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Laiengemeinschaft Sant'Egidio: "Niemand darf verlorengehen": Wie Christen in der Coronakrise den Armen und Einsamen helfen

Die Coronakrise trifft bedürftige und einsame Menschen besonders hart. Die christliche Laiengemeinschaft Sant'Egidio hat deshalb gerade jetzt ihr Engagement trotz erschwerter Bedingungen verstärkt - und braucht dabei auch Ihre Hilfe.

Eine Helferin von Sant'Egidio auf dem Weg zu einer alleinstehenden Seniorin

Eine Helferin von Sant'Egidio auf dem Weg zu einer alleinstehenden Seniorin

Europa ist der am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Kontinent. Und in Europa wird Italien besonders stark von dem Virus heimgesucht. 132.547 mit Sars-CoV-2 Infizierte und 16.523 Tote meldete die Johns-Hopkins-Universität am Dienstagmorgen für das Land, das sind die meisten Todesopfer weltweit. Zwar beginnt die Infektionskurve abzuflachen und der Anstieg der Todesfälle verlangsamt sich, dennoch müssen die Italiener weiterhin mit einem sehr strengen Ausgehverbot leben, viel strenger als in Deutschland. Seit Wochen dürfen die Menschen nur mit besonderen Gründen das Haus verlassen, etwa zum Einkaufen, für Arztbesuche oder wenn sie einer Arbeit nachgehen, die nicht von daheim aus gemacht werden kann. Weil auch viele Geschäfte und Fabriken geschlossen sind, haben Millionen Italiener zu wenig Arbeit und ein zu geringes Einkommen.

Sant'Egidio verstärkt Hilfe für Bedürftige

Besonders hart trifft diese Situation die ohnehin schon Schwächsten der Gesellschaft: die Armen, die Obdachlosen, die Einsamen und Menschen mit Behinderungen. Das hat auch die vor mehr als 50 Jahren in Rom gegründete christliche Laiengemeinschaft Sant'Egidio, die sich in Italien, aber auch in Deutschland und anderswo in der Welt für Notleidende einsetzt, erkannt und ihre sozialen Dienste noch deutlich verstärkt.

So gibt Sant'Egidio in Italien und an seinen deutschen Niederlassungen in Würzburg, München, Mönchengladbach und Berlin vermehrt Waren des täglichen Bedarfs auf der Straße aus. Freiwillige verteilen Nahrungsmittel, Kleidung, Desinfektionsgels und andere nützliche Hilfsmittel an Obdachlose. Alleinstehende ältere Menschen werden zu Hause aufgesucht und mit Lebensmitteln, Medikamenten, Hygieneartikeln aber auch Zuwendung versorgt.

Die Sozialzentren der Gemeinschaft haben ihre Gesprächs-, Beratungs- und Informationsangebote ausgebaut, Notdienste für Alleinstehende eingerichtet und verteilen ebenfalls Waren des täglichen Bedarfs. All das geschieht nach Angaben von Sant'Egidio unter strenger Beachtung der vorgeschriebenen Corona-Schutzmaßnahmen.

Coronakrise erschwert Helfern die Arbeit

Auch die Mensen der Gemeinschaft sind weiter geöffnet. Um die Gefahr einer Verbreitung des Coronavirus zu minimieren und die Kontaktbeschränkungen einzuhalten, erfolge der Einlass gestaffelt und wo nötig würden die Mahlzeiten zum Mitnehmen angeboten, betont Sant'Egidio. Für die Maßnahmen fielen keinerlei Personalkosten an. Alle Mitarbeiter seien als Freiwillige unentgeltlich tätig.

Und das, obwohl auch die Arbeit der Helfer durch die Coronakrise deutlich schwieriger geworden ist: Die Dienste seien erheblich aufwändiger weil die Spenden und die Intensität der gewöhnlichen Hilfe für bedürftige Menschen zurückgegangen seien und die Bestimmungen der Regierungen zur Vermeidung einer Ansteckung höhere Kosten etwa für Hygieneprodukte, Masken, Handschuhe und Versiegelung mit sich brächten, so Sant'Egidio.

Was über das Coronavirus bekannt ist - und was nicht

"In dieser Notlage sind größere Anstrengungen nötig, da viele Menschen noch isolierter leben als in normalen Zeiten", erklärt die Hilfsorganisation. "Gerade für Obdachlose ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit problematisch, da sie viel weniger Almosen bekommen. Zudem sind viele Einrichtungen geschlossen, die üblicherweise Anlaufstationen sind."

"Wir werden diese Prüfung nicht bestehen, indem wir uns der Außenwelt entziehen und die anderen isolieren, sondern indem wir Brücken schaffen, die sicherstellen, dass niemand verloren geht, angefangen bei den Schwächsten, mahnt Sant'Egidio. Die gegenwärtige Notlage zeige noch mehr als zuvor die Zerbrechlichkeit des gesellschaftlichen Netzwerks und die Notwendigkeit, wirksame Lösungen für die soziale Eingliederung zu finden. Das beinhalte, dass den Ärmsten Zugang zu Wohnraum und Arbeit gegeben werden müsse und alleinstehende ältere Menschen eine ständige Begleitung bekämen, um so ihrer sozialen Isolation entgegenzuwirken.

Stiftung stern - Spenden für Sant'Egidio

Sant’Egidio ist dringend auf Spenden angewiesen. Wir leiten Ihre Hilfe weiter: Hier können Sie direkt Online spenden. IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01 BIC DEUTDEHH – Stichwort "Sant’Egidio"; www.stiftungstern.de


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