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Japanischer Untersuchungsausschuss Fukushima-Katastrophe war vermeidbar


Die Atomkatastrophe von Fukushima hätte vermieden werden können. Zu diesem Schluss kommt der Untersuchungsausschuss des japanischen Parlaments. Ungeachtet dessen produziert das Land seit heute wieder Atomstrom.

Die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi wäre vermeidbar gewesen. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsausschuss des japanischen Parlaments. In dem am Donnerstag vorgelegten offiziellen Bericht heißt es, die Katastrophe sei zwar vom Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 ausgelöst worden. Dennoch könne "der folgende Unfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi (...) nicht als ein Naturdesaster angesehen werden. Es war ein schwerwiegendes Desaster von Menschenhand". Der Unfall sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen. Die Auswirkungen hätten zudem durch effektivere Maßnahmen verringert werden können. In dem AKW war es zu einer dreifachen Kernschmelze gekommen, Zehntausende von Menschen mussten fliehen.

AKW Oi wieder am Netz

Ungeachtet der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses und der Skepsis in der Bevölkerung produziert Japan wieder Atomstrom. Der Reaktor 3 im Atomkraftwerk Oi habe um 7 Uhr Ortszeit wieder mit der Erzeugung von Strom begonnen, gab der Betreiberkonzern Kansai Electric am Donnerstag bekannt. Es ist das erste Mal seit der Atomkatastrophe infolge des Erdbebens und Tsunamis vom März 2011, dass Japan wieder einen Reaktor hochgefahren hat. Gegen diese Entscheidung der Regierung war es zu für Japan beispiellosen Anti-Atom-Demonstrationen gekommen. Bis zum GAU in Fukushima deckten AKW in Japan rund 30 Prozent des Strombedarfs. Zuletzt waren alle 50 Meiler abgeschaltet.

Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren zunächst ab. Doch angesichts der wiederholten Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor drohenden Stromausfällen in der Industrieregion Osaka gaben sie ihren Widerstand auf. Regierungschef Noda entschied daraufhin, die Reaktoren 3 und 4 im Kraftwerk Oi nach Sicherheitsüberprüfungen wieder anzufahren.

Volle Kraft voraus – ab kommender Woche

Man werde die Produktion im Reaktor 3 erhöhen und voraussichtlich ab kommenden Montag wieder mit voller Kapazität Strom erzeugen, hieß es. Reaktor 4 werde dann voraussichtlich am 18. Juli hochgefahren. Das Wiederanfahren des 1,18 Millionen-Kilowatt-Reaktors Nummer 3 wird den im Hochsommer bei Kansai Electric erwarteten Strommangel in der Region um die Industriestadt Osaka von 14,9 Prozent auf 9,2 Prozent verringern, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Kritiker warnen jedoch vor der Gefahr erneuter schwerer Erdbeben. Zudem seien die Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi bis heute nicht unter Kontrolle. Die Regierung sei in der Lage, eine nochmalige Katastrophe wie in Fukushima zu verhindern, versicherte indes Regierungschef Noda. Kritiker bezweifeln das jedoch. Auch in der Bevölkerung wächst der Widerstand gegen die Atomkraft. Kurz vor dem Wiederanfahren des Reaktors im AKW Oi gingen mehr als 150 000 Menschen in der Hauptstadt Tokio auf die Straße.

swd/DPA DPA

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