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Ebola-Epidemie Warum die Zwangsquarantäne für Ebola-Helfer Unsinn ist


Drei Wochen Zwangsquarantäne drohen Ebola-Hilfskräften, die nach New Jersey, Florida und Illinois heimkehren. Das ist nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich.
Ein Kommentar von Lydia Klöckner

Kaci Hickox hat Schlimmes erlebt. Einen Monat lang musste sie bei ihrem Einsatz in Sierra Leone zusehen, wie Menschen an Ebola starben und Familien zerbrachen. Sie bekam mit, wie Eltern sich von ihren kranken Kindern verabschiedeten. Sie kämpfte um das Leben eines zehn Jahre alten Mädchens - und stand ihm bei, als es unter Qualen starb. "Ich versuchte zu helfen, als andere nur zusahen und nichts taten", schreibt Hickox in einem Essay in den "Dallas Morning News". Eigentlich gebührt ihr dafür nur eins: großer Respekt.

Bei ihrer Heimkehr wurde ihr allerdings genau das Gegenteil zuteil: Sie wurde in "Zwangsquarantäne" gesteckt - eine kopflose Panik-Aktion, die die US-Bundesstaaten New Jersey, New York, Florida und Illinois als Schutz gegen die Ausbreitung der Seuche eingeführt haben. Grund zur Empörung bietet die Maßnahme nicht allein, weil sie gegen den Willen des Weißen Hauses eingeführt wurde und der Empfehlung der Gesundheitsbehörde widerspricht. Oder, weil sie die teils schwer traumatisierten Helfer unnötigen Strapazen aussetzt und zugleich jeder wissenschaftlichen Rechtfertigung entbehrt.

Mit der übertriebenen Regelung übermitteln die US-Staaten auch eine gefährliche Botschaft. Sie demonstrieren, dass sie Hilfskräften keine Rückendeckung bieten. Sie behandeln Menschen, die im Ausland Heldentaten vollbringen, wie Kriminelle. Diese Politik ist gefährlich, weil sie den Kampf gegen Ebola sabotiert.

Die Epidemie ist nur vor Ort zu stoppen

Westafrika braucht Hilfe, und zwar dringend - gebetsmühlenartig wiederholen Politiker, Hilfskräfte, Betroffene, Gesundheitsbehörden, die Vereinten Nationen, Ärzte und Journalisten diesen Fakt seit Monaten in Berichten, Aufrufen und Zeitungsartikeln. Viele Länder haben zwar bereits bereitwillig Hilfe in Form von medizinischer Ausstattung und Krankenstationen beigesteuert. An Hilfspersonal mangelt es in den betroffenen Gebieten jedoch noch immer. Vor allem die Angst vor der Ansteckung hält Pfleger und Ärzte davon ab, nach Westafrika zu reisen. Viele von ihnen hadern mit der Entscheidung, weil sie Sorge haben, dass sie womöglich nie wieder zurückkommen. Geschichten wie die von Hickox werden sie absurderweise auch das Gegenteil fürchten lassen: dass sie zurückkehren - und dann drei Wochen in einem isolierten Zimmer verbringen müssen, das an eine Gefängniszelle erinnert.

New York hat die harsche Regelung mittlerweile gelockert. Wer wie Kaci Hickox aus Westafrika zurückkehrt und dort mit Ebola-Kranken in Kontakt gekommen ist, aber keine Symptome zeigt, muss die Quarantäne nicht im Krankenhaus ableisten, sondern darf zu Hause bleiben. Höchste Zeit, dass auch New Jersey, Florida und Illinois ihre überzogene Sicherheitspolitik auf ein gesundes Maß zurückfahren und sich auf die Worte des Chef-Immunologen der CDC, Anthony Fauci, zu besinnen: "Die beste Art, sich zu schützen, ist es, die Epidemie in Afrika zu stoppen."


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