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Hitzewelle: "Michaela" macht alle heiß

Deutschland stöhnt, Deutschland schwitzt und Bis Mitte nächster Woche dürfte sich daran auch nichts ändern: Mit 40,8 Grad wurde im Saarland sogar ein neuer Hitzerekord gemessen.

Die Hitze in Deutschland und Europa treibt neuen Höhen entgegen: Der 20 Jahre alte deutsche Hitzerekord von 40,2 Grad ist gebrochen worden. Der Wetterdienst Meteomedia hat am Freitag mit 40,8 Grad in Perl-Nennig im Saarland den neuen Spitzenwert gemessen. Das "amtliche Endergebnis" wird nachgeliefert. Denn jetzt werde die Station abgebaut und der Wert in einer "gängigen und aufwendigen" Untersuchung überprüft, erklärte der Meteorologe Jörg Kachelmann.

Heißeste Nacht in Deutschland

Fest steht allerdings: Die Nacht zum Freitag war die heißeste Nacht in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. An mehreren Stationen seien die Tiefst-Temperaturen so hoch gewesen wie nie zuvor, berichtete Meteorologe Norbert Bonanati vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Nach Meteomedia-Angaben wurden am Freitag in vier Orten tagsüber über 40 Grad registriert. Die bisherige Spitzentemperatur von 40,2 Grad war am 27. Juli 1983 im bayerischen Gärmersdorf gemessen worden. Auch damals wurde der Wert in einem wochenlangen Verfahren kontrolliert, sagte der Meteorologe. Gärmersdorf hielt schon zuvor und insgesamt 111 Jahre den Hitzerekord.

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Die Natur ist aus dem Lot

Nach Ansicht von Naturschützern könnte es im Südwesten Deutschlands künftig so warm werden wie am Mittelmeer. "Die Natur ist aus dem Lot", sagt Siegfried Schuster vom Naturschutzbund (NABU) in Stuttgart. Nach den Aalen im Bodensee und im Rhein sind auch die Forellen und Lachse durch die hohen Temperaturen in Flüssen und Seen gefährdet. Hitzehoch "Michaela" lässt Deutschland auch in den nächsten Tagen schwitzen und stöhnen. Die extremen Temperaturen und der Sonnenschein halten sich über das Wochenende hinaus. Unklar ist noch, ob es sich von Mitte nächster Woche an ganz allmählich oder rascher abkühlt. Die Möglichkeit, dass das hochsommerliche Wetter anhält, besteht aber durchaus.

Super-Sommer-Wochenende

Die Menschen zwischen Kiel und Konstanz, Kaiserslautern und Köthen können sich auf ein Super-Sommer-Wochenende freuen. Hitzegewitter gibt es am Samstag nur vereinzelt. Meist gehört der Himmel der Sonne ganz allein, nur gelegentlich ziehen ein paar Wölkchen vorüber. Die Temperaturen klettern zumindest auf Höchstwerte bis 38 Grad. Urlauber am Meer haben bei angenehmen 28 bis 33 Grad und Wassertemperaturen um 20 Grad optimales Ferienwetter. In westlichen und südlichen Gebirgslagen sind auch am Sonntag vereinzelt Hitzegewitter möglich. In der ersten Wochenhälfte steigt das Gewitterrisiko überall etwas.

Nachts kaum abkühlung

Selbst nachts bringen nur Ventilatoren oder Klimaanlagen eine Abkühlung, auf einen ruhigen Schlaf müssen viele Leute derzeit wohl verzichten. Bei einem nächtlichen Absinken der Lufttemperaturen auf Werte von 25 bis 20 Grad und nur äußerst schwachem Wind ist an ein wirkliches Durchlüften im Schlafzimmer kaum zu denken. Relativ kühl ist es nachts in Norddeutschland bei Temperaturen zwischen 19 und 11 Grad.

Joghurt und Quark werden teurer

Wegen der Hitzewelle müssen Kunden künftig mehr Geld für Milchprodukte mit Fruchtstücken zahlen. "Das gilt vor allem für Joghurt, Quark und Milchdrinks", sagte der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, Eckhard Heuser, in Bonn. Grund für den zum September erwarteten Preisanstieg sei die europaweite Trockenperiode, die zu teils dramatischen Einbußen bei der Ernte geführt habe. "Die Teuerung dürfte je nach Behältergröße und Fruchtanteil für Joghurt und Quark zwischen 1 und 5 Cent je Becher liegen", rechnete Heuser vor. Das entspreche einer Steigerung von etwa 3 bis 4 Prozent. Insbesondere Produkte mit "roten Früchten" wie Erdbeeren, Kirschen, Johannis- und Blaubeeren würden teurer, da in den Anbauländern Deutschland, Italien, Griechenland und Spanien nur wenig Regen gefallen sei. Neben den Früchten wird laut Heuser vermutlich auch Milch teurer. "Die Trockenheit hat sich auch auf die Futtervorräte deutscher Milchproduzenten ausgewirkt", hob Heuser hervor. Deshalb rechne der Verband in diesem Winter mit einem knapperen Angebot an Milch und damit zugleich mit höheren Preisen für diesen Rohstoff. Wie sich dies aber auf die Preise auswirke, sei derzeit noch unklar.

150 Menschen auf Mallorca evakuiert

In Südeuropa flammen immer wieder neue Waldbrände auf. Auf der spanischen Ferieninsel Mallorca wurden nach Behördenangaben vom Freitagabend mehr als 150 Menschen, darunter auch mehrere Urlauber, vor den Flammen in Sicherheit gebracht worden. Das Feuer war auf den Hängen des Berges Puig de Randa im Osten der Inselhauptstadt Palma ausgebrochen. Die Flammen auf Mallorca breiteten sich in der Nacht zum Samstag rasch an zwei Fronten aus. Die Löschmannschaften konnten die Brände zunächst nicht unter Kontrolle bringen. Die Bewohner des Dorfes Randa mussten ihre Häuser verlassen und die Nacht in einer Turnhalle in der Kleinstadt Llucmajor verbringen. Mehrere Touristen, die die Aussichtsplattform auf dem Berggipfel und das nahe gelegene Kloster Monasterio de Cura besucht hatten, wurden in Sicherheit gebracht. Mehr als 100 Hektar Wald wurden ein Raub der Flammen. Bei der Bekämpfung des Feuers waren alle auf Mallorca verfügbaren Löschflugzeuge im Einsatz.

15. Todesopfer in Portugal

In Portugal reißt die Serie verheerender Waldbrände weiter nicht ab. In einem Dorf bei Guarda kam eine 30-jährige Frau in den Flammen ums Leben. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Waldbrände auf 15. Portugals Regierung beziffert das Ausmaß der Schäden bei den seit zwei Wochen anhaltenden Waldbränden auf insgesamt eine Milliarde Euro. In Spanien starben erneut drei Menschen an den Folgen der Hitze. Damit erhöhte sich die Zahl der Hitze-Toten auf 18.

In Italien meist Brandstiftung

Die vielen Wald- und Buschbrände in Italien sind nach Meinung des nationalen Zivilschutzes durch Brandstiftung oder Fahrlässigkeit entstanden. "Es ist kein Zufall, dass viele Feuer an Autobahnen ausbrechen, die im Sommer stark befahren sind", sagte Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso. Zugleich gebe es auch vorsätzliche Brandstifter, "die Schaden anrichten und die Umwelt verschandeln wollen". Bis Freitagabend seien in Italien insgesamt 17 Feuer gezählt worden, die mehrere Hundert Hektar Wald und Grasland vernichteten. Die Hauptbrandherde an der Ligurischen Küste und in der Toskana seien zwar weitgehend unter Kontrolle, sagte der Zivilschutzchef. Nun nehme aber die Gefahr im Süden zu. In der Gegend um Amalfi und Sorrent südlich von Neapel wüteten die Flammen bereits. In Sardinien brach ein Feuer aus, nachdem ein Hochspannungskabel riss und zu Boden fiel.

Neue Großfeuer in Kroatien

Mehr als 600 Feuerwehrleute kämpften gegen einen Waldbrand im Hinterland der französischen Hafenstadt Nizza. In Griechenland brachen zahlreiche kleinere Waldbrände aus. Viele Forstbezirke in Ostpolen haben wegen der Brandgefahr das Betreten der Wälder verboten. Neue Großfeuer wüteten auf mehreren Inseln und im Hinterland der kroatischen Adriaregion Dalmatien.

Leichte Entwarnung in Kanada

Aus der Umgebung der Stadt Kamloops in der kanadischen Provinz British-Columbia sind knapp 3.000 Menschen in ihre Häuser zurückgekehrt, nachdem schwere Waldbrände im Westen Kanadas ihre Evakuierung erzwungen hatte. Andere müssen sich weiter in Geduld üben, berichtete der Fernsehsender CTV am Freitagabend. Derzeit kämpft die Feuerwehr unterstützt vom Militär und freiwilligen Helfern noch gegen 577 Feuer auf einer Fläche von 550 Quadratkilometern. Gewitter mit 1.500 Blitzen in 24 Stunden hatten Mitte der Woche neue Feuer in den ausgetrockneten Wäldern der Provinz entfacht. Die Hälfte aller Brände soll von glimmenden Zigarettenkippen stammen. Die Regierung von British-Columbia gab am Freitagabend bekannt, dass eines der drei großen Feuer bei Kamloops Schäden wenigstens acht Millionen kanadische Dollar (3,6 Millionen Euro) an Gebäudeschäden bei privaten Hausbesitzern verursachten. Am schlimmsten betroffen ist der Ort Louis Creek 60 Kilometer nördlich von Kamloops, der buchstäblich bis auf die Grundmauern abbrannte.