Die Columbia-Katastrophe Raumfähre beim Landeanflug zerbrochen


Ein weißer Schweif am blauen Himmel über Texas, der sich plötzlich in mehrere kleinere Streifen aufspaltet, und verglühte Metallteile am Boden

Ein weißer Schweif am blauen Himmel über Texas, der sich plötzlich in mehrere kleinere Streifen aufspaltet, und verglühte Metallteile am Boden: Die dramatischen Bilder vom Absturz der Raumfähre "Columbia" haben überall auf der Welt Entsetzen ausgelöst und die NASA in eine schwere Krise gestürzt. Zwar betonten Sprecher der Raumfahrtbehörde sofort, dass der Unfall schnell aufgeklärt werde und bald schon wieder eine neue Fähre starten könnte. Doch Experten zweifeln. Sie fürchten massive Auswirkungen für das Shuttle-Programm und die Internationale Raumstation ISS.

Nur 15 Minuten vor der geplanten Landung

Die "Columbia" war nur 15 Minuten vor der geplanten Landung in Cape Canaveral abgestürzt. In einer Phase des Fluges, die als weit weniger gefährlich galt als der Start, da nur das Shuttle selbst zurückkehrt. Beim Start sitzt die Fähre noch auf drei mit leicht entzündbaren Treibstoff gefüllten Antriebsraketen, die auf dem Flug dann abgeworfen werden.

Für die NASA gilt es nun, die Ursache des Unglücks lückenlos aufzuklären und zu garantieren, dass die anderen Fähren der ein viertel Jahrhundert alten Flotte sicher sind. Nach der "Challenger"- Katastrophe von genau 17 Jahren, der die "Columbia"-Besatzung Anfang der Woche noch gedacht hatte, blieben die Fähren zwei Jahre am Boden.

Lange Zwangspause -Auswirkungen auf die ISS

Eine solch lange Zwangspause hat massive Auswirkungen für die internationale Raumstation ISS. Zwar besteht keine Gefahr für die seit November im Orbit lebenden drei ISS-Langzeitbewohner, die die Station jederzeit mit der angedockten russischen Sojuskapsel verlassen könnten. Doch stellt sich schon die Frage, ob neue Bewohner dann mit russischen Kapseln wieder zur Station gebracht werden können. Zum einen leidet das russische Raumfahrtprogramm unter massiven Geldnöten, so dass der Platz in den Versorgungskapseln bereits zwei Mal an Touristen verkauft werden musste. Zum anderen ist unklar, ob neben den Astronauten auch genügend Lebensmittel und andere Versogungsgüter mit den kleinen Kapseln nach oben geschafft werden können.

Ganz ausgeschlossen ist bereits, dass die Station nur mit den russischen Raumschiffen weiter ausgebaut werden kann. Die großen Bauteile passen nur in die Shuttles. Damit würde sich der ohnehin dem Zeitplan hinterher hinkende Ausbau der Station auf lange Zeit weiter verzögern. Eine Alternative zu den Shuttles gibt es auch nicht. Zwar bemüht sich die NASA seit Jahren um ein Nachfolgemodell, doch die Sparzwänge ließen schon mehrere Projekte versanden.

Technisch veraltete Arbeitspferde

So wurden die alten Arbeitspferde der NASA, die ihren Dienst begannen, als die Bordrechner nicht einmal die Fähigkeiten eines heutigen Taschencomputers hatten, immer wieder modernisiert. Doch seit Jahren machten immer neue Pannen Schlagzeilen und sorgten für massive Verzögerungen bei den Starts. So mussten auch die sieben Astronauten der "Columbia" wegen zahlreicher Verzögerungen fast zwei Jahre auf ihren Einsatz warten, der nun in einem weißen Schweif endete.

Unmittelbar nach dem Unglück zeigt sich die NASA allerdings hoffnungsvoll, dass die Katastrophe kein Ende des Programms bedeutet. Shuttlemanager Ron Dittemore ließ allerdings die Frage offen, wie sich der Ausbau der Station mit einem Orbiter weniger vollziehen lasse.

Ursachenforschung

Dittemore betonte, es gebe erst einmal genügend Zeit, nach den Ursachen des Unglücks zu suchen. Bis Juni könnten die drei ISS- Bewohner Ken Bowersox, Don Pettit und Nikolai Budarin, die eigentlich im März zurückkehren sollten, noch problemlos im Orbit bleiben. Flugdirektor Milt Heflin sagte, er sei froh, dass er in einem Land lebe, in dem man einen schlechten Tag überstehe, das Problem erkenne und dann behebe. Ex-Astronaut Jerry Linenger erklärte: "Wir müssen weitermachen, auch die Astronauten an Bord der "Columbia" hätten dies gewollt."


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