Nazan Eckes
Sie hatte keine Lust mehr aufs TV-Lächeln

Mit 50 Jahren zieht Nazan Eckes eine offene Bilanz.
Mit 50 Jahren zieht Nazan Eckes eine offene Bilanz.
© imago/BREUEL-BILD / BREUEL-BILDF/Frederik Kern

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Nazan Eckes erklärt im „Welt am Sonntag"-Interview, warum sie RTL den Rücken kehrte und was sie heute auf Mallorca antreibt.

Nazan Eckes hat sich anlässlich ihres 50. Geburtstags in einem ausführlichen Interview mit der "Welt am Sonntag" zu ihrem Leben nach dem Fernsehabschied geäußert. Seit 2022 lebt die frühere RTL-Moderatorin mit ihren beiden Söhnen (8 und 10) auf Mallorca - und beschreibt den Schritt weg vom Bildschirm als notwendige Konsequenz einer persönlichen und beruflichen Überlastung.

Eckes begann ihre Karriere Ende der 1990er-Jahre bei VIVA, zunächst als Volontärin. Nach dem Wechsel zu RTL moderierte sie unter anderem "Explosiv", "Extra" und "Let's Dance" und wurde zu einem der bekanntesten TV-Gesichter Deutschlands. Den Höhepunkt ihrer Karriere beschreibt sie rückblickend auch als Phase wachsender Fremdbestimmung: Äußeres Erscheinungsbild, öffentliche Haltungen und Interviewauftritte seien damals stark reglementiert gewesen. "Wir waren viel fremdbestimmter", sagt Eckes. "Damals galt vor allem eins: bloß neutral bleiben."

Persönliche Krisen häuften sich

Den eigentlichen Auslöser für ihren Rückzug schildert Eckes als Zusammentreffen mehrerer Belastungen. Parallel zu ihrer laufenden TV-Tätigkeit verschlimmerte sich die Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters, die Trennung vom Vater ihrer Kinder, dem Maler Julian Khol, bahnte sich an - und gleichzeitig wuchs ihre innere Distanz zum Job. "Ich hatte teilweise richtige Bauchschmerzen, wenn ich wusste: Heute musst du vor die Kamera", sagt sie. Das Gefühl, privat mit schweren Themen beschäftigt zu sein, während sie öffentlich das gewohnte Moderationsbild aufrechterhalten musste, habe sie zunehmend belastet. "Es war so, als wären die private Nazan und die Nazan auf der Mattscheibe zwei völlig unterschiedliche Menschen geworden."

Eckes erfüllte noch ihre laufenden Verträge und beendete dann 2022 ihre mehr als 20-jährige Karriere bei RTL. Das folgende Jahr verbrachte sie bewusst aus der Öffentlichkeit heraus. "Nicht mehr in der Öffentlichkeit stattzufinden, habe ich als unglaublich heilend empfunden. Zum ersten Mal konnte ich mich nur um meine Kinder und mich selbst kümmern."

Mutterschaft unterschätzt

Einen eigenen Abschnitt widmet Eckes in dem Interview der Doppelbelastung aus Mutterschaft und TV-Karriere. Ihre erste Geburt sei sehr problematisch gewesen, die Rückkehr in den Job nach einem halben Jahr emotional schwer. "Ich habe die komplette Strecke zur Redaktion Rotz und Wasser geheult", sagt sie. Den gesellschaftlichen Erwartungsdruck an Mütter, die gleichzeitig beruflich abliefern, beschreibt sie als massiv unterschätzt: "Man unterschätzt völlig, welch emotionale Achterbahnfahrt und welche körperliche Belastung Mütter durchmachen."

Auch die Trennung von Khol thematisiert sie offen. Die anfängliche Angst davor sei groß gewesen, sagt sie. Heute bewertet sie den Schritt anders: "Kinder brauchen vor allem mental stabile, glückliche Eltern, keine perfekte Fassade." Ein Systemcoaching habe ihr geholfen, ihre Situation neu zu bewerten. Getrennte Eltern könnten durchaus funktionierende Familienstrukturen aufrechterhalten - "manchmal ist es für alle der bessere Weg".

Rückkehr ins TV nicht ausgeschlossen

Auf die Frage, ob ein Comeback vor der Kamera denkbar sei, antwortet Eckes zurückhaltend, aber nicht kategorisch ablehnend. Vor einigen Jahren hätte sie das noch ausgeschlossen, inzwischen gebe es vereinzelt Angebote, bei denen sie kurz gezögert habe. Die Voraussetzung formuliert sie klar: "Wenn, dann müsste es wirklich etwas sein, das mich persönlich und inhaltlich reizt. Einfach irgendwo stehen und moderieren, nur um zu moderieren, das kann ich mir nicht mehr vorstellen."

SpotOnNews

PRODUKTE & TIPPS