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Zeitzeugen zum 60. Jahrestag des DDR-Volksaufstands "Ich hörte die Schreie der Geprügelten"


Am 17. Juni 1953 mündete der Protest der DDR-Bürger in einen Volksaufstand, den der Staat gewaltsam niederschlug. Zeitzeugen berichten in Videos, wie der Tag ihr Leben dramatisch veränderte.
Von Linda Richter und Martin Thiele

Es begann mit der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und endete in einem Massaker. Vor 60 Jahren wehrten sich rund eine Million Menschen an 700 Orten in der DDR erstmals gegen die Diktatur des Sowjet-Regimes. Es war die erste Massenerhebung im sich formierenden Ostblock nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Protest richtete sich gegen den Kurs des SED-Regimes unter Staatschef Walter Ulbricht. Die Nachkriegszeit in der DDR war von Zwangsenteignungen, Lohnsenkungen und einer Flüchtlingswelle nach Westdeutschland geprägt. Ein Beschluss des SED-Regimes die Arbeitsnormen zu erhöhen, löste die Proteste aus. Immer mehr Menschen versammelten sich in den Straßen, sangen die Nationalhymne und forderten mehr Demokratie. Am 17. Juni schlugen sowjetische Panzer die Aufstände blutig nieder. 50 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden festgenommen. Welche Hoffnungen trieben die Arbeiter in diesen Tagen? Wie erlebten die Funktionäre im Politbüro den Protest? In dem Internet-Projekt "Gedächtnis der Nation" des ZDF und Stern erzählen Zeitzeugen, wie sie den 17. Juni 1953 erlebten.

Der Schriftsteller

Der DDR-Autor Erich Loest nahm in Berlin an einer Sitzung des Schriftstellerverbandes teil, als der Volksaufstand ausbrach. Er erinnert sich an brennende Kioske und demonstrierende Arbeiter.

Das Partei-Mitglied

Der frühere ZDF-Moderator Fritz Schenk befand sich am 17. Juni in einem DDR-Ministerium in Berlin. Er hörte die Rufe und Lieder der Protestler, erlebte wie die führenden Parteikader die Proteste rechtfertigten. Schenk arbeitete ab 1952 für die SED als Wirtschaftsfunktionär, bis er 1957 in den Westen floh. Er beschreibt die Stimmung im Ministerium und berichtet über das äußerst brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Der Inhaftierte

Währenddessen saß Wolfgang Stiehl in Halle im Gefängnis. Er hatte gegen das SED-Regime aufbegehrt und war wegen des Besitzes satirischer Zeitungen inhaftiert worden. In seiner Zelle hörte er damals das gewaltsame Eingreifen der sowjetischen Truppen. Er hoffte bis zuletzt, dass die Arbeiter mit ihrem Protest Erfolg haben würden.

Zum Gedenktag ist der Jahrhundertbus des "Gedächtnis der Nation" in Berlin. In dem mobilen Aufnahmestudio können Zeitzeugen ihre eigenen Erinnerungen an dieses und an andere historische Ereignisse festhalten. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.


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