HOME
Interview

Wolfgang Joop : "Ich habe eine neue Fangemeinde, zwischen 15 und 75. Die habe ich Heidi Klum zu verdanken"

Der Modedesigner Wolfgang Joop hat die Nase voll von leeren Läden voll teurer Klamotten. Damit auch seine jungen Fans sich echte Joop-Stücke leisten können, kooperiert der 74-Jährige jetzt für eine Wohnartikel-Kollektion mit dem Discounter Aldi.

Designer Wolfgang Joop in seiner Wohnung

Designer Wolfgang Joop in seiner Wohnung

Picture Alliance

Wolfgang Joop ist einer der wichtigsten deutschen Mode-Designer. "Die Joop-Jeans haben damals die Armani-Jeans vom Markt gefegt", sagt er stolz im stern-Interview. Trotzdem hat der 74-Jährige, der seit seinem Juroren-Job in der Show "Germany's next Topmodel" einen ganz neuen Ruhm genießt, keine Lust mehr auf Luxusmode. Sein nächstes Projekt ist stattdessen eine Kollektion von Wohnaccessoires – für den Discounter Aldi. Dem stern verriet er, was ihn daran gereizt hat, wie wichtig ihm Umweltschutz ist und welche Tipps er für die Wohnungseinrichtung hat.

Herr Joop, wie ist es zur Zusammenarbeit mit Aldi gekommen? Kam der Discounter auf Sie zu, oder umgekehrt?

Der Produzenten dieser wunderbaren Artikel fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, eine Kollektion zu gestalten. Wir haben dieses Ei sozusagen gemeinsam ausgebrütet. Durch die Veröffentlichung von Bildern meiner Wohnungen in New York, Monte Carlo und Berlin in den vergangenen Jahren habe ich durch Nachfragen immer wieder bemerkt, dass gerade viele junge Leute das Bedürfnis haben, so eingerichtet zu sein wie ich.

Ich habe früher schon Interior designt. Joop-Betten waren beispielsweise ein großer Hit, oft sprechen mich noch immer Menschen auf der Straße an und sagen: "Heute habe ich wieder besonders gut in Ihrem Bett geschlafen!" Ich habe auch Möbelserien und Silber-Kollektionen gemacht, zum Beispiel für die weltberühmten Wiener Werkstätten. Das, was sich "Arts & Crafts" nennt, das macht mir großen Spaß.

Mit Silber konnten Sie für Aldi vermutlich eher nicht arbeiten.

Nein. (lacht) Das konnte ich nur mit der Wiener Silber Manufactur. Aber ich bin stolz auf die Bettwäsche. Diese Baumwolle, wenn Sie die anfassen würden, würden Sie sofort ins Bett gehen wollen! Es gibt inzwischen sehr viele junge Menschen, die mich durch das Fernsehen liebgewonnen haben, denen ich bisher nichts bieten konnte.

Wie soll ich denen erklären, dass ein Kleid von mir 3000 Euro kosten muss? Die 'Absoluten Beginners' konnte ich bisher nicht bedienen. Das hat mich irgendwie auf einmal deprimiert. Da bin ich froh, jetzt noch mal etwas anderes zu machen zu können. Ich dachte, ich mache ein paar Stücke, die meine persönliche Handschrift tragen. Und in der Herstellung gehen da natürlich ganz andere Preise durch die hohe Auflage.

Haben Sie denn jemals selbst bei Aldi eingekauft?

Natürlich. Nirgendwo kann man so sichergehen, dass die Ware frisch ist wie bei Aldi. Ich esse kein Fleisch und nur selten Milchprodukte, mein Speiseplan besteht größtenteils aus Obst und Gemüse, und das finde ich bei Aldi in der Bio-Abeilung. Zu McDonald's kann man nicht gehen - das ist eine alte Welt, lieber koche ich für mich selbst. Darin bin ich zum Glück ziemlich gut, das ist ja auch etwas Kreatives. In der Mittagspause gehe ich immer in meinen Fitnessclub, und daneben steht direkt ein Aldi. Da gucke ich dann gerne mal rum. Ich hoffe übrigens, dass meine Kollektion so schnell wie möglich verkauft ist, das ist dort ja eine Platzfrage, nicht? Die nächste Lieferung Bananen muss ja auch untergebracht werden!

Was ist der Unterschied zwischen der kreativen Arbeit an Kleidung oder Wohnartikeln?

Oh, das ist eine ganz andere Sache. Kleidung hat ja auch den Zweck der Täuschung: Man man macht sich schnieke und alle denken: 'Wie rich ist der denn?' Wohnartikel, das ist ernster. Ich persönlich habe sehr früh angefangen, Rokoko-Möbel zu sammeln und habe kein Problem damit, eine moderne Vase neben ein Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert zu stellen. Das sind wirklich sehr unterschiedliche Dinge, in denen ich wohne. Aber ich habe auch den Platz! Je kleiner die Wohnung, desto genauer muss ich darauf achten: Was hab ich da – und wie passt es zusammen?

Kleine Wohnungen wirken auch sehr schnell unordentlich. Dafür wollte ich etwas anbieten. Ein Windlicht erfüllt zum Beispiel einen kosmetischen Zweck, man sieht gut aus im Kerzenlicht, man kann es mit auf den Balkon nehmen oder daneben eine Flasche Wein öffnen. Ich habe auch bei der Farbgebung darauf geachtet – es sind ja alles diese kühlen, mondänen Farben wie Jade, und dazu Holz für einen natürlichen Touch – dass man darin gut aussieht.

Beschäftigt Sie bei der Herstellung Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Arbeitsbedingungen?

Ich habe Enkelkinder, fünf Stück, und die stellen mir Fragen wie: "Opa, gibt es bald keine Fische mehr?" Und ich muss denen eine Antwort geben. Wir sind ja alle informiert, wie es mit unserer Welt gerade aussieht. Aber Fashion macht Political Correctness nicht mit, habe ich das Gefühl. Ich sehe gerade wieder überall echten Pelz und Schlangenleder und muss daran denken, wie in den Neunzigern Models wie Nadja Auermann oder Yasmin Le Bon Kleidung teils an den Nähten auftrennten um ganz sicher zu gehen, dass es synthetischer Pelz ist und kein echter, bevor sie damit auf den Laufsteg gingen. Das scheint schon wieder vergessen.

Auch Ihre Tochter Jette hat schon für Aldi Süd designt. Hat Ihnen das bei der Kooperation ein gutes Gefühl gegeben?  

Oh ja, sie hat diesen Weg schon vor mir betreten. Ich konnte mir das tatsächlich vorher nicht so vorstellen. Aber ich hatte, wie gesagt, zuletzt nicht mehr so ein gutes Gefühl bei High Fashion. Sehr viele gute Boutiquen gibt es auch nicht mehr, und Gucci, Prada oder Philip Plein auf der Ku-Damm sind immer eher leer, wenn ich daran vorbeikomme.

Welche Menschen möchten Sie mit Ihren Designs für Aldi gern erreichen?

Ich habe eine große neue Fangemeinde, zwischen 15 und 75 – aber größtenteils eher 15. Die habe ich der Heidi Klum zu verdanken. Für diesen Kundenkreis hatte ich bisher kein Produkt. Das war so schade, da ich oft ganz begeistert von jungen Menschen auf der Straße angesprochen werde und sie mich fragen, wo sie denn meine Designs kaufen können.

Widersprechen sich Luxus und Discounter nicht eigentlich?

Was ist denn Luxus? Ist Luxus etwas Überflüssiges – oder etwas Seltenes? Saubere Luft und Wasser sind heute Luxus. Früher war das eine Selbstverständlichkeit. Ich bin ja in der DDR aufgewachsen, damals war Freiheit der größte Luxus. Oder Reisen – das finde ich heute eher beschwerlich und bin froh, wenn ich zuhause bleiben kann. Also nein, ich finde, das widerspricht sich überhaupt nicht.

Haben Sie auch in dieser Staffel wieder bei "Germany's Next Topmodel" mitgewirkt?

Oh ja, Sie werden mich in einer der nächsten Folgen sehen! Ich saß mit Heidi in 3000 Metern Höhe auf einem Berg, während sich die angehenden Models präsentiert haben.

Schauen Sie sich die Show auch selbst im Fernsehen an?

Manchmal. (lacht) Es fällt mir schwer, mich selber im Fernsehen zu sehen. Irgendwie hat man ja doch immer noch ein jüngeres Bild von sich im Kopf!

Video: Promis als Kinderbuchautoren