Vaters zwei deutsche Firmen die mögliche Entwicklung eines Impfstoffes weitestgehend vorbereiten. Geplant sei die Produktion von 160 Millionen Dosen. Damit soll die Bevölkerung der Bundesrepublik zwei Mal vollständig geimpft werden können.

Der eigentliche Impfstoff könne erst entwickelt werden, wenn sich ein Virus gebildet hat, das bei Menschen eine Pandemie auslösen könnte. Dies ist bislang nicht der Fall. Wenn dies aber passiert, könne ein Impfstoff nach den nun forcierten Vorarbeiten innerhalb weniger Monate entwickelt werden. Deutschland sei im internationalen Bemühen um einen solchen Impfstoff damit nach vorne gerückt.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters

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