Kriegsverbrecher KZ-Arzt Heim im Visier von Zielfahndern

Seit 34 Jahren ist der ehemalige KZ-Arzt Aribert Heim auf der Flucht vor der deutschen Justiz. Nun hat die spanische Polizei eine heiße Spur gemeldet. Zielfahnder des BKA wurden eingeschaltet.

Das baden-württembergische Landeskriminalamt hat eigenen Angaben zufolge keine Erkenntnisse über den Aufenthaltsort des ehemaligen KZ-Arztes Aribert Heim. Ein Sprecher in Stuttgart sagte, bei der Suche seien Beamte der Zielfahndung eingeschaltet worden. Medienberichten zufolge gibt es eine heiße Spur zu dem wegen seiner grausamen Menschenversuche berüchtigten Heim nach Spanien.

Die spanische Polizei hatte am Wochenende erklärt, dass es Hinweise gebe, dass sich der Gesuchte in der Provinz Girona aufhalte. Man habe Heim aber weder aufgespürt noch festgenommen. Man vermute lediglich, dass er kürzlich in der Gegend von Palafrugell gewesen sein könnte, teilte Polizeisprecher Joan Lopez in Girona mit. Der Direktor der israelischen Zweigstelle des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, sagte, es sei nicht sicher, ob Heim noch in Spanien sei: "Es gibt Spekulationen, dass er vielleicht in andere Länder entkommen ist."

"Brutalster KZ-Arzt neben Josef Mengele"

Die israelische Zeitung "Haaretz" hatte berichtet, dass eine Verhaftung des 91-Jährigen kurz bevor stehe. Gegen Heim besteht ein internationaler Haftbefehl des Landgerichts Baden-Baden. Weil bislang noch niemand Interesse an seinem Vermögen angemeldet hat, gehen die deutschen Behörden davon aus, das Heim noch lebt. Der "Spiegel" berichtete, nach Erkenntnissen der Madrider Polizei habe ein Angehöriger des ehemaligen KZ-Arztes von Buchenwald und Mauthausen in den vergangenen fünf Jahren rund 300.000 Euro an einen Bekannten in Spanien überwiesen. Die Fahnder gingen dem Verdacht nach, das Geld könnte zumindest teilweise dazu gedient habe, den seit 43 Jahren flüchtigen Heim im Alter finanziell zu unterstützen.

Zuroff hatte den heute 91-Jährigen einst als "brutalsten KZ-Arzt neben Josef Mengele" bezeichnet. Heim soll in Buchenwald und Mauthausen in medizinischen Experimenten hunderte Menschen mit Injektionen getötet haben. Nach dem Krieg hatte er als Arzt in Süddeutschland gearbeitet, bis 1962 Anklage gegen ihn erhoben wurde. Heim war daraufhin untergetaucht. Die deutschen Behörden haben eine Belohnung von 130.000 Euro für seine Ergreifung ausgesetzt, das Simon Wiesenthal Zentrum weitere 10.000 Euro.

Spanien schon länger als Versteck vermutet

Schon seit Mitte der 80er Jahre war dem "Spiegel" zufolge Spanien als Heims mögliches Versteck genannt worden. In den vergangenen Wochen habe es dann verstärkt Hinweise gegeben, dass er bis vor kurzem an der südlichen Mittelmeerküste bei Dénia nördlich von Alicante gelebt haben könnte. Die Ermittler seien den Überweisungen nach Spanien über eine Geldwäscheverdachtsanzeige auf die Spur gekommen, schreibt das Nachrichtenmagazin. So seien 2003 über mehrere Monate hinweg größere Summen via Western Union von Deutschland aus an einen ursprünglich aus Italien stammenden Freund der Familie nahe Girona transferiert worden - ein im europäischen Zahlungsverkehr wegen der hohen Gebühren unüblicher Weg. In den ersten Monaten dieses Jahres seien rund 10.000 Euro angeblich im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Galerie an den Italiener geflossen.

"Haaretz" berichtete ferner unter Berufung auf das Simon-Wiesenthal-Zentrum, Heim habe rund 1,65 Millionen Euro auf einem Berliner Konto angesammelt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte im August erklärt, man wolle Heim seinen in Österreich erworbenen Doktortitel entziehen lassen. Der Arzt wurde 1940 an der Medizinischen Universität Wien promoviert, in Österreich selbst hat er aber nie praktiziert.

AP AP

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