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Flugzeugkatastrophe in Ägypten: "Charlie Hebdo" provoziert mit zynischen Absturz-Karikaturen

Die Karikaturen der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" sind hoch umstritten. Nun nimmt sich das Magazin auch des Airbus-Absturzes an. Zwei Karikaturen lösen einen empörten Aufschrei aus. Der neue Trend-Hashtag: #JeNeSuisPasCharlie.

Die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" veröffentlichte zu dem Airbus-Absturz zwei Karikaturen.

Trümmer des abgestürzten Flugzeugs in Ägypten: Die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" veröffentlichte zu dem Absturz zwei Karikaturen.

Vor elf Monaten stürmten Islamisten die Redaktion von "Charlie Hebdo" und erschossen zwölf Menschen. Unter dem Slogan "Je suis Charlie" solidarisierte sich die Weltgemeinschaft mit der Satire-Zeitschrift. Doch nun löste "Charlie Hebdo" einen entsetzten Aufschrei in Russland aus. Der Grund: Zwei Karikaturen zum Absturz der russischen Passagiermaschine über dem Sinai.

Eine Zeichnung zeigt einen Islamisten, der Schutz vor herabstürzenden Leichen und Flugzeugtrümmern sucht. Die Überschrift lautet: "IS: Die russische Luftwaffe verstärkt ihre Bombardierungen." Auf der anderen Karikatur ist ein Schädel mit Sonnenbrille vor dem abgestürzten Flugzeug im Hintergrund zu sehen. Dazu steht: "Die Gefahren russischer Billigflieger".

"Will jemand noch Charlie sein?"

Der Kreml verurteilte die Karikaturen scharf. "In unserem Land nennt sich das Sakrileg, das hat weder mit Demokratie noch mit künstlerischer Freiheit etwas zu tun", sagte Dmitri Peskow, Pressesprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin. Der Vorsitzende des Außenausschusses der Duma, Alexej Puschkow, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, "während die ganze Welt mit Russland fühlt, verkündet Charlie Hebdo das abscheuliche Recht zur Blasphemie". Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa schrieb auf ihrer Facebook-Seite: "Will jemand noch Charlie sein?"

#JeNeSuisPasCharlie (Ich bin nicht Charlie) lautet der neue Trend-Hashtag auf Twitter. Für viele ist es purer Zynismus, was "Charlie Hebdo"-Journalisten der russischen Tragödie entgegenbringen. So schreibt ein Nutzer: "Lieber Charlie Hebdo, Cartoons sind keine Waffe, um Menschen zu verletzen. Denke an diejenigen, die ihre Liebsten verloren haben." Ein anderer kommentiert entsetzt: "Während Russland um die Toten trauert, verspottet Charlie Hebdo ganz offen die Tragödie."

Auch koreanische Zeitung veröffentlicht Karikatur

Dabei ist "Charlie Hebdo" nicht das einzige Medium, das den Absturz karikiert. Die südkoreanischen Zeitung "Korea Times" veröffentlichte eine Karikatur, die einen Sensenmann über dem Wrack der Kogalymavia-Maschine zeigt. Auf seinem Mantel prangt die Aufschrift "Schicksal". Darüber schwebt ein wie ein Selbstmordattentäter gekleideter Greif, das einen IS-Terroristen darstellt. Er kreischt: "Ich habe das getan". Der russische Botschafter in Seoul, Alexander Timonin, bezeichnete die Karikatur als beleidigend.

Von den 224 Menschen an Bord des abgestürzten Flugzeugs überlebte niemand, unter den Toten sind auch 17 Kinder. Es war die größte Flugzeugtragödie in der Geschichte Russlands.