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Prozessbeginn in Detmold Die Abgründe von Lügde: Zwei Hauptangeklagte gestehen im Prozess um hundertfachen Missbrauch

Prozess wegen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde
Die Angeklagten Mario S. (2.v.l.) und Andreas V. (2.v.r., versteckt hinter einem Ordner) sitzen mit ihren Anwälten Jürgen Bogner (l.) und Johannes Salmen (r.) im Gerichtssaal des Landgerichts Detmold zu Beginn ihres Prozesses wegen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde
© Bernd Thissen / AFP
Jahrelang sollen Dutzende Kinder auf einem Campingplatz in Lügde sexuell missbraucht worden sein - hundertfach. Ihre mutmaßlichen Peiniger stehen nun vor Gericht. Zu Beginn die Überraschung: Die zwei Hauptangeklagten legen Geständnisse ab.

Im Prozess um hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde haben die beiden Hauptangeklagten am ersten Verhandlungstag überraschend Geständnisse abgelegt. Andreas V. (56) und Mario S. (34) räumten die angeklagten Taten vor dem Detmolder Landgericht über ihre Verteidiger weitestgehend ein. Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden, angeklagt sind die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer, wie eine Gerichtssprecherin sagte. 

Bei dem dritten Angeklagte Heiko V. (49) war zunächst unklar, ob er gestehen würde. Sein Verteidiger hatte umfassende Äußerungen angekündigt. Kurz zuvor hatten alle Verfahrensbeteiligten mit der Vorsitzenden Richterin Anke Grudda ein nicht-öffentliches Rechtsgespräch geführt. 

Der Prozess gegen Andreas V. aus Lügde, Mario S. aus Steinheim (NRW) und Heiko V. aus Stade (Niedersachsen) hatte mit der Anklageverlesung unter vorübergehendem Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen. Alle 18 Anwälte, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten, hatten dies beantragt. Opferanwalt Christian Thüner hatte kurz vor Behandlungsbeginn gesagt, er hoffe auf Geständnisse. So könnten den Opfern Zeugenaussagen wohl erspart bleiben. 

Andreas V. soll 23 Mädchen schwere sexuelle Gewalt angetan haben

Die Vorsitzende Richterin Grudda betonte, schutzwürdige Interessen der Opfer würden sonst erheblich verletzt. Deren Namen seien in den Anklagen genannt. Ebenso würden die vorgeworfenen Missbrauchstaten, die gegen die Kinder und Jugendlichen verübt worden sein sollen, im Detail aufgeführt. Auch alle Medienvertreter mussten den Saal verlassen.   

Die Taten sollen sich vor allem auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen ereignet haben. Andreas V. werden fast 300 Straftaten vorgeworfen. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen teilweise schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

Mario S. soll ab 1999 Gewalttaten auf dem Campingplatz in Lügde verübt haben

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in rund 160 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt.

Den Vorwürfen zufolge hatten beide Männer manche Gewalttaten gefilmt. Einige der Kinder wurden sowohl von Andreas V. als auch auch von Mario S. missbraucht. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen erst vier Jahre alt gewesen sein. Der dritte Angeklagter (49) soll an mindestens vier Webcam-Übertragungen teilgenommen und teils zu den Taten angestiftet haben. 

vit DPA

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