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Berlin: Loveparade? Nein, CSD!

Er hat die Loveparade längst abgelöst: Hunderttausende haben in Berlin den Christopher Street Day gefeiert. Die traditionelle Schwulenparade trotzte dem schlechten Wetter. Mit dabei natürlich auch: Bürgermeister Wowereit.

Mehrere hunderttausend Menschen haben am Samstag unter dem Motto "Vielfalt sucht Arbeit" die traditionelle Parade zum Christopher Street Day der Homosexuellen in Berlin gefeiert. Etwa 60 Wagen zogen trotz zeitweise strömenden Regens von 12.30 Uhr an vom Kurfürstendamm in Richtung Brandenburger Tor zur Siegessäule. In fantasievollen und meist freizügigen Verkleidungen tanzten die rund 400.000 Teilnehmer auf den Paradewagen zu Schlagermusik oder Techno- Beats. Die diesjährige Parade richtete sich vor allem gegen Diskriminierungen in der Arbeitswelt und auch in der Schule.

Das schlechte Wetter verhagelte den Teilnehmern jedenfalls nicht die gute Laune. Manch einer hatte bei der Vorbereitung auf den "Feiertag" der Schwulen und Lesben seine ganze Fantasie spielen lassen: Ein Teilnehmer hatte sich als übergroßes Schachbrett verkleidet. Darüber hinaus präsentierten sich viele in Leder- und Latexkostümen oder als Tanzgruppen mit Federboas in knappen Samba- Kleidchen.

Wowereit: Noch längst nicht alles erreicht

Ganz vorn dabei war diesmal die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast. Die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin lief bestens gelaunt am Anfang des Zuges mit. Auch die Schauspielerin und Sängerin Maren Kroymann nahm an der Parade teil, die am Großen Stern mit einem Bühnen- und Musikprogramm endete.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte auf der Abschlusskundgebung an der Siegessäule am Großen Stern die Diskriminierung von Homosexuellen am Arbeitsplatz. "Es ist leider immer noch so, dass homosexuelle Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben müssen", sagte der SPD-Politiker und bekennende Homosexuelle. Auch in den Chefetagen dürfe man zwar schwul sein, "es aber nicht sagen". Durch den Kampf der Homosexuellen um Gleichberechtigung sei zwar schon viel erreicht worden, aber es müsse keiner glauben, "dass schon alles erreicht worden ist", betonte Wowereit, der zu der Kundgebung im legeren Freizeithemd gekommen war.

Kritik an bestehender Gesetzgebung

Der Lesben- und Schwulenverband LSVD kritisierte am Samstag die bestehende Gesetzgebung zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Mit dieser "nicht hinnehmbaren Diskriminierung muss endlich Schluss sein", sagte der LSVD-Sprecher Axel Hochrein.

Am Samstagabend war die Verleihung des Zivilcouragepreises des Christopher Street Days (CSD) geplant. Preisträger sind in diesem Jahr unter anderen die bayerische SPD-Politikerin Lissy Gröner und der südafrikanische Menschenrechtsanwalt Edwin Cameron. Mit dem CSD erinnern Schwule und Lesben jedes Jahr an Polizeieinsätze gegen die Homosexuellen-Szene in New York im Juni 1969.