HOME

Entführung in Mali: Deutsche Touristin wieder frei

Drei Monate nach ihrer Entführung im Grenzgebiet zwischen Mali und Niger hat das Martyrium für die Deutsche Marianne P. ein Ende. Außenminister Frank-Walter Steinmeier bestätigte, dass die 77-jährige pensionierte Lehrerin aus Darmstadt frei ist. Sie sei gezeichnet von den Strapazen der Verschleppung.

Die vor drei Monaten in Mali von Islamisten entführte deutsche Rentnerin ist wieder frei. Wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin mitteilte, wurde die 77 Jahre alte, pensionierte Lehrerin aus Darmstadt am Mittwochabend freigelassen. Sie befinde sich in der Obhut von malischen Regierungsstellen und sei gezeichnet von den Strapazen der Verschleppung. Die Frau werde medizinisch betreut. "Ich bin sehr froh und erleichtert, dass die in Mali verschleppte deutsche Staatsangehörige wieder in Freiheit ist", teilte Steinmeier mit. Er danke besonders dem malischen Präsidenten Amadou Toumani Touré, mit dem man eng bei der Lösung des Geiseldramas zusammengearbeitet habe.

Nach Angaben aus Mali wurde Deutsche im Norden Malis zusammen mit einer Schweizer Touristin und zwei kanadischen UN-Diplomaten freigelassen. Die vier Ex-Geiseln trafen am Abend in der Stadt Gao ein. "Wir haben die vier früheren Geiseln soeben in Gao willkommen geheißen", sagte ein Sprecher der Lokalregierung in Gao der Nachrichtenagentur AFP.

Marianne P. war am 22. Januar zusammen mit einem Ehepaar aus der Schweiz und einem Briten verschleppt worden. Der Mann der Schweizerin und der Brite werden den malischen Angaben zufolge weiter von den Entführern festgehalten. Die Reisegruppe der Touristen befand sich auf der Fahrt von einem Tuareg-Kulturfest im malischen Anderamboukane in die nigrische Hauptstadt Niamey, als die Angreifer den Fahrzeugkonvoi im Grenzgebiet zum Niger stoppten.

Vor anderthalb Monaten hatte sich der nordafrikanische Arm des Netzwerks al Kaida zu der Verschleppung der Touristen bekannt. Die Entführer forderten zunächst die Freilassung von zwei in Mali festgehaltenen mauretanischen Komplizen. Einer von ihnen kam nach malischen Angaben aber bei einem Gefängniswechsel durch einen Verkehrsunfall ums Leben. Später wollten die Entführer ihre Geiseln gegen in Europa inhaftierte Islamisten austauschen.

Vor einem Monat hatten die malischen Behörden mitgeteilt, den Hauptverdächtigen im Fall der entführten Touristen festgenommen zu haben. Wenige Tage zuvor waren mindestens zwei Verdächtige gefasst worden, die in die Verschleppung der Deutschen verwickelt sein sollen.

Die beiden Kanadier waren Mitte Dezember bei einer Reise zu einer Goldmine westlich von Niamey entführt worden. Es handelt sich um den UN-Sondergesandten für den Niger, Robert Fowler, und seinen Mitarbeiter Louis Gay. Ihr aus Niger stammender Fahrer war am 21. März freigekommen. Mali hatte in den Entführungsfällen vermittelt. Staatschef Touré hatte Anfang April erklärt, den verschleppten Touristen gehe es gut. Seine Regierung habe ihnen sogar persönliche Dinge zukommen lassen.

AFP/DPA / DPA