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M. Beisenherz – Sorry, ich bin privat hier: Fußball, du ehrenloser Hund. Über Özil, China und die lächerliche Pose Haltung

Mesut Özil hat den Umgang mit muslimischen Minderheiten in China angeprangert. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ausgerechnet Özil ein autokratisches Regime kritisiert. Der Fall zeigt aber auch die verlogene Ignoranz des Fußballgeschäfts, findet Micky Beisenherz.

Fußballer Mesut Özil

Fußballer Mesut Özil spielt derzeit beim FC Arsenal. Der Londoner Verein distanzierte sich vom Tweet des 31-Jährigen.

DPA

Stell dir vor, Özil äußert sich politisch – und hat damit auch noch recht. Das Jahr 2019 hatte schon so manche Absurdität zu bieten. Da fiele das auch nicht mehr weiter ins Gewicht, würde uns der Vorgang um Özil nicht so wahnsinnig viel über den Fußball und seine Dummheit, Ignoranz und Verlogenheit verraten. Was war geschehen?

Der Fußballer vom FC Arsenal, gläubiger Muslim, hatte auf Twitter eine Botschaft verkündet, in der er sehr klar die Zustände kritisiert, in der seine Glaubensbrüder, die Uiguren, als muslimische Minderheit der Volksrepublik leben müssen. Die Repressalien reichen vom Verbrennen des Korans, Schließen von Moscheen, bis hin zur Internierung von Muslimen in Lagern. Dort werden Millionen von ihnen "umerzogen", was mitunter bedeutet, dass sie dort gezwungen werden, Schweinefleisch zu essen und Alkohol zu trinken.

Verfehlungen Erdogans haben Özil nicht interessiert

Für die meisten Deutschen, die Özil als Hymnenverweigerer jahrelang gehasst haben, mag das weniger nach Lager, denn nach dem letzten schönen Mallorca-Urlaub klingen, ist aber trotzdem: ein Zustand, der von Özil zu Recht beklagt wird.

Sicher, es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn ausgerechnet Mesut Özil ein autokratisches Regime kritisiert, schienen ihn die Verfehlungen seines politischen Sugardaddys Erdogan doch herzlich wenig zu interessieren, solange es nur keine Muslime betraf.

Richtig ist aber auch, dass er damit erstens seinem prominenten Trauzeugen auf die Füße tritt, der sich bei seinem Kuschelkurs mit China nun fühlen muss wie eine Single-Mutter, die zum Tinder-Date ihr aufsässiges Kind mitbringt.

Zweitens beweist Özils Arbeitgeber, der FC Arsenal eindrucksvoll, dass Rückgrat im Fußball so hoch im Kurs steht wie Schlagersängerinnen in der Halbzeitpause. Der Londoner Club distanzierte sich sofort von den Aussagen seines Stars und verwies auf die eigene unpolitische Haltung.

Wenn man weiß, wie wichtig der chinesische Markt für englische Clubs ist, wird schnell klar, warum. Spätestens, wenn es ans Geld geht, bleibt für die Moral bestenfalls ein Platz auf der Reservebank. Klar, wir wollen mündige Spieler, Persönlichkeiten, Typen mit Haltung. Die Haltung darf halt nur nicht mit unseren geschäftlichen Interessen kollidieren. Dann doch lieber Fresse halten und artig flanken.

Funktionäre mit dem Feingefühl einer Knochensäge

Ist ja auch viel einfacher, sich dann und wann ein paar nette Kampagnen für Gleichheit, Respekt und Menschenrechte zu gönnen, kurz bevor es wieder ins Trainingslager nach Katar geht oder man den Supercup in Saudi-Arabien austrägt wie der spanische Verband. In Saudi-Arabien. Dear god.

Wenn es um wirtschaftliche Interessen geht, dann beweisen die Funktionäre zumeist das Feingefühl einer Knochensäge. Manchmal sind sie aber auch einfach schon so weit weg vom Geschehen, so feist, denkfaul und bräsig, dass sie es sogar kapital verkacken, wenn sie es doch eigentlich gut meinen.

Die italienische Serie A, bekanntermaßen speziell im Hinblick auf schwarze Spieler so gastfreundlich und weltoffen wie Busse der Dresdner Verkehrsbetriebe, versuchte, sich ein Herz zu fassen und den rassistischen Beleidigungen mit einer Kampagne zu begegnen. Und wie glaubt Fußballliga-Chef Luigi De Siervo den Schwarzen am besten zur Seite zu springen? Na, logo. Mit drei bunten Affen auf dem Plakat! Soviel Ignoranz muss man erstmal hinkriegen. Man wartet stündlich darauf, dass noch Ende der Woche Berlusconi als Botschafter des Frauenfußballs präsentiert wird.

Die FC-Arsenal-Spieler Mesut Özil und Sead Kolasinac werden in London überfallen.

Bevor wir in Deutschland allerdings zu laut über die Ignoranten im Ausland lachen, sollten wir vielleicht kurz noch einmal Begriffe wie Gazprom, Ehrenrat oder Club-WM googlen.

Um mal wieder zum Ausgangs-Tweet zurück zu kommen: Der Fußball ist schon ein richtig ehrenloser Hund. Wäre er ein Mensch, er würde vermutlich mit einem Kübel voll Wodka Red Bull und Wunderkerzen in einer lila Kunstledereckbank in einem Club herumsitzen und mit der Geldscheinklammer wedeln.

Anstoß gucken ist halt geiler als Anstoß nehmen

Kann man machen. Nur dann sollte man niemanden mit halbgarer Haltungspantomime belästigen. Da liegt man nämlich in etwa so oft richtig wie der Keller in Köln.

Und wir Fans sollten uns auch nicht zu sehr echauffieren, solange wir ungerührt in die nächste Sky-Kneipe hechten, um ja nicht den Anpfiff zu verpassen. Anstoß gucken ist halt noch geiler als an irgendetwas Anstoß nehmen. Dass es einen Mesut Özil brauchte, um dem Sport seine verlogene Ignoranz vorzuhalten, ist eine besonders bittere Pointe.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.