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Nach dem Finale: Was vom Dschungelcamp übrig blieb

Es ist wie bei jeder Wahl: Es gibt Gewinner, und es gibt Verlierer. Das trifft auch auf das Finale des RTL-Dschungelcamps zu. Zu den Gewinnern zählt nicht nur Drama-Queen und Dschungelkönig Ross Antony. Auch die australischen Kängurus haben wieder gut lachen.

Von Katharina Miklis

Gute Nachrichten verbreiten sich schnell. So wird es am Wochenende wohl auch im australischen Busch gewesen sein. "Die dummen Deutschen sind weg", wird man sich hinter vorgehaltener Pfote zugeflüstert haben. Endlich wieder intelligentes Leben im Busch. Die Zeiten, in denen Känguru und Krokodil um ihre Geschlechtsteile bangen mussten, sind vorbei.

Eiertanz für Thomas Gottschalk

Selten hat eine Show derart polarisiert wie "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!". Von den einen geliebt, von den anderen verachtet. Egal aus welchen Gründen die Zuschauer letzendlich einschalteten - sie taten es. Und zwar nicht wenige. Das musste am Wochenende auch Thomas Gottschalk erfahren. Am Samstagabend um 20.15 Uhr trat er zum Kampf der Giganten an und musste beweisen, dass er - im Gegensatz zu einigen Beuteltieren im australischen Dschungel - "Eier hat". Erst musste er sich mit "Wetten, dass..?" gegen Dieter Bohlens Freakshow "Deutschland sucht den Superstar" behaupten, dann gegen das ebenfalls auf RTL ausgestrahlte Finale der Dschungel-Show. Der Punkt ging an RTL - zumindest wenn es nach der Einschaltquote der jungen Zuschauer geht. Da half es auch nicht, dass Gottschalk sich ProSieben-Spaßmacher Stefan Raab aufs Sofa einlud. 4,12 Millionen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren schalteten bei "DSDS" ein, 4,38 Millionen aus dieser Zielgruppe beim Dschungel-Finale. "Wetten, dass..?" im ZDF wollten nur 3,09 Millionen junge Zuschauer sehen.

Aber jetzt können sie ja aufatmen. Die Thomas Gottschalks dieser Welt. Die Medienpsychologen, Dschungel-Gegner, die Kängurus und alle anderen, die sich in den letzten Tagen so fürchterlich über das Dschungel-Grauen echauffiert haben. Es ist vorbei.

Was wir aus dem Dschungelcamp lernen können

Dabei war es doch so ein vorbildliches Programm, das RTL uns da zwei Wochen lang bot. Ein Paradebeispiel der Nächstenliebe. Keiner hatte damit gerechnet, dass sich die zehn Promis bis zum Finale kuscheln würden. Und sie taten es doch. Bis zum Schluss. Jeder gönnte dem anderen die Krone. Keiner wollte die anderen im Stich lassen. Nesthäkchen Lisa Bund beteuerte unter Tränen, dass sie ihre Mitcamper nicht verlassen wolle - da spuckte sie schon Blut und musste nahezu gezwungen werden, das Camp zu verlassen. Völlig ausgehungert verzichtete Ross auf seine Essensration, um die anderen zu sättigen. Für die Horror-Prüfungen nominierte man sich selbst, um niemandem in den Rücken zu fallen. Harmonie pur im Dschungelcamp. Das bestätigte auch Drama-Queen Ross kurz nach seinem Auszug: "Meine Zeit hier war goldig. Ich habe neue Freunde gefunden, habe viel von ihnen gelernt und jeder hat mich inspiriert. Und ich habe meine Ängste überwunden. Ich bereue nichts." Man kann also Freunde finden im Dschungelcamp. Und auch sonst haben wir einiges gelernt: Dass Ex-Pornostar Michaela Schaffrath nicht nur einen großen Busen sondern vor allem auch ein großes Herz in eben diesem hat. Dass auch weinerliche Angsthäschen ihren Mann stehen können, Miteinander immer besser geht als Gegeneinander und dass man nicht tot umfällt, wenn man ein Känguru-Popoloch isst. Gut zu wissen.

Aber mal ehrlich: Die Show hat niemandem geschadet und das deutsche Fernsehen wird auch nicht vor die Hunde gehen, nur weil ein paar C-Promis im australischen Busch an Känguruhoden gekaut oder sich mit Ratten haben einsperren lassen. Keiner wurde gezwungen, alle wussten, was sie erwartet. Und auch wenn viele es bestreiten würden: Schlimmer geht's immer. In der englischen TV-Show "The Farm" zum Beispiel musste die angebliche Ex-Geliebte von David Beckham, Rebecca Loos, einem Eber vor laufender Kamera das Genital bis zur Ejakulation reiben. Wer will sich da noch über ein paar Kakerlaken aufregen?

Und was passiert heute Abend um 22.15 Uhr? Das Fernsehprogramm bietet keine guten Alternativen für eingefleischte Dschungel-Fans. Wer das beruhigende Grün des Urwalds vermisst, kann zur Dschungelcamp-Sendezeit höchstens "Lost" auf ProSieben einschalten - da geht es auch ums Überleben im Busch. Wer die familiäre Stimmung vermisst, dem sei "Friends" auf ProSieben ans Herz gelegt. Und diejenigen, die ihre Freude daran haben, wenn andere Menschen gequält und vorgeführt werden, die können am Mittwoch wieder "Deutschland sucht den Superstar" einschalten. Da werden nämlich schon die Kandidaten der nächsten Dschungel-Staffel gecastet - sie wissen es nur noch nicht.