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Was macht eigentlich ...: ... Gillian Anderson?

Als FBI-Agentin Dana Scully jagte die amerikanische Schauspielerin neun Jahre und rund 200 Folgen lang böse Außerirdische in der Kultserie "Akte X". 2002 war Schluss - erst mal.

Glauben Sie an Außerirdische?

Es gibt Energien im Universum, die unser Leben mitbestimmen, daran glaube ich. Mit kleinen grünen Männchen habe ich eher wenig am Hut.

Sie spielten neun Jahre lang eine Agentin, die pausenlos paranormale Fälle lösen musste…

Zunächst war ich heilfroh, einen Job zu haben, der ein paar Monate meine Miete sicherte. Ich dachte ja, nach 13 Folgen sei Schluss. Der Erfolg der Serie hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Mit jeder Folge habe ich mich besser in Dana Scully hineinversetzen können. Sie ist zwar sehr intelligent, aber auch ziemlich neurotisch.

Sie mussten sich Einlagen in den BH stecken, damit Ihre Brüste größer wirken…

Wahr ist, dass einige Produzenten lieber eine Darstellerin mit größeren Brüsten, längeren Beinen und blonderen Haaren gehabt hätten - Typ Pamela Anderson. Aber Chris Carter, der mich ausgewählt hatte, setzte sich durch. Mein Glück.

Ihr Serienpartner David Duchovny, alias Fox Mulder, ist zwei Jahre vor Serien-Ende ausgestiegen. Gab es Zoff zwischen Ihnen?

Nein, David und ich haben uns wirklich sehr gut verstanden. Er hatte einfach keine Lust mehr. Wir haben zehn Monate im Jahr gedreht, Familien und Freunde kaum noch zu Gesicht bekommen.

2002, nach dem Ende von "Akte X", sind Sie nach London gezogen.

Ich wollte einen richtigen Neustart. Ich reiste einen Monat lang allein durch Afrika, kam zurück nach London, lernte einen Mann kennen, bekam ein Baby und blieb dort hängen. Ich habe schon als Kind in London gelebt, bevor ich mit meinen Eltern zurück nach Amerika zog. Ich mag die Stadt. Wir leben jetzt in einem Vorort, wo meine Kinder auch mal auf einer Wiese spielen können.

Keine Sehnsucht nach Amerika?

Amerika hatte in den vergangenen Jahren einfach zu viele Identitätskrisen, in Europa fühle ich mich besser aufgehoben. Ich kenne viele Landsleute, denen es peinlich ist, ihren Ausweis zu zeigen. Dieses Land muss endlich mal aus seiner Lebenslüge erwachen. Das gilt auch für Hollywood.

Was ist Ihr Problem mit Hollywood?

Die Spielregeln sind oft bizarr. Weil ich in London lebe, habe ich geringere Chancen, bestimmte Rollen zu bekommen. Denn die Filmbosse lassen die Schauspieler gerne persönlich zum Vorsprechen antanzen. Ein Machtspiel. Ich werde aber nicht nach L. A. ziehen, nur um meine Chancen zu steigern. Stattdessen konzentriere ich mich darauf, mehr Filme in Europa oder Afrika zu drehen, Filme zu produzieren und in London Theater zu spielen. So hab ich mir die Rechte an "The Speed of Light" der deutschstämmigen Autorin Elizabeth Rosner gesichert, arbeite schon an einem Drehbuch. Ich habe schließlich viel Zeit, jetzt, da ich wieder schwanger bin.

Sie haben gerade einen weiteren "Akte X"- Film fürs Kino gedreht. Ganz vorbei scheint das Thema "Kleine grüne Männchen" nicht.

Das Drehbuch war gut und David Duchovny mit an Bord, also habe ich zugesagt. Der Dreh hat viel Spaß gemacht, aber mit fast 40 war es schon schwieriger, körperlich anstrengende Szenen zu drehen. Und ich musste meinen britischen Akzent, den ich inzwischen habe, abtrainieren.

Angeblich haben Sie nach Ende der Dreharbeiten Teile der Kulisse mitgehen lassen.

Stimmt, etwa einen Grabstein. Aber mit Erlaubnis! Diese Sachen werden auf meiner Website versteigert, um Gelder für Hilfsorganisationen zu sammeln. Wie den Verein zur Bekämpfung der Neurofibromatose; mein Bruder leidet an dieser Krankheit. Außerdem helfe ich, Schulen in Uganda zu bauen. Afrika liegt mir sehr am Herzen.

Interview: Andreas Renner / print