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Bewegende Tierdoku im Ersten Das Leid der Affen – auf den Spuren des illegalen Primatenhandels

Michel Abdollahi macht sich auf die Suche nach weltweiten Netzwerken des kriminellen Affenhandels.
Der Journalist und Moderator Michel Abdollahi verfolgt in der bewegenden Tier-Dokumentation "Planet ohne Affen" im Ersten die Spur des Handels mit Primaten.

Fast jeder mag Affen. Kinder lieben die süßen Tiere, aber auch Erwachsene bekommen bei ihrem Anblick gute Laune. Prominente von Paris Hilton bis Mario Götze posieren auf ihren Social-Media-Profilen mit ihnen, Popstar Justin Bieber nahm sogar ein Äffchen mit auf Tournee. Auch Michel Abdollahi träumte einst davon: "Als ich klein war, wollte ich unbedingt einen Affen haben", erzählt der 40-Jährige zu Beginn von "Planet ohne Affen", einer Dokumentation, die an diesem Montag  in der ARD zu sehen ist. "Doch ich hatte keine Ahnung, welchen Preis dieser Wunsch eigentlich hat."

Abdollahi klärt darüber auf, wie hoch die Kosten sind, die unsere Gier nach lebendigen Jungtieren produziert. Ein ungewöhnliches Thema für den Journalisten und Fernsehpreisträger, der sich seit 2015 in zahlreichen Filmen und TV-Beiträgen vor allem mit den Themen Rechtsradikalismus und Integration beschäftigt. Seit Kurzem moderiert er zudem "heute wichtig", den Morgenpodcast, den der stern mit RTL und n-tv produziert. Darin bespricht Abdollahi die Themen des Tages und setzt eigene Schwerpunkte.

Genau das macht er auch in "Planet ohne Affen". Abdollahi beleuchtet den Handel mit Menschenaffen und beginnt seine Reise in der Heimat der Bonobos, im Kongo. Im Regenwald der zentralafrikanischen Republik haben diese Tiere ihren natürlichen Lebensraum. Hier beginnt ihre Tragödie. Denn in den Wäldern werden sie zu Tausenden ermordet. Weil ihre Babys so begehrt sind.

Michel Abdollahi begibt sich auf die Spur des verschwundenen Affen

Der Film schildert das Problem in ungeschönten Bildern. So findet Abdollahi im Dschungel eine tote Affenmutter, der ihr Kind geraubt wurde. Dass Verwandte der Jungtiere sterben, ist keine Seltenheit: Für einen Babyschimpansen werden schätzungsweise zehn Familienmitglieder getötet, wie eine Tierschützerin erzählt.

Abdollahi möchte herausfinden, was mit dem verschwundenen Tier passiert ist. Der Handel mit Menschenaffen ist längst ein globales Geschäft geworden. Affen werden als Haustiere nach Dubai verkauft. Auch in den USA erfreuen sich private Zoos großer Beliebtheit. Das größte Problem ist aber China. Nirgends auf der Welt werden aktuell so viele Zoos gebaut wie hier. Für einen gewaltigen Safaripark in Guangzhou wurden vier Gorillas aus dem Kongo für eine Million Dollar angeschafft. Die chinesische Behörde, die den Deal hätte genehmigen müssen, verweigert Auskünfte.

Abdollahi weist darauf hin, dass der Raubzug durch die Natur ursprünglich von Europa aus begonnen hat. China holt nach, was die westliche Welt vorgemacht hat: Lange Zeit war der Export von Affen legal. Das änderte sich erst in den 1970er Jahren mit dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Für Europa kein Problem: "Wir hatten ja schon genug und konnten die Tiere einfach in Gefangenschaft nachzüchten", erklärt Abdollahi.

"Planet ohne Affen" führt durch vier Kontinente

Bis heute haben sich 183 Staaten auf ein Verbot von kommerziellem Handel mit wilden Menschenaffen geeinigt. Doch es gibt Schlupflöcher: Der nicht kommerzielle Handel ist erlaubt, wenn die Behörden des exportierenden und des importierenden Landes diesen genehmigen. Und hier liegt das Problem: Ein Informant erzählt in "Planet ohne Affen", dass die Regierung des Kongo hinter Organisationen stehe, die Tiere verkaufen. Der zuständige Minister soll sich für seine Exportgenehmigung bezahlen lassen.

Wie zahnlos das Artenschutzabkommen ist, zeigt der Film am Beispiel eines jungen Bonobos, der in einem trostlosen Zoo eingesperrt ist, der sich im Hinterhof eines Einkaufszentrums in Bangkok befindet. Obwohl für das Tier keine Exportgenehmigung vorliegt, kann das zuständige Sekretariat der UN nichts unternehmen – denn der Vertrag greift nicht in die Souveränität der Staaten ein, der Vollzug obliegt den einzelnen Ländern. Wenn die wegschauen, floriert der Handel weiter.

Am Ende seiner Reise durch sechs Länder auf vier Kontinenten ist nicht nur Abdollahi die Lust am eigenen Affen gründlich vergangen. Auch als Zuschauer dürfte man demnächst zusammenzucken, wenn sich wieder einmal ein Promi auf Instagram stolz mit einem süßen Äffchen auf dem Arm präsentiert.

"Planet ohne Affen", Montag, 7. Juni, um 20.15 Uhr im Ersten.
Der Podcast "heute wichtig" erscheint bei Audio Now sowie auf allen gängigen Podcast-Plattformen.


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