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"The Morning Show" in London: Fiese Typen in Hollywood und Social Media: Ein Nachmittag mit Jennifer Aniston und Reese Witherspoon

Jennifer Aniston und Reese Witherspoon nehmen sich in "The Morning Show" die Themen unserer Zeit vor. Der stern hat die beiden Superstars in London getroffen.

Jennifer Aniston und Reese Witherspoon

Jennifer Aniston und Reese Witherspoon in London

Picture Alliance

Es ist ein regnerischer Novembertag in London. Man könnte also denken: nichts besonderes. Doch im Luxushotel "Claridges" in Mayfair herrscht aufgeregte Stimmung. Vor der Tür des Hotels stehen ein paar Fans, bewaffnet mit ihren Smartphones. Auf wen sie hier warten? Im Hotel stellen Jennifer Aniston und Reese Witherspoon gerade ausgewählten Journalisten ihre neue Serie "The Morning Show“ vor. Der stern ist dabei.

Es ist das erste mal seit "Friends", dass die beiden Hollywood-Hochkaräter gemeinsam vor der Kamera stehen. "Es musste einfach etwas richtig Gutes sein", erklärt Jennifer Aniston. Es musste also passen. Passen tut es in der "Morning Show" tatsächlich - Aniston und Witherspoon haben eine Chemie vor der Kamera, die ihresgleichen sucht. Die beiden Superstars harmonieren, das wird auch im Gespräch immer wieder deutlich.

Jennifer Aniston und Reese Witherspoon wiedervereint vor der Kamera

Und mit ihrer neuen Serie haben sie den Zahn der Zeit genau getroffen. Kurz zusammengefasst: In "The Morning Show" geht es um die MeToo-Debatte, um erfolgreiche Frauen, um Machtkämpfe und Skandale in der Welt des so typisch amerikanischen Frühstücksfernsehens.

"The Morning Show" setzt zu einem Zeitpunkt ein, als MeToo auch in der fiktiven Welt schon stattgefunden hat. Der beliebte Moderator Mitch Kessler (Steve Carrell) wird gefeuert, weil er Frauen sexuell belästigt haben soll. Dabei verwundert das Casting. Denn Carrell kennt man sonst nur als schusseligen Familienvater oder anstrengenden Chef. Warum besetzt man eine solche Rolle mit einem "Everybody’s Darling"? "Das war sehr bewusst", erklärt Executive Producer Michael Ellenberg. "Da ist jemand, der beliebt ist, der bewundert wird, der gut aussieht und witzig ist. Amerikas Vater, sozusagen. Und wir wollten nachstellen, wie es ist, so jemanden abstürzen zu sehen und gleichzeitig wollten wir wahrhaftig zeigen, dass es jemand ist, der Freunde hat. Männer und Frauen", fügt er hinzu. Dem Zuschauer soll es durchaus unangenehm sein, dies mit anzusehen, erklärt Regisseurin Mimi Leder. "Die Frage ist: Kannst du noch mit jemandem sprechen, der etwas Schreckliches getan hat?"

So fühlte sich die MeToo-Debatte für die Hollywood-Stars an

Die Macher der Show sowie die Stars Aniston und Witherspoon sind allesamt alte Hollywood-Hasen. Sie kennen Harvey Weinstein und die vielen anderen Männer, denen (Macht-)Missbrauch, Belästigung, teilweise sogar Vergewaltigung vorgeworfen wird.

Sharon Stone

Wie muss es sich also angefühlt haben, als im Herbst 2016 die Enthüllungen die Branche erschütterten? "Schock und Bewunderung" hätten sich abgewechselt, verrät Aniston. "Und es gab viele Telefonate und Verabredungen", fügt Witherspoon hinzu. Man habe gesprochen, gefragt, ob man ähnliche Erfahrungen gemacht habe. "Es war herzzerreißend und so enttäuschend", gibt Aniston zu. "Ich spüre eine wahnsinnige Dankbarkeit für die Frauen, die sich entschlossen haben, ihre Geschichten zu erzählen. Und die davon absolut nichts haben und die heute noch zu kämpfen haben", erzählt Witherspoon.

Streaming-Dienste ändern die Machtstruktur

Reese und Aniston sind beide Produzentinnen der "Morning Show". Sie haben Mitspracherecht. Eine Macht, die sie sich über Jahre erkämpfen mussten. "Ich habe lange das Gefühl gehabt, dass mir einfach niemand zuhört. Vor sieben Jahren bin ich von Studio zu Studio gegangen um herauszufinden, welche Geschichten sie gerade für Frauen in der Hauptrolle entwickeln", erinnert sich Witherspoon. "Und buchstäblich niemand entwickelte irgendetwas für Frauen. Niemand. Das hat mir die Augen geöffnet. Und das war ihnen nicht mal unangenehm", erzählt die Schauspielerin, die mit ihrer eigenen Produktionsfirma "Hello Sunshine" besonders Frauen in der Branche fördern und stärken will. "Oder dir wurde gesagt, dass gerade schon ein Film mit einer weiblichen Hauptrolle gedreht wurde. Das war’s erstmal", fügt Aniston hinzu. "Das war einfach Teil des Business. Business as usual", erinnert sich Witherspoon. Doch das Business ändert sich.

Eine Chance für eine bessere, gleichberechtigtere Zukunft in Hollywood sehen die Schauspielerinnen in der Macht von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime und nun eben auch Apple. "Wir haben nicht mehr nur die gleichen sieben Studios, von denen wir abhängig sind", sagt die 43-Jährige. "Wir haben Streaming, Social Media, Youtube. Und es gibt mehr Stimmen, die gehört werden. Das ist viel repräsentativer für unsere Kultur", findet Witherspoon. 

Seit weit mehr als zwanzig Jahren stehen die beiden Frauen vor Kameras, drehen Serien und Kinofilme. Dass sich ihre Branche gerade fundamental verändert, macht ihnen allerdings keine Angst. "Ich bin gerade in der kreativsten Phase meines Lebens", betont Jennifer Aniston. Wie ihre Serienrolle Alex Levy weiß die 50-Jährige, dass man die Kontrolle als Frau manchmal an sich reißen muss - weil sie einem niemand gibt. "Nur weil du Kontrolle hast, heißt es nicht, dass du hysterisch bist. Es bedeutet nur, dass du gleichberechtigt bist", sagt sie.

 

Jennifer Aniston und Reese Witherspoon spielen eine Szene von vor 20 Jahren nach

Aniston und Witherspoon: Freunde auch abseits der Kameras

Vor über zwanzig Jahren verkörperten die beiden Frauen in "Friends" Schwestern. Jetzt spielen sie zwei Journalistinnen, die gegeneinander ausgespielt werden sollen. Eigentlich sind Aniston und Witherspoon aber gut befreundet. Das wird auch im "Claridges"-Hotel deutlich. Immer wieder erinnern sie sich gegenseitig an Anekdoten aus ihrem Leben, an Ereignisse, die sie gemeinsam erlebt haben. Bei der Arbeit mögen sie es hingegen gar nicht unbedingt harmonisch. "Wir hatten richtig Spaß bei den Szenen, in denen wir uns gestritten haben", sagt Witherspoon. "Aber es ist schwer, sie anzuschreien und richtig wütend zu werden", erklärt Aniston. 

Mittlerweile ist es dunkel geworden in London. Die zwei Hauptdarstellerinnen der vieldiskutierten neuen Serie haben einen Promotion-Marathon hinter sich. Talkshows, Interviews, Fernsehauftritte - es gibt kaum eine Sendung, in der sie nicht aufgetreten sind. Und trotzdem wirken sie keineswegs müde oder lustlos. Die Leidenschaft, mit der sie ihren Beruf ausüben ist förmlich greifbar. 

Als wir das Luxushotel verlassen, in dem Apple-Mitarbeiter und Bodyguards noch immer aufgescheucht umherlaufen, stehen nach wie vor vereinzelte Fans vor der Tür, die auf ein Foto mit den Superstars hoffen. Wenigstens der Regen hat mittlerweile aufgehört. 

Seit dem 1. November sind die ersten drei Episoden von "The Morning Show“ exklusiv auf Apple TV+ in über 100 Ländern und Regionen verfügbar. Kunden können Apple TV+ auf iPhone, iPad, Apple TV, iPod touch, Mac, ausgewählten Samsung Smart TVs, Roku- und Amazon Fire TV-Geräten sowie im Internet unter tv.apple.com genießen.