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Golden-Globes-Verleihung: Hollywood hat Bodenkontakt aufgenommen

Erfreuliches für den deutschen Film: Sowohl Michael Haneke als auch Christoph Waltz haben Golden Globes abgeräumt. Doch auch sie konnten den Esprit einer drögen Veranstaltung nicht steigern. Der Glamour geht im Regen baden, Hollywood hilft Haiti lautet das Motto des Abends.

Von Ulrike von Bülow

Es regnet, als das Schaulaufen auf dem roten Teppich beginnt. Vor dem "Beverly Hilton Hotel" in Los Angeles, in dem an diesem Sonntag die Golden Globes vergeben werden, sind ziemlich viele Schirme zu sehen, unter denen hin und wieder ein berühmtes Wesen hervorguckt. George Clooney zum Beispiel, der eines Seebären würdigen Vollbart trägt und selig seiner Freundin ins Dekolleté lächelt, der Italienerin Elisabetta Canalis. Oder Mariah Carey, an deren üppig gefülltem Ausschnitt die Wassertropfen abprallen. Und Sandra Bullock, die ein violettes Kleid vorführt, das sich furchtbar mit dem roten Teppich beißt, aber sehr schön schulterfrei ist. Sie fühle sich etwas "nass", sagt Bullock und blinzelt gen Himmel. Doch was soll's? Sie hat eine Million Dollar gespendet für die Opfer des Erdbebens in Haiti - es gibt schlimmeres als ein bisschen Regen, da sind sich auf dem roten Teppich alle einig.

Der Look des Abends: rot-blau-gelbe Solidaritätschleifchen

Hollywood hilft, das ist das Thema des Abends: Die Stars signieren eine weiße Limousine, die später versteigert werden soll, zugunsten Haitis. Viele von ihnen haben sich rot-blau-gelbe Solidaritätsschleifchen ans Revers oder ans Trägerchen geheftet, die Farben des Inselstaates. Und kaum, dass die Verleihung beginnt, steht Nicole Kidman auf der Bühne und bittet die Zuschauer, Gutes zu tun: "Gehen Sie zu NBC.com, dort können Sie spenden!"

NBC, das ist der Sender, der die Golden Globes in Amerika ausstrahlt, und dieser Sender hatte zuletzt ein paar Problemchen mit der Veranstaltung. Die Quoten schrumpften, 2009 schalteten nur noch 15 Millionen Zuschauer ein, fünf Millionen weniger als 2007. Das war besonders beunruhigend, da vergleichbare Shows - die Verleihung der Oscars, Emmys oder Grammys - derweil beim Publikum zulegten. Darum hat man sich nun ein paar Änderungen überlegt. Zum Beispiel gibt es erstmals seit 15 Jahren wieder einen "host", einen Gastgeber, der durch die Gala führt: Ricky Gervais, der britische Komiker, beginnt mit ein paar Scherzchen zum Thema Schönheitsoperationen ("Ich hatte eine Penis-Verkleinerung. Aber wenn ich ihn in der Hand halte, sieht er noch sehr groß aus"), über die sie in Los Angeles wegen des vielen Botox im Gesicht nur bedingt lachen können.

Wenigstens tanzen um die Augen von Meryl Streep fröhlich ein paar Fältchen, als diese gerührt einen Preis entgegennimmt - als "Beste Darstellerin in einer Filmkomödie". Streep schlägt sich in dieser Kategorie selbst: Sie ist gleich zweimal nominiert, für ihre Rollen in "It's complicated" ("Wenn Liebe so einfach wäre", deutscher Kinostart: 21.1.) und "Julie & Julia". Und gewinnt als Julia.

"Avatar" schlägt "Up In The Air", Bridges hängt Clooney ab

Mit den Golden Globes beginnt die amerikanische Filmpreis-Saison: Alljährlich werden sie von der "Hollywood Foreign Press Association" verliehen und gern als "Stimmungsbarometer für die Oscar-Verleihung" bezeichnet. So gesehen ist mal wieder die Frage: Wer räumt ab, jetzt und auch in naher Zukunft? "Avatar" von James Cameron, das fantastische Science-Fiction-Werk in 3D, das weltweit mehr als eine Milliarde Dollar eingespielt hat und für vier Golden Globes nominiert ist? Oder "Up In The Air", der Film zur Rezession, der an diesem Abend sechs Preise gewinnen kann? George Clooney spielt darin einen Mann, der die meiste Zeit seines Lebens im Flugzeug verbringt, da er durchs Land reist, um Angestellten zu kündigen. Clooney wird als "Bester Darsteller in einem Filmdrama" vorgeschlagen, unterliegt in dieser Kategorie aber Jeff Bridges, der den Golden Globe für seine Rolle als Countrysänger in "Crazy Heart" erhält.

Zwischenzeitlich kommen ein paar deutschsprachige Filmschaffende zu Wort: Der österreichische Regisseur Michael Haneke erklärt, er wisse nicht, wie er seine Gefühle ausdrücken soll, entschuldigt sich für sein radebrechendes Englisch und dankt für einen Golden Globe, der an "Das Weiße Band" geht, eine deutsch-österreichische Koproduktion, die als "Bester fremdsprachiger Film" ausgezeichnet wird. Dann wird der ebenfalls aus Österreich stammende Christoph Waltz als "Bester Nebendarsteller" geehrt, für seine Darstellung des SS-Standartenführers Hans Landa in "Inglourious Basterds". Einem Film von Quentin Tarantino, "der mich mit diesem Preis in seinen Orbit sog", wie Waltz gewohnt gefasst und etwas weltfremd fabuliert: "Meine kleine Welt wurde Teil einer Konstellation, die ihr vergoldet habt." Aha! Klarer drückt sich da Sandra Bullock aus, die einen Golden Globe bekommt für ihren Auftritt in "The Blind Side", Abteilung "Beste Darstellerin in einem Filmdrama". Bullock schickt einen Gruß an ihre "german family", bei der es nun schon früh am Morgen ist: "Ihr geht jetzt ins Bett. Zähne putzen!", sagt sie auf Deutsch, sehr niedlich.

Dann betritt Julia Roberts die Bühne, im knielangen, schwarzen Kleid, und haucht ins Mikrophon, welcher Film "the Best Motion Picture Drama" ist: "Avataaaar!" James Cameron wird außerdem zum "Besten Regisseur" gekürt, er ist der Big Winner des Abends. "Up In The Air" landet derweil auf dem Boden. Nur ein Preischen gibt es - für das "Beste Drehbuch" von Jason Reitman und Sheldon Turner. George Clooney nimmt's gelassen. Er organisiert gerade einen Spendenmarathon für Haiti, der am 22. Januar im amerikanischen Fernsehen laufen soll, "und hier sind eine Menge Leute unterwegs, die ich gern dabei hätte", sagt Clooney. "Ich gehe jetzt von Tisch zu Tisch und sehe zu, dass ich so viele Zusagen bekomme wie möglich."