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#nopoo: Selbstversuch: Ich habe mir eine Woche lang die Haare nicht gewaschen

Viele Stars machen es, einige Blogger tun es ihnen nach – die Haare selten bis gar nicht waschen, soll ziemlich gesund sein. Unsere Autorin ist eher so die Zu-oft-Wascherin und hat sich trotzdem mal an den Test gewagt: Was passiert, wenn ich mir eine Woche lang nicht die Haare wasche? 

Von Caroline von der Goltz

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Eine Woche lang habe ich mir die Haare nicht gewaschen – und es war ein echter Kampf.

Was Gwyneth Paltrow, Adele und Prince Harry gemeinsam haben? Sie alle sind Verfechter der #nopoo-Bewegung (kurz für "No Shampoo") – haben also dem Shampoonieren entsagt. Höchstens einmal im Monat greifen sie zu konventionellem Haarwaschmittel. Wenn überhaupt: Manch einer nutzt lediglich Backpulver oder Apfelessig, um die Mähne in Schuss zu halten.

Langfristig soll das Haar durch den Verzicht auf Chemikalien gesünder und glänzender werden, da es sich von allein und auf natürlichem Wege selbst pflegt. Natürlich funktioniert das nicht von heute auf morgen. Ganze sechs Wochen dauert es im Durchschnitt, bis die Haare "ausgefettet" sind – sich also an die fehlenden Produkte gewöhnt haben. Puh!

Zugegeben: Ich finde meine Haare echt super und lege großen Wert darauf, dass sie ordentlich und gepflegt aussehen. Bei dem kleinsten Anzeichen von Fett springe ich sofort unter die Dusche. Im Schnitt shampooniere ich meine Haare daher alle ein bis zwei Tage. Ich sehe ein: Das ist zu oft. Und ich bin daher gewillt, #nopoo auszutesten. Zumindest ein bisschen.

Eine Woche lang habe ich shampoofrei gelebt – und das ist passiert:

Tag 1:

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Ich liebe meine Haare – und wasche sie eigentlich sehr viel. Vielleicht zu viel.

Ich möchte sie zelebrieren, die letzte Haarwäsche: Aus der Box im Badezimmer dröhnt ein Song, den ich fehlerfrei mitsingen kann (No Doubt – "Don’t Speak"), die Heizung ballert, frisch gewaschene Handtücher hängen bereit. Feierlich steige ich in die Dusche und beginne mit meiner Pflegeroutine. Ja, das fühlt sich gut an! Die Schaumparty ist ausgelassen und in vollem Gange, als mir dämmert: Es ist wirklich, also WIRKLICH, das letzte Mal diese Woche, dass ich meine Haare waschen werde. Aua!

Mithilfe einer zehnminütigen kraftvollen Kopfhaut-Massage versuche ich deshalb leicht panisch das Fett jeder einzelnen Haarwurzel wegzushampoonieren. Schön blöd, denn mit dieser Taktik rege ich die Talg-Produktion erst so richtig an. Leider realisiere ich das erst später. Nun denn. Nachdem ich die nassen Zotteln trockengeföhnt und anschließend ein paar abstehende Fusseln mit dem Glätteisen bearbeitet habe, sieht mein Kopf fresh und gepflegt aus und alles ist wie immer.

Tag 2:

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Tag 2 und der Pony ist jetzt schon strähnig – das kann ja heiter werden

Der morgendliche Blick in den Spiegel ist eher ernüchternd. Während ich das vom Kopfkissen hochtoupierte Haar herunterbürste, stelle ich nämlich fest, dass der Pony strähnig fällt. Liegt wohl an dem gestrigen Shampoo-Anfall, der den Talgdrüsen ordentlich eingeheizt hat. Vorsichtig blinzle ich in Richtung Badezimmer-Regal, wo das Trockenhaarwaschmittel steht. Und irgendwie scheint es zurück zu blinzeln, zumindest verspüre ich den Drang, Kontakt zu ihm aufzunehmen.

Stark bleiben!, denke ich. Es ist TAG ZWEI. Abgesehen vom nicht ganz optimal liegenden Pony ist alles top. Das Haupthaar fällt locker und fluffig – so wie es sein soll. Auch heute style ich es hier und da mit dem Glätteisen zurecht. Sieht gut aus.

Tag 3:

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Ich spüre, wie ich mit der Bürste das Fett in den Haaren verteile. Das ist zwar ungewohnt – aber irgendwie ganz geil.

So. Eigentlich ist Waschtag. Aber heute eben nicht. Zum Duschen habe ich meine Haare zu einem Knoten gebunden. Ich säubere meinen Körper so schnell es geht, damit mir der heiße Dampf nicht buchstäblich zu Kopf steigt – und die Haare fettiger aussehen lässt als sie sind. Danach stelle ich fest: Der Pony ist echt hart an der Grenze. Ich klemme ihn hinter die Ohren.

Das Haupthaar hingegen wirkt zwar etwas steif, aber sieht voll okay aus. Was wiederum nervt: Über den Tag verteilt muss ich immer wieder zum Tangle Teezer greifen, da die Matte circa im Minutentakt zerzaust. Während ich bürste, spüre ich richtig, wie ich das an der Kopfhaut produzierte Fett in die Längen und Spitzen streiche. Das ist zwar ungewohnt, aber dennoch irgendwie angenehm. Und hat zudem einen pflegenden Effekt, der nicht nur umsonst, sondern auch noch ganz natürlich ist. Gefällt mir!

Tag 4:

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Dank akut fettiger Haare werden die Spangen ausgepackt

Heute ist alles wie gestern, nur noch ein bisschen fettiger. Frisurentechnisch entscheide ich mich für eine Neunzigerjahre-Retrospektive und schiebe mir mit einer Handvoll Bobby-Pins die Strähnen aus dem Gesicht. Im Büro sorgt das zwar für Irritation ("Hätte nicht eine Klammer auf jeder Seite gereicht?"), ich wiederum finde meinen Look echt cool.

Weniger cool: Ich habe den Eindruck, mein Kopf riecht. Ein paar Spritzer Parfum auf Hals und Dekolleté sollen den Geruch zu übertünchen. Keine Ahnung, ob das funktioniert. Umarmungen und allgemein Körperkontakt mit anderen Menschen vermeide ich vorsichtshalber.

Tag 5:

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Bin mir ziemlich sicher, dass ich müffel. Die Mütze hilft hoffentlich.

Langsam fängt’s an zu jucken. Das führt dazu, dass nicht nur die Kopfhaut selbst, sondern – da ich permanent unbewusst kratze – auch mein rechte Hand nach Talg riecht. Ich fühle mich ungepflegt. Außerdem sind die Haare schwer und noch zotteliger als zuvor. Alle Frisuren, die ich ausprobiere, sehen irgendwie falsch aus, weshalb ich letztlich einfach eine Mütze aufsetze. Ist ja schon Herbst.

Als unangenehm gestaltet sich übrigens nicht nur das Styling, sondern auch der Sex mit meinem Freund. Jeder Griff ins fettige Haar ist für mich Stimmungskiller Deluxe. Auch längere Knutsch-Sessions helfen nicht, um wieder in Fahrt zu kommen, da ich sie ständig mit Sätzen wie "Riechst du das auch?" oder "Bleib, wo du bist, ich hole nur schnell ein Haargummi" unterbreche. Er checkt gar nichts mehr. Und ich gehe lieber schlafen.

Tag 6:

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Tag 6 und das Haarfett hat sich inzwischen auf meine Stirn vorgearbeitet. Super. 

Ich. Will. Haare. Waschen. Ja, es ist soweit. Ich verspüre wirklich große Sehnsucht nach meinem Shampoo, das ich bislang nie so richtig von Herzen gewürdigt hatte. Das Haarfett ist inzwischen auf meine Stirn übergegangen, weswegen sich darauf der eine oder andere Pickel niedergelassen hat. Schönen Dank auch. Ohne groß zu überlegen, schmiere ich mir eine Maske ins Gesicht – und werde gleich darauf von einem schlechten Gewissen geplagt, denn das Einzige, das hier schäumen sollte, ist ja wohl mein Shampoo.

Unbenutzt und alleingelassen steht es nun seit fast einer Woche in der Dusche. Sorry dafür. Und danke, dass es dich gibt, du perlmuttes, wohlriechendes Fluid. Gefrustet von der Gesamtsituation lege ich daraufhin eine teenagerhafte "Scheiß Egal"-Einstellung an den Tag. Aus dem Dutt, den ich mir binde, hängen nass aussehende Strähnen heraus. Jetzt heißt es: Augen (und Nasen) zu und durch. Bald geschafft.

Tag 7:

Selbstversuch: Eine Woche ohne Haare waschen

Der letzte Tag des Selbstversuchs: Die Haare riechen nach Aschenbecher und mir ist so langsam alles egal. Erstmal Pizza.

Das gestrige Mindset führte letztlich dazu, dass ich mich am Abend in einer verrauchten Bar volllaufen ließ. Als ich mittags aufwache, plagen mich daher nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch der Gedanke daran, den ganzen Tag mit einem Aschenbecher auf dem Kopf herumzulaufen. Jetzt heißt es: lösungsorientiert arbeiten. Also Pizza gegen den Brummschädel bestellen und die Zotteln aus dem Gesicht zu einem Pferdeschwanz weit weg von der Nase binden. Wow, so fettig waren meine Haare wirklich noch nie. Es fühlt sich an, als sei meine Kopfhaut froh, dass sie endlich mal talgen kann, was das Zeug hält, ohne dass ich alle ein bis zwei Tage dagegen anshampooniere.

Ich esse also genüsslich mein italienisches Soßenbrot und nehme mir vor, meine Haare in Zukunft nur noch alle drei Tage zu waschen, um die Kopfhaut zu entlasten. Vielleicht schaffe ich ja sogar irgendwann alle vier. Jedenfalls bin ich froh, dass ich den Selbstversuch gewagt habe. Und auch darüber, dass er nun zu Ende ist!

Fazit:

  1. Gwen Stefani ist eine top Duschbegleitung.
  2. Seltener Haare waschen heißt öfter lange schlafen. 
  3. Bobby Pins verschwinden im selben schwarzen Loch wie Kugelschreiber und Socken.
  4. Das Wort "Talg" klingt ziemlich ekelig.
  5. Pizza ist immer eine gute Idee.
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