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Hochwasser: Talsperre im Harz läuft über - Helfer kämpfen gegen Wassermassen

Nach starken Regenfällen wurde im Harz der Katastrophenalarm ausgelöst, es gibt Verletzte, eine Talsperre läuft über. Bislang halten die Dämme, dennoch werden Evakuierungen vorbereitet.

Nach starken Regenfällen läuft eine Talsperre in der Nähe von Wernigerode im Harz über. Geringe Mengen schwappen seit dem Abend über die Staumauer, wie ein Sprecher des Talsperrenbetriebs in Sachsen-Anhalt sagte. Er sprach von 1,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das sei so viel wie acht gefüllte Badewannen. Das Wasser fließe nun unterhalb der Staumauer in einen Bach. Weil es nicht mehr regne, sei der Wasserstand des Zilierbachs gesunken. "Die Feuerwehr bewertet die Lage als unproblematisch", erklärte der Sprecher. Der Fluss fließt auch durch Wernigerode.

Wegen der heftigen Regenfälle ist im niedersächsischen Landkreis Goslar der Katastrophenalarm ausgerufen worden. Tief "Alfred", das seit Tagen in vielen Teilen Deutschlands für Hochwasser und tiefgraue Himmel sorgt, traf vor allem die Region am Harz. Braune Wassermassen strömten durch die Straßen von Goslar. Hunderte Rettungskräfte waren im Landkreis im Dauereinsatz.

Auch andere Regionen Deutschlands wurden durch den starken Regen unter Wasser gesetzt. Es kam zu Behinderungen im Bahn- und Busverkehr. Laut Deutschem Wetterdienst fiel innerhalb von zwei Tagen teilweise deutlich mehr Regen als sonst im gesamten Juli. Für die kommenden Tagen gaben Meteorologen Entwarnung - wirklich sommerlich wird es aber auch nicht.

Teile von Goslar wegen des Hochwassers evakuiert

In Sachsen-Anhalt verschwand während des Dauerregens in Wernigerode eine 69-Jährige in der Nähe eines Flusslaufes. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie in einen stark angestiegenen Fluss gefallen sei, sagte ein Polizeisprecher.

"Die Lage ist weiter sehr, sehr angespannt. Alles, was wir an Einsatzkräften zur Verfügung haben, ist im Einsatz", sagte Michael Weihrich, Sprecher im Landkreis Goslar. In der 40.000-Einwohner-Stadt Goslar selbst seien ein oder zwei Straßenzüge in der Altstadt wegen des Hochwassers evakuiert worden. Die kleine Siedlung Oberschulenberg im Landkreis wurde ebenfalls vorsorglich evakuiert. Der Damm eines alten Teiches drohte laut Behörden dort zu brechen.

Auch in Hildesheim stand die Evakuierung eines Wohngebiets im Raum: "Bisher halten unsere Dämme. Wir sind hier aber nach wie vor auf alles vorbereitet. Auch auf eine Evakuierung", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Sollte geräumt werden, wären laut Stadt 1100 Menschen betroffen.

Verletze bei Hochwasser

Auf der Ostseeinsel Rügen wurden bei einem Unfall bei Dauerregen zwei Urlauber lebensgefährlich verletzt. In Niedersachsen wurden drei Feuerwehrmänner im Hochwassereinsatz bei einem Verkehrsunfall verletzt. Aus bislang ungeklärter Ursache geriet ihr Fahrzeug plötzlich auf den unbefestigten Seitenstreifen, der wegen der Regenfälle stark aufgeweicht war.

Ein umgestürzter Baum brachte den Zugverkehr zwischen Deutschland und Polen bei Grambow in Mecklenburg-Vorpommern zum Erliegen. Auch in Niedersachsen kam es wegen Erdrutschen und Straßensperrungen zu Ausfällen und Verspätungen im Busverkehr; einige Bahn-Regionalverbindungen wurden gesperrt. In Hessen war der Boden wegen des Regens laut der Feuerwehr so aufgeweicht, dass mehrere Bäume umfielen. Sie blockierten Straßen und beschädigten die Oberleitung einer Straßenbahn.

Meteorologen sagen Besserung voraus

Gegen Abend entspannte sich die Lage in Nordhessen bereits wieder. In weiten Teilen Thüringens ließ der Dauerregen ebenfalls nach, die Flüsse waren allerdings weiter angeschwollen.

Besonders betroffen vom Dauerregen der vergangenen Tage war nach Angaben des DWD ein Streifen vom südlichen Niedersachsen über Teile Hessens und Thüringens bis nach Nordbayern. Dort fielen binnen 48 Stunden verbreitet mehr als 100 Millimeter Regen - und damit teils deutlich mehr als sonst in einem gesamten Juli. Auf dem Brocken im Harz registrierte der DWD sogar 238 Millimeter Regen, in Seesen im Harz 161 Millimeter, in Helbedündorf in Thüringen 134 Millimeter und in Hessisch-Lichtenau 111 Millimeter.

Für die kommenden Tagen gaben Meteorologen unterdessen Entwarnung: Der Dauerregen geht zu Ende, Tief "Alfred" zieht nach Osten ab, wie der DWD mitteilte. Der Regen höre damit zwar nicht auf, aber die Intensität lasse nach. Wirklich sommerlich-schön wird es allerdings nicht. Erst zum Wochenende zeichnet sich eine allmähliche Beruhigung mit wieder steigenden Temperaturen ab. 

wue / DPA