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"Markus Lanz" Flirt mit Jamaika: FDP-Vorständin lobt die CDU und ätzt gegen die SPD

Die Gäste bei Markus Lanz
Die Gäste bei Markus Lanz (l.): SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Mitglied des FDP-Bundesvorstandes Marie-Agnes Strack-Zimmermann, NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), Journalist Robin Alexander (v.l.n.r.)
© Screenshot ZDF
Koalitions-Talk bei Lanz. Eine souveräne FDP-Frau wartet auf die richtigen Angebote von SPD und CDU. Und ätzt gegen Kühnert: "Nicht die hellste Kerze". Stattdessen gibt es politische Avancen Richtung CDU. Jamaika, ick hör dir trapsen. Die SPD scheint das nicht aus der Ruhe zu bringen.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Die vorläufigen Endergebnisse der Bundestagswahl lassen sich auch so zusammenfassen: 74,3 Prozent der Wähler haben ihre Stimme nicht der SPD gegeben, 75,9 Prozent nicht der CDU/CSU, 85,2 nicht den Grünen und 88,5 nicht der FDP. So muss man es ja auch mal sehen. Und so betrachtet, tja, so betrachtet, muss man halt auch sagen, dass, ja, was eigentlich? "Keiner von den großen Parteien kann sagen, sie sind die großen Helden", fasste es Herbert Reul zusammen. Marie-Agnes Strack-Zimmermann stimmte einen Abgesang an: "Die großen Parteien fühlen sich groß, obwohl sie es nicht mehr sind."

Stattdessen scheint die große Stunde nun für die "Kleinen" gekommen. Die FDP-Politikerin gab sich am Dienstagabend bei Markus Lanz ausgesprochen souverän. Sie erwähnte mehrmals, dass man mit den Grünen bereits in Gesprächen sei – "Nicht einfach, wir schenken uns nichts." – und dann, in Richtung SPD und Union gesprochen, "schauen wir, was die Herren anbieten." Jetzt müssten die anderen liefern. Es sei dabei unerheblich, wer Platz eins sei und wer Platz zwei, es gehe darum, sich auf Inhalte zu einigen. Denn: "Die Zeiten, dass einer das Thema setzt und alle springen, die sind vorbei."

Es diskutierten:

  • Robin Alexander, Journalist
  • Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär                                                                                               
  • Herbert Reul, Innenminister Nordrhein-Westfalens (CDU)
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Mitglied des FDP-Bundesvorstandes

Da weiß eine ganz genau, was sie will. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich schickte allerdings schon in den Nachmittagsstunden aus Berlin seine deutlichen Warnungen an die FDP und die Grünen: "Beide Parteien müssen sich klar darüber werden, dass das Schauspiel, das sie vor vier Jahren hier manchmal auf Balkonen absolviert haben, nicht den Aufgaben gerecht wird." Strack-Zimmermann verwehrte sich bei Lanz gegen "diese Tonalität." Man würde doch auch nicht sagen, "Schatz, ich will ein Verhältnis mit dir haben, aber jetzt kriegst du erstmal hinter die Ohren." Sie appellierte, dass "alle mal abrüsten" und "zivil miteinander ins Gespräch kommen sollten." Nichts dagegen. Nur: Warum hält sie sich selbst nicht dran? In der Diskussionsrunde wies sie den SPD-Generalsekretär an, demütiger zu sein: "Sie sollten kleine Brötchen backen, Herr Klingbeil." Und: "Über Kevin Kühnert lässt sich sagen, dass er nicht die hellste Kerze auf der sozialdemokratischen Torte ist."

Strack-Zimmermann flirtet mit der CDU

Richtung CDU gab es hingegen regelrechte Avancen. Jamaika, ick hör dir trapsen. Über Reul war die FDP-Frau voll des Lobes. Ah, deutete Lanz, er sehe schon, wie sie hier das Kärtchen, willst du mit gehen, rüberschiebe. Die CDU sei natürlich noch im Rennen, so Strack-Zimmermann. Man habe viel gemeinsam. Denn, so behauptete sie: "Die CDU hat die guten Sachen von den freien Demokraten abgeschrieben." Robin Alexander warf ein, dass Laschet keine andere Chance habe, er kämpfe gerade einen innerparteilichen Kampf. "Wir wissen alle, dass er in ein paar Wochen ausgewechselt wird." Nur die FDP, nur Jamaika "kann ihn retten, dann wird er Kanzler." Der Journalist gab an, er wüsste, dass "zehn der führenden Leute der FDP" lieber mit Laschet koalieren würden als mit Scholz. Man dürfe nicht übersehen, wie viel grünes Spitzenpersonal schwarz-grünen Koalitionen zugeneigt sei. Er warnte die SPD, man könne im "Rausch des Sieges", schnell taktische Fehler begehen.

Aber warum diese Verluste für die Union? Das Wahlergebnis sei fürchterlich, so Reul: "Das müssen wir noch aufarbeiten." Man sei in der Partei nicht mehr so lebendig gewesen, nicht mehr so engagiert, nicht mehr so diskussionsfreudig. Aber, und damit machte er im Laschet-Style weiter, "knapp 25 Prozent der Wähler sagen uns, ihr sollt regieren." Das heiße aber nicht, man habe einen Regierungsauftrag. Ob er wisse, ob Laschet Scholz nun endlich zum Sieg gratuliert hätte? Nein, wisse er nicht. Überhaupt, was soll die Frage, was soll diese Debatte, es sei albern, darüber zu sprechen. Man habe bereits im Wahlkampf "Quark diskutiert", wie Laschets Lachen und Baerbocks Abschreiberei: "Sollen wir jetzt so munter weitermachen?" Nein, nicht mit ihm.

Reul: Lieber über Laschets Lachen, als über Inhalte geredet

Er wolle über Inhalte reden. Ja, gut, sagte Lanz, aber welche Inhalte, die gäbe es doch gar nicht. Die Union sei "inhaltlich bankrott." Hätte es ernsthafte Inhalte gegeben, so der Moderator weiter, wäre Laschets Lachen "nie so ikonografisch geworden, nie so wichtig." Reul sah das völlig anders. Ohne das so klar zu benennen, machte er die Medien verantwortlich: "Wir haben unsere Themen nicht durchgekriegt, weil man öffentlich mit anderen Themen beschäftigt war." Eines der starken Themen der CDU sei "die innere Sicherheit". Na, dann hätten Sie das doch anbringen können, meinte Lanz. Das Thema sei nicht abgefragt worden, beharrte Reul. Aber Sie hätten doch, fing Lanz nochmal an. Nein, alle hätten lieber über Laschets Lachen reden wollen. Klingbeil fasste den CDU-Wahlkampf schließlich so zusammen: "Die haben jeden Fehler gemacht, den man machen kann."

Dass Laschet Scholz immer noch nicht gratuliert habe, sei ein nächster Faux-Pas: "Man muss diese Größe doch haben", befand Klingbeil, der es wenig problematisch fand, sich darüber auszulassen. Söder habe schließlich auch gratuliert. Ob aus edlen Motiven, schien Strack-Zimmermann zu bezweifeln: "Söder hat gratuliert, um Laschet zu zeigen, wo der Hammer hängt." Hart in der Politik, gell, fragte Lanz. Ja, man müsse sich nichts vormachen, in der Politik gäbe es viele Messerwetzer: "Das ist ein brutales Geschäft." Wie hart werden die Koalitionsverhandlungen? Klingbeil mahnte, dass mit dem Wahlkampfmodus Schluss sein müsse. Es gehe darum "die großen Dinge im Land" zu stemmen. Seine dringende Mahnung: die Koalitionsverhandlungen sollen in Ruhe ablaufen. Heißt: Keine Fotos, keine Zwischenberichte "wie früher" und keine öffentliche Begleitung auf beispielsweise Twitter.

"Markus Lanz": Flirt mit Jamaika: FDP-Vorständin lobt die CDU und ätzt gegen die SPD

Steuererhöhungen? "Wird es mit der FDP nicht geben" bekräftigte Strack-Zimmermann. Keine Steuererhöhungen, Herr Klingbeil, wie erklären Sie das Olaf Scholz? "Es gibt Punkte bei SPD und FDP, da stehen wir uns fundamental gegenüber", so Klingbeil. "Wir sprechen jetzt über die Steuern, ganz konkret", so Lanz. Klingbeil sagte, die SPD wolle 95 Prozent der Menschen entlasten und einen Spitzensteuersatz, der "später greift". Alexander mutmaßte, dass die Hürden hier wohl gar nicht so groß seien: "Die FDP hat für Scholz die Funktion, ihn von Flausen des SPD-Programms zu befreien." Die FDP zwinge ihn also zu einem Weg, den er "eigentlich heimlich gut findet".

rw

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