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Untersuchungsbericht zu Flug MH370 Am Piloten lag es jedenfalls nicht


Genau ein Jahr ist es her, dass Flug MH370 spurlos verschwand. Nun liegt ein neuer Untersuchungsbericht vor, der die Angehörigen ratlos zurücklässt. Der Pilot soll, so die Experten, unschuldig sein.

Als die Angehörige der MH370-Passagiere am Sonntag in Peking zum Gedenken zusammenkommen, geben sie sich kämpferisch: "Nie aufgeben", lautet der Schriftzug auf den langärmeligen weißen T-Shirts, die sie tragen. "Wir wollen die Wahrheit!" steht auf einem Plakat, und: "Papa, Du fehlst mir", auf einem anderen, mit einer Kinderzeichnung von einer fröhlichen dreiköpfigen Familie.

Für die Angehörigen der 239 Menschen an Bord der Boeing, die vor genau einem Jahr zwischen Kuala Lumpur und Peking in 10 000 Metern Höhe spurlos verschwand, ist der Jahrestag besonders schlimm. Sie haben 365 Tage Tortur hinter sich, wachen jeden Morgen aus einem nicht enden wollenden Alptraum auf. Auch die besten Unfallermittler der Welt haben ihnen noch keine Erklärung für das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte geben können. Was ist mit der Maschine passiert?

Vor dem Lama-Tempel in Peking weinen einige Angehörige, andere schwingen ihre Fäuste in Richtung der Polizisten. Sie wollen dort für ihre Lieben beten, aber die Sicherheitskräfte drängen sie und umstehende Reporter ab. "Ich will doch nur meine Tochter zurück", ruft ein Mann verzweifelt, dann sackt er in die Arme seines Nachbarn. Die Polizisten wollten wegen der Jahrestagung des Volkskongresses keinen Menschenauflauf, sagen die Angehörigen.

"Bis jetzt nichts"

"Sie fehlen uns. Wir lieben sie", steht auf einer weißen Wand in der Airline-Akademie in Kuala Lumpur. Darüber ist eine Schleife gemalt, wie man sie von Gedenken an Opfer der Immunschwäche-Krankheit Aids kennt. Aber diese Schleife ist nicht rot, sondern in den bunten Farben der Malaysia-Airlines-Uniform. In der Akademie hat Malaysia Airlines 100 Angehörige der Crew-Mitglieder zu einem Gedenken versammelt. "Sie bleiben für immer in unseren Herzen", sagt der Vorstandsvorsitzende Tan Sri Md Nor Yusof.

Die Ermittler haben am Sonntag einen neuen Bericht vorgelegt. Darin ist jedes bislang bekannte Detail akribisch festgehalten: die technischen Daten der Maschine, die Erkenntnisse zum Seelenzustand des Piloten, Versuche der Fluglotsen, MH370 aufzuspüren. "Malaysia Drei Sieben Null - irgendwelche Nachricht von der Maschine?" fragt die Flugaufsicht in Kuala Lumpur die Kollegen in Vietnam. Da ist es 03.48 Uhr, die Maschine ist seit mehr als zwei Stunden verschwunden. "Bis jetzt nichts", ist die Antwort, immer wieder.

Kein Motiv für die Kursänderung

Mehr als 500 Seiten legen die Ermittler vor, jede Menge Stoff für die Angehörigen, die seit Monaten auf mehr Transparenz pochen. Fazit: Die Experten sind ratlos, was mit der Boeing passiert ist. Nur Wrack und Flugdatenschreiber könnten neue Aufschlüsse geben, heißt es in dem Bericht. Die Suche nach dem Wrack geht im Indischen Ozean vorerst weiter. Der Pilot ist seit Monaten im Visier unabhängiger Ermittler. Weil die Kommunikationssysteme an Bord gleichzeitig stoppten und die Maschine nach dem letzten Radarkontakt abrupte Kursänderungen vollzog, glauben sie, nur ein erfahrener Pilot könne dahinterstecken. Ein Motiv lieferten aber auch sie bislang nicht.

"Es sind keine Episoden von Apathie, Angst oder Reizbarkeit bekannt", heißt es über Zaharie in dem neuen Bericht. "Es gab weder Anzeichen von Verhaltensänderungen, noch sozialer Isolation, neuen Interessen oder Selbstvernachlässigung, und keinen Drogen- oder Alkoholmissbrauch beim Piloten, dem ersten Offizier oder anderen Crew-Mitgliedern."

Für die Familien geht die Tortur weiter

"Das Verschwinden von MH370 ist beispiellos, ebenso wie die Suche", sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak. "Es ist bei weitem die komplexeste und herausforderndste Suche in der Geschichte der Luftfahrt." Das Wrack wird in einer der entlegensten Ozeanregionen der Welt rund 2000 Kilometer westlich von Perth vermutet. Dort ist das Wasser teils 6000 Meter tief und der Meeresboden mit Bergen und steilen Klippen zerfurcht.

Für die Familien der MH370-Insassen geht die Tortur erst einmal weiter. Viele von ihnen können das Leben nur aushalten, in dem sie sich an die irrationale Hoffnung klammern, ihre Lieben eines Tages wiederzusehen. Zhang Yonglis 34 Jahre alter Sohn war an Bord. "Er muss noch leben", sagt der Mann, der jeden Tag am Flughafen von Peking auf Neuigkeiten wartet. "Ich weiß, dass er noch irgendwo da draußen ist."

she/Christiane Oelrich und Stephan Scheuer, DPA DPA

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