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Anschlag von Boston: Attentäter zündeten Bomben mit Spielzeug-Fernbedienung

Die Fernbedienung eines Spielzeugautos hat die Bombenexplosion von Boston ausgelöst. Die Eltern der mutmaßlichen Attentäter reisen heute zur Unterstützung der Ermittlungen von Russland in die USA.

Die Bombenexplosionen beim Anschlag auf den Marathon von Boston wurden mit Hilfe einer Fernbedienung ausgelöst, die in Spielzeugautos verwendet wird. Das berichteten US-Ermittler am Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss, wie Abgeordnete anschließend sagten. Die Bauanleitung zu den Sprengsätzen sollen die beiden mutmaßlichen Attentäter demnach im Islamistenmagazin "Inspire" gefunden habe, das im Internet von der Gruppe Al-Kaida im Jemen verbreitet wird. Der Sprengstoff stamme aus einem Geschäft für Feuerwerkskörper in New Hampshire.

Der aus einer tschetschenischen Familie stammende Tamerlan Zarnajew und sein jüngerer Bruder Dschochar sollen für den Bombenanschlag während des Boston-Marathons am Montag vergangener Woche verantwortlich sein, bei dem drei Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden. Während der 26 Jahre alte Tamerlan Zarnajew später bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet wurde, überlebte sein sieben Jahre jüngerer Bruder einen Schusswechsel schwer verletzt. Er muss sich nun wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen vor einem Zivilgericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.

Eltern reisen in die USA

Die Eltern der mutmaßlichen Boston-Attentäter wollen am heutigen Donnerstag zur Unterstützung der Ermittlungen von Russland in die USA reisen. Das sagte der Vater Ansor Zarnajew der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Die Reise sei bei Gesprächen der Eltern mit US-Diplomaten am Mittwoch in Machatschkala, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Dagestan, vereinbart worden, hieß es. "Die Eltern haben sich damit einverstanden erklärt, sie werden in die US-Ermittlungen einbezogen", zitierte die Agentur einen namentlich nicht genannten Polizeivertreter.

Mehr als ein Jahr vor dem Anschlag auf den Bostoner Marathon hat der US-Auslandsgeheimdienst CIA beantragt, den mutmaßlichen Attentäter Tamerlan Zarnajew auf eine Liste von Terrorverdächtigen zu setzen. Die CIA habe Informationen zu Zarnajew, die es am 28. September 2011 von den russischen Behörden erhalten hatte, an die anderen Sicherheitsbehörden weitergegeben, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Es habe sich um zwei mögliche Geburtsdaten, seinen Namen und eine Namensvariante gehandelt. Die Angaben seien "praktisch identisch" mit Informationen gewesen, welche die Bundespolizei FBI im März 2011 aus Russland erhalten hatte, sagte der CIA-Mitarbeiter. Zarnajew war daraufhin vom FBI vernommen worden, doch hatte das Verhör "keine negativen Erkenntnisse" erbracht. Allerdings wurde er auf die TIDE-Liste gesetzt, die Namen verdächtiger Personen enthält, so dass seine Ausreise nach Russland Anfang 2012 registriert wurde.

Wie Heimatschutzministerin Janet Napolitano am Dienstag erklärte, waren allerdings bei seiner Rückkehr fünf Monate später alle Ermittlungen zu ihm beendet, so dass seine Einreise unbemerkt blieb. Der CIA-Mitarbeiter stellte am Mittwoch klar, dass entgegen Berichten von Montag die Daten zu Zarnajew korrekt und in genau der Form, wie sie aus Russland übermittelt wurden, in der Überwachungsliste eingetragen worden waren.

kmi/AFP/Reuters / Reuters