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Schüler fühlten sich gestört: Wegen Sklaverei und toter Ureinwohnern: Schule will George-Washington-Bild übermalen lassen

Eine US-High School will ein historisches Wandgemälde übermalen, weil sich viele Schüler an Darstellungen von Sklaverei und indigenen Ureinwohnern stören. Lehrer und Professoren laufen dagegen nun Sturm.

Ein Porträt George Washingtons vom Maler Gilbert Stuart (Symbolbild)

Ein Porträt George Washingtons vom Maler Gilbert Stuart (Symbolbild)

Getty Images

In den Debatten um politische Korrektheit gerät oft einiges durcheinander. Besonders in einer Frage gibt es regelmäßig hitzige Kontroversen: Wann und in welchem Maß ist die Kritik an angeblich sexistischer oder rassistischer Sprache, Kunst und Verhaltensformen berechtigt? Wie weit darf sie gehen? Besonders unversöhnlich wird gestritten, wenn es sich um den Umgang mit Literatur und Kunst handelt.

Jüngstes Beispiel: Eine High School in San Francisco hat beschlossen, ein historisches Wandgemälde zu übermalen. Dagegen laufen Lehrer und Professoren nicht nur in der Stadt sondern in ganz Kalifornien Sturm. 500 Akademiker haben in einem offenen Brief den Bezirk aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken.

Darum geht es: In der George-Washington-High-School prangt das große Wandgemälde "Life of Washington", das die wichtigsten Lebensstationen des ersten US-Präsidenten darstellt. Das Werk stammt aus dem Jahr 1936 und wurde vom dem kommunistischen Maler Viktor Arnautoff erschaffen. Es handelt sich hierbei aber nicht um einen historischen Schinken, der das Leben und die Taten Washingtons glorifiziert. Im Gegenteil: Arnautoff zeigt unter anderem die Eroberung des Landes als brutalen Krieg von weißen Männern gegen die Ureinwohner Nordamerikas. Washington wird zudem ungeschönt als Sklavenhalter gezeichnet, der er nun mal war. Auf zwölf Wänden im Eingangsbereich der Schule ist das Gemälde zu sehen.

Darstellung von Unterdrückung ist Zumutung für Schüler

Die Kritiker des Bildes betrachten es als Zumutung, dass Schüler täglich an Darstellungen vorbei gehen müssen, die zeigen, wie Ureinwohner und Schwarze Opfer von Unterdrückung und Gewalt wurden. Auf einer öffentlichen Bezirksversammlung gab es laut der Zeitung "USA Today" Sprechchöre mit der Forderung "Bring it down" (frei übersetzt: "Entfernt es"). Tatsache ist auch: Bereits seit den frühen sechziger Jahren gibt es massive Kritik an dem Werk, die seitdem nicht abgeflaut ist.

"USA Today" zitiert den Vertreter eines Ureinwohner-Stammes mit den Worten: "Es geht nicht um Zensur, es geht um das Menschenrecht: das Recht, ohne feindliche Umgebung zu lernen", sagte er. "Selbst die besten Absichten schaden." Der Vorsitzende des Schulbezirks wies den Vorwurf der Zensur zurück. Die Schüler sollten alles über die Wahrheit der Sklaverei lernen, aber nicht in der Form eines Wandgemäldes, aber in einer "sicheren Lernumgebung", die die Schüler nicht belastet.

Kritiker halten den Beschluss schlicht für Zensur, die genau das Gegenteil dessen erreiche, was sie bewirken wolle. Sie sprechen von "Schönfärberei". In ihren Augen wäre es ein Bärendienst, wenn man die umstrittenen Darstellungen entfernen würde. Schließlich würden damit auch die Opfer "verschwinden". Und sie weisen darauf hin, dass es die Aufgabe von Kunst sei, zu bewegen und aufzurütteln. Die historische Wahrheit sei manchmal schwer zu ertragen und viele Menschen würden heutzutage "hypersensibel" reagieren, wenn es um die Darstellung von Sklaverei gehe.

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Das Übermalen wird teuer

Sie schlagen vor, dass Gemälde durch Info-Tafeln zu ergänzen, die es in den geschichtlichen Kontext einordnen und das Dargestellte näher erklären. Es existiert sogar der Vorschlag, die beanstandeten Stellen mit einem Sichtschutz zu verdecken. Die könne man dann entfernen, falls man sie betrachten wolle. Darüberhinaus ist das Übermalen verdammt teuer. Es würde rund 600.000 Dollar kosten.

Aber die Vorschläge stießen offensichtlich auf taube Ohren. Der Vorsitzende des Schulbezirks machte in einer E-Mail an die "USA Today" deutlich": "Die Entscheidung, die vor zwei Wochen getroffen wurde, beendet die Diskussion". So wie es aussieht, wird es "Life of Washington" bald nicht mehr geben.

Quelle: "USA Today"

tis