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Pakistan: Die Angst vor der Cholera

Es war eine Frage der Zeit: Die Vereinten Nationen bestätigen erste Cholera-Fälle im pakistanischen Hochwassergebiet. 20 Millionen Menschen sind obdachlos - und die nächste Flutwelle steht kurz bevor.

Während die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" am Samstag vermeldete, noch keine Anzeichen für eine Cholera-Epidemie in den überfluteten Gebieten Pakistans zu sehen, haben die Vereinten Nationen erstmals den Ausbruch der Cholera im pakistanischen Hochwassergebiet bestätigt. Nach ausführlichen Untersuchungen sei bei einem Patienten in Mingora im Swat-Tal zweifelsfrei Cholera diagnostiziert worden, erklärte UN-Sprecher Maurizio Giuliano am Samstag. Zudem gebe es mehrere Verdachtsfälle. Die Krankheit kann zu Austrocknung und bei Nicht-Behandlung zum Tod führen. Die Bestätigung kam zeitgleich mit einer neuen Flutwelle im Süden des Landes.

Die Jahrhundertflut in Pakistan hat nach Angaben der Regierung in Islamabad sechs Millionen Menschen mehr ins Elend gestürzt als von den Vereinten Nationen angenommen. Premierminister Yousuf Raza Gilani sagte am Samstag, 20 Millionen Menschen seien vom Hochwasser aus ihren Häusern vertrieben wurden. Die Vereinten Nationen gingen von 14 Millionen Betroffenen aus, von denen sechs Millionen dringend Hilfe benötigten. "Sintflutartige Regenfälle und verheerende Fluten haben 20 Millionen Menschen obdachlos gemacht", sagte Premierminister Gilani in einer Fernsehansprache zum Unabhängigkeitstag. Das Hochwasser habe Ernte und Lebensmittel im Wert von mehreren Milliarden Dollar vernichtet. Brücken und Straßen seien fortgespült worden. Die Fluten hätten Infrastruktur zur Kommunikation und zur Energieversorgung zerstört.

Nationalfeiertag ohne Zeremonien‎

Gilani sagte, 1384 Menschen seien getötet und 1630 weitere Menschen verletzt worden. 730.000 Häuser seien durch das Hochwasser zerstört worden. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde (NDMA) wurden 875.562 Häuser beschädigt. NDMA verzeichnete bislang 1392 Tote und 1985 Verletzte. Mehr als 1000 Menschen starben alleine in der nordwestpakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa.

Unterdessen wurde UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Pakistan erwartet. Seine Ankunft in Islamabad war für den Samstagabend geplant. Am Sonntag wollte Ban dann mit Regierungsvertretern zusammenkommen und das Katastrophengebiet besuchen.

Wegen der Flutkatastrophe beging Pakistan den 63. Jahrestag der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft ohne offizielle Feierlichkeiten. Präsident Asif Ali Zardari und das Militär sagten die Zeremonien für den Nationalfeiertag am Samstag ab. Zardari wollte stattdessen Flutopfer in den Provinzen Punjab und Khyber Pakhtunkhwa besuchen. Die Armee wollte die Mittel, die für die Feierlichkeiten vorgesehen waren, Opfern der Katastrophe spenden.

Die Zeitung "Dawn" berichtete am Samstag, Plünderer hätten am Vortag in der zentralpakistanischen Provinz Punjab Fahrzeuge angegriffen, die Hilfsgüter in den Katastrophenbezirk Muzaffargarh bringen wollten. Meteorologen sagten unterdessen vereinzelte, teilweise aber schwere Regenfälle in den kommenden Tagen voraus.

Fluthilfe vom Erzfeind Indien

Gilani forderte das Ausland erneut zur Hilfe auf. "Es ist eine angemessene Erwartung, dass die Welt uns in Wort und Tat beisteht", sagte der Premierminister. Indien bot dem Erzfeind Pakistan Fluthilfe an und stürzte die Regierung in Islamabad damit in ein Dilemma. "Dawn" berichtete unter Berufung auf Regierungsquellen in Islamabad, das Angebot des Nachbarstaats sei nicht umgehend abgelehnt worden. Es werde demnächst entschieden, wie damit umzugehen sei.

"Dawn" berichtete weiter, der indische Außenminister S.M. Krishna habe seinem pakistanischen Amtskollegen Shah Mehmood Qureshi bei einem Telefonat fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) Fluthilfe angeboten. Das sei eine "Geste der Solidarität mit dem pakistanischen Volk in dessen Stunde der Not".

Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Anfang 2004 nahmen die beiden südasiatischen Atommächte Friedensgespräche auf, die aber seit der Terrorserie von Mumbai im November 2008 auf Eis liegen. Nach Überzeugung der Regierung in Neu Delhi wurden die Angriffe in Pakistan vorbereitet.

DPA/AP/kmi / AP / DPA