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Clive Owen im Interview: Der wütende Kerl

Wenn die Welt im Chaos versinkt, ist er hoffentlich in der Nähe. In seinen Filmen ist Clive Owen der integre Kämpfer für den guten Zweck. Und auch im wahren Leben kommt der Brite schnell zur Sache. stern.de traf Hollywoods schönen Mann fürs Grobe.

Von Sophie Albers

Er ist kein neuer Bruce Willis, doch in seinen Filmen meist genauso dreck- und blutverkrustet wie der "Stirb langsam"-Held. Er ist kein James Bond, doch liegt ihm die Kombination von Stil und Leidenschaft in den Schauspieler-Genen. Seit fast zehn Jahren sorgen Clive Owens Leinwandauftritte beim weiblichen Publikum für erhöhten Pulsschlag. Der 44-Jährige ist der Star von Tom Tykwers großem Finanzkrisen-Thriller "The International".

Schon als Owen vor der Tür steht, sieht man seine stahlgraugrünen Augen feuern. Er scheint nicht gerne Interviews zu geben, hat die Arme verschränkt, wippt ununterbrochen mit dem Bein, würde offenbar am liebsten fliehen wie im Film. stern.de lässt ihn aber nicht weg.

Mister Owen, in "The International" decken Sie die menschenverachtenden Machenschaften einer international agierenden Bank auf. Der Film endet offen. Die Botschaft ist: Es hört nie auf. Wenn ein Bösewicht abtritt, rückt der nächste nach. Das ist ziemlich frustrierend.

Ich liebe das Ende! Das erinnert an Filme aus den 70er Jahren. Alles andere wäre doch total klischeehaft. Salinger (Owens Rolle) kriegt den Bösen und ist zufrieden? Dafür ist der Film zu intelligent. So ist die Welt nicht. Ein offenes Ende ist gut! Ich mag es lieber so, als wenn es niedlich und rund ist.

Das klingt pessimistisch.

Finden Sie? Vergessen Sie nicht, es ist ein Thriller, totales Entertainment. Ein dicker, mitreißender Film, der durch die Welt reist.

Wollen Sie damit sagen, die Leute nehmen Filme zu ernst? Wollen Sie nicht, dass Menschen sich Gedanken darüber machen?

Klar will ich das. Es ist immer besser, wenn es um etwas geht. Aber der aktuelle Bezug, macht es nicht weniger unterhaltsam. Das muss klar sein. Würden Sie sich wirklich einen Film angucken, von dem es heißt, es geht um Globalisierung und korrupte Banken? Ich will nicht, dass die Leute denken, dass es ein deprimierender, steriler Film ist. Denn das ist er nicht. Das ist das Ding mit Toms (Tykwers) Filmen: Alle seine Filme haben diesen großartigen Sinn dafür, was einen Film ausmacht. Sie sind unterhaltsam und gleichzeitig intelligent. Sie sind wie ein sehr bequemer Sessel, in den man sich setzt.

Aber am Ende bleibt für den Helden nichts übrig als Hilflosigkeit, der Glaube an Nichts

Das ist gut (grinst) Nein ehrlich, Filme, die nicht aufs Klischee reinfallen, sind viel spannender. Ich finde das positiv.

Eine Komödie ist nicht so bald von Ihnen zu erwarten, oder?

Ich kriege nicht viele Komödien angeboten, und die, die ich geschickt kriege, finde ich nicht witzig. Und dann mache ich sie auch nicht.

Fürchten Sie nicht, irgendwann nur noch der "wütende Mann" zu sein? In "The International" haben Sie ununterbrochen diese steile Stirnfalte.

Letztlich sind es die Rollen, die ich spielen möchte. Außerdem gehe ich immer nach den Regisseuren. Ich will mit den Besten arbeiten. Und wenn das die Filme sind, die sie drehen, und das die Rollen, in denen sie mich sehen wollen, ja dann... Ich werde niemals einen Film nicht drehen, weil ich fürchte: Oh, ich bin schon wieder der wütende Kerl.

Eine Frage noch: Wurden Sie je gefragt, ob Sie James Bond spielen wollen?

Nein, nie. Und das ist auch okay so.