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Bhumibols Sohn Vajiralongkorn: Thailands Kronprinz: Der Anti-Prinz-Charles

Er musste 64 Jahre auf den Thron warten: Nach dem Tod von König Bhumibol erbt Sohn Maha Vajiralongkorn die Krone. Während Prinz Charles von England die Wartezeit mit Wohltätigkeitsprojekten überbrückt, lebte Thailands Kronprinz in Saus und Braus.

Thailands Kronprinz Maha Vajiralongkorn

Er kann auch Uniform: Thailands Kronprinz Maha Vajiralongkorn gilt beim Volk als unbeliebt.

Was die Queen für die Briten ist, war der nun verstorbene König Bhumibol Adulyadej, Rama IX. der Chakri-Dynastie, über 70 Jahre lang für 68 Millionen Thailänder - und noch viel mehr: Er galt als gottähnlich verehrte Symbolfigur und als der einzige, der das Land zusammenhielt. Ein Landesvater im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Name bedeutet übersetzt: "Stärke des Landes mit unvergleichlicher Macht". Zwar war er nur ein konstitutioneller Monarch ohne verbriefte Macht, doch konnte er sich des Respekts nicht nur seines Volkes, sondern auch des Militärs und aller politischen Parteien sicher sein. Durch seine Persönlichkeit gelang es ihm immer wieder, Thailand nach politischen Unruhen zu befrieden.

Das war umso bemerkenswerter, da der junge Prinz Bhumibol gar nicht dazu auserkoren war, den Thron zu besteigen. Nur weil sein älterer Bruder König Ananda Mahidol im Alter von 20 Jahren ohne Erben einer Schussverletzung erlag - ob es ein Unfall, Mord oder Selbstmord war, wurde offiziell nie geklärt - konnte der Zweitgeborene König werden, war dafür allerdings kaum ausgebildet.

1927 in Cambridge, Massachusetts, in den USA geboren, da sein Vater Prinz Mahidol Adulyadej zu dieser Zeit in Harvard studierte, ging er nach seiner Schulausbildung in Bangkok nach Europa und studierte Ingenieurwissenschaften und Jura in Lausanne, lernte mehrere Fremdsprachen wie Englisch, Französisch und auch etwas Deutsch und pflegte so normale Hobbys wie Saxophon spielen und fotografieren.

Als er mit 19 Jahren plötzlich König wurde, widmete sich der recht schüchternde junge Mann zunächst nur zögerlich seinen königlichen Pflichten. Aufgerüttelt durch einen Militärputsch 1958 bereiste er später das Land mit seinen 500.000 Quadratkilometern und 46 Provinzen, um es richtig kennen zu lernen. Die Not seiner Untertanen vor allem in ländlichen Regionen bewog ihn, sich für die Modernisierung Thailands einzusetzen. Auch unternahm er in den 60er und 70er Jahren mehrere erfolgreiche Staatsbesuche in die USA und in einige europäische Länder, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu seinem Land zu fördern.

Unterstützt wurde er dabei von seiner Frau Königin Sirikit. Er hatte die außergewöhnlich schöne und stilsichere Tochter seines entfernten Verwandten Prinz Chandaburi Suranath 1949 in der Schweiz kennengelernt und bald darauf geheiratet. Sie galt damals als die Jackie Kenndy Asiens und entfachte gerade in Europa bei jedem öffentlichen Auftritt Begeisterungsstürme, fast wie später Prinzessin Diana.

Das königliche Paar bekam drei Töchter und einen Sohn, Prinz Maha Vajiralongkorn. Der auf einer Militärakademie ausgebildete Thronfolger ist in seiner Heimat seit Jahren allerdings umstritten. Da es dort strenge Strafen für Majestätsbeleidigung mit Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren gibt, wird aber in den Medien und sonst in der Öffentlichkeit nicht offen darüber gesprochen.

Unangenehmes Aufsehen erregte er in Deutschland erst im vergangenen Sommer: der 64-jährige Eigentümer einer denkmalgeschützten Villa am Starnberger See, der regelmäßig zum Shoppen und Urlauben nach Europa kommt, traf zusammen mit seiner Lebensgefährtin Suthida, einer ehemaligen Thai Airlines-Stewardess, am Flughafen München in einem vollkommen unpassenden, bauchfreien Outfit ein, das zahlreiche Rücken-Tattoos sehen ließ.

Anders als sein Schicksalsgenosse, der fast gleichaltrige Prinz Charles von Großbritannien, hat er die langen Jahre im Wartestand auf den Thron nicht mit Engagement für bedeutende Themen wie Umweltschutz, ökologische Landwirtschaft und menschenfreundlichen Städtebau verbracht, sondern vor allem als Partyprinz und Lebemann von sich reden gemacht.

Drei gescheiterte Ehen und sieben Kinder kann er vorweisen, sowie einen letztes Jahr geborenen unehelichen Sohn mit seiner Haupt-Mätresse, den er Gerüchten zufolge gern als seinen Thronfolger einsetzen würde. Keine Meriten hat er sich hingegen verdient, was Engagement für Wohltätigkeitsorganisationen betrifft. Auch hat er in den letzten Jahrzehnten seinen Vater kaum entlastet, was royale Pflichten betrifft.

Diese Rolle übernahm die Lieblingstochter des Königs, die heute 59-jährige Prinzessin Mara Chakri Sirindhorn. In einem Land, in dem die königliche Familie dafür steht, Kultur und Tradition zu bewahren, ist sie ein echtes Vorbild und macht ihrer Familie Ehre. Sie ist bei den Thailändern deswegen sehr beliebt und ein Teil des Kronrates favorisiert sie scheinbar als Nachfolgerin des alten Königs. Nur ist sie nicht verheiratet und hat keine Kinder, also auch keine potentiellen Erben vorzuweisen, was als großer Nachteil gilt.

 Nachdem bereits am Todestag von Bhumibol der Premierminister General Prayuth Chan-ocha die Nachfolge des Kronprinzen bestätigt hatte, bat dieser noch am selben Tag überraschend um einen Aufschub, bevor er offiziell als neuer König Rama X. proklamiert wird. Auch bis zu einer Krönung des neuen Herrschers könnte unter Umständen viel Zeit vergehen, der alte König war selbst nach seiner Thronbesteigung 1946 erst 1950 gekrönt worden.

Traditionell gibt es in der thailändischen Königsfamilie eine hunderttägige Trauerperiode vor der Grablegung, in der der Verstorbene einbalsamiert und aufgebart wird. Während des folgenden offiziellen Trauerjahres darf es im ganzen Land keine großen Feste geben, alle Staatsbediensteten müssen Schwarz tragen, und Teile des öffentlichen Lebens kommen sogar zum Erliegen. Unsicher ist daher auch, ob die für nächstes Jahr geplanten Wahlen werden stattfinden können. Die derzeitige Militär-Regierung bildete sich nach einem Staatsstreich 2014, bei dem die demokratisch gewählte Premierminsterin Shinawatra entmachtet worden war.

25 verschiedene Premierminister hat Thailand während Bhumibols Regierungszeit erlebt, 12 davon waren Generäle. Dem Land stehen ein weiteres Mal  unsichere Zeiten bevor, was sich bereits auch in den aktuellen Wirtschaftsdaten niederschlägt: schon als der kritische Zustand des Königs letzte Woche bekannt wurde, hatte der Aktienmarkt in Asiens zweitgrößter Volkswirtschaft um 10% nachgegeben und die Landeswährung Baht an Wert verloren. Im Land selbst und international fürchtet man eine Periode der Instabilität. Durch den Tod des alten Königs ist ein Machtvakuum entstanden, von dem noch nicht klar ist, wie und durch wen es zu füllen sein wird.

Leider scheint es nicht, als ob der designierte Nachfolger des alten Landesvaters die charakterlichen Voraussetzungen und die Erfahrung mitbringt, um seinem Land die Sicherheit und Stabilität zu geben, wie sein Vater es in den 70 Jahren seiner Regierungszeit immer wieder vermocht hat. Laut einer alten Prophezeiung wird der 10. Rama Thailands der letzte sein. Es bleibt zu hoffen, dass sich doch die für diese Rolle sehr viel geeignetere jüngere Schwester, die nicht umsonst „Princess Angel“ genannt wird, als Thronfolgerin durchsetzt, sonst könnte die Zukunft der Monarchie und ganz Thailands sehr dunkel aussehen.