HOME

Mutmaßlicher Ex-Leibwächter von Bin Laden: Verwirrung um Abschiebung von Tunesier Sami A. - hat das Bamf ein Fax übersehen?

Der mutmaßliche Ex-Leibwächter des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden wurde abgeschoben. Entgegen einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen. Wird Sami A. nun zurückgeführt?

Trotz Gerichtsentscheidung: Mutmaßlicher Ex-Leibwächter von Bin Laden offenbar abgeschoben

Der Tunesier Sami A. wurde offenbar abgeschoben - entgegen einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen (Symbolbild)

DPA

Um 9.43 Uhr meldet die Deutsche Presse-Agentur (DPA): "Gericht verbietet vorerst Abschiebung von Bin Ladens Ex-Leibwächter". Gemeint ist der Tunesier Sami A., der im Verdacht steht, Leibwächter von Osama Bin Laden gewesen zu sein und von den deutschen Behörden als islamistischer Gefährder eingestuft wird.

Um 9.44 Uhr meldet die "Bild"-Zeitung: "Ex-Leibwächter von Osama bin Laden abgeschoben!" Wenige Augenblicke später will auch die DPA aus Sicherheitskreisen erfahren haben, dass Sami A. nach Tunesien abgeschoben wurde.*

Wie kann das sein? "Offiziell wissen wir nichts davon", sagt Wolfgang Thewes dem stern, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht. "Die Behörden haben sich uns gegenüber noch nicht offiziell dazu geäußert, wir tappen im dunkeln." Fest steht für ihn aber: "Nach unserer Entscheidung darf er nicht abgeschoben werden", so Thewes zum stern.  

Sami A. könnte zurückgeführt werden

Grund, laut Verwaltungsgericht Gelsenkirchen: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Sami A. in Tunesien "Folter und unmenschliche Behandlung drohe". Seinen unanfechtbaren Beschluss hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am gestrigen Donnerstag, dem 12. Juli, getroffen und am heutigen Freitagmorgen per Pressemitteilung vermeldet. Hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) also das Fax übersehen? Oder ist es womöglich zu spät einegtroffen?

"Der Beschluss wurde dem Bamf am Freitagmorgen um 8.27 Uhr zugefaxt", so der Vorsitzende Richter Thewes zum stern. Offenbar zu spät, glaubt man den Informationen der "Bild"-Zeitung: Um 6.53 Uhr sei sein Abschiebeflug vom Flughafen Düsseldorf in Richtung Tunesien abgehoben, schreibt das Blatt. 

Allerdings, so Thewes zum stern: "Wenn die Abschiebung noch nicht vollzogen wurde, muss er wieder nach Deutschland zurückgeführt werden." Konkreter: Sollte sich Sami A. etwa noch nicht in den Händen tunesischer Behörden befinden - und die abschiebenden deutschen Behörden rechtzeitig von dem Gerichtsentscheid gewusst haben - müsste Sami A. wieder zurückgeführt werden. Und was, wenn das Gegenteil der Fall ist? "Da bin ich momentan überfragt."

*Update, 12.01 Uhr: Das Bundesinnenministerium hat nun bestötigt, dass Sami A. nach Tunesien abgeschoben wurde.