HOME

Umstrittener Besuch bei Ahmadinedschad: FDP-Politiker trifft Diktator

Unfassbar: Claus Hübscher, Landtagskandidat der FDP in Niedersachsen, hat Irans Präsident Ahmadinedschad einen Besuch abgestattet - und findet nichts dabei. Seine Parteifreunde sind entsetzt.

Ein FDP-Politiker aus Niedersachsen hat sich mit einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei einer Reise nach Teheran viel Ärger eingehandelt. In der FDP gibt es scharfe Kritik an der Teilnahme des Delmenhorster Landtagskandidaten Claus Hübscher an dem Gespräch während einer Gruppenreise in den Iran. FDP-Landeschef Stefan Birkner reagierte mit Unverständnis auf Hübschers Teilnahme. Der private Besuch des "diktatorischen Regimes" sei "in höchstem Maße irritierend", sagte er am Donnerstag.

Hübscher wehrte sich gegen den Vorwurf, er nehme den als Holocaust-Leugner kritisierten Ahmadinedschad in Schutz. Bei dem etwa einstündigen Treffen am 27. April habe der Präsident abgestritten, den Holocaust zu leugnen. Zudem habe er betont, sein Land habe und entwickle keine Atomwaffen, sagte der 65 Jahre alte stellvertretende Kreisvorsitzende. Er selbst mache sich diese Aussagen nicht zu eigen. "Es handelt sich um ein totalitäres Regime."

Darf Hübscher weiter kandidieren?

Der hannoversche Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler (Grüne) sprach von einem Skandal. Ahmadinedschad habe mehrmals öffentlich zur Vernichtung Israels aufgerufen und den Holocaust geleugnet. Die FDP müsse sich fragen lassen, ob Hübscher weiter für den niedersächsischen Landtag kandidieren dürfe.

Birkner versprach am Donnerstag Aufklärung. Ob der Besuch gar zu einem Parteiausschluss führe oder andere Konsequenzen für Hübschers Landtagskandidatur habe, müsse sich zeigen. "Ich will nichts ausschließen", sagte Birkner. Hübscher selbst zeigte sich völlig überrascht über die Aufregung. Seine Partei sei über die Reise informiert gewesen, sagte er der "Nordwest-Zeitung".

Die zehntägige Reise sei von Yavuz Özuguz organisiert worden, der Vorsitzender des Vereins Islamischer Weg in Delmenhorst ist. Der Verein stand zeitweise unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

be/DPA / DPA