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Fallschirmsprung für guten Zweck: Weltkriegsveteran, 94, will am D-Day noch einmal über der Normandie abspringen

Vor 75 Jahren sprang Harry Read mit einem Fallschirm über Frankreich ab, um gegen die Nazis zu kämpfen. Zu den Feierlichkeiten des D-Day will er seinen Sprung wiederholen – für einen guten Zweck.

Fallschirmspringer Harry Read

Am 6. Juni 1945 sprang Harry Read über der Normandie ab, um gegen die Nazis zu kämpfen. Zum 75-jährigen Jubiläum des D-Day wiederholt er den Sprung, um Spenden zu sammeln.

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Der 6. Juni 1944 ist einer der Tage, die den Lauf der Geschichte verändert haben. Allierte Truppen landete an jenem Tag in der französischen Normandie, um gemeinsam die Nazis zu bekämpfen – ein Wendepunkt im Verlauf des Zweiten Weltkriegs. In die Geschichtsbücher ging dieses Datum als "D-Day" ein. Unter anderem sprangen britische Fallschirmjäger über der Region ab, um den Vormarsch von Hitlers Soldaten zu stoppen.

Einer von ihnen war Harry Read, damals 20 Jahre alt. Er diente damals in der 6. Luftlandedivision der 3. Fallschirmbrigade. Der Engländer landete mit einem Fallschirm und arbeitete drei Monate lang, also während der gesamten Schlacht um die Normandie, als Funker. Jetzt, zum anstehenden 75. Jahrestag des D-Day, will der Veteran seinen Sprung noch einmal wiederholen – mit dann 95 Jahren.

Fallschirmsprung zum Jahrestag des D-Day

Der noch 94-Jährige, der am 17. Mai Geburtstag hat, wird zusammen mit einem Team von Show-Fallschirmspringern aus einem Dakota-Militärflugzeug springen. Es ist der gleiche Flugzeugtyp, in dem er damals zu seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg geflogen wurde. Außerdem ist auch ein zweiter Weltkriegsveteran dabei. "Eigentlich ist es dumm, das in meinem Alter zu machen", sagte Read der englischen Zeitung "The Guardian": "Alte Männer springen nicht mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug."

Trotzdem hat Read gleich drei gute Gründe für seine Aktion. Erstens springt er für einen guten Zweck – er möchte damit auf das Problem des Menschenhandel und der Sklaverei in der ganzen Welt aufmerksam machen und sammelt auf einer Website Spenden für die Heilsarmee, die sich dagegen engagiert. Zweitens ist es für den ehemaligen Soldaten eine Bedürfnis in dieser Art und Weise, seiner gefallenen Kameraden zu gedenken. Drittens ist das Projekt schließlich auch nicht so waghalsig wie es zunächst klingt: Read ist durchaus im Training. Im September vergangenen Jahres absolvierte er seinen ersten Trainingssprung seit dem Krieg; der ging ohne Probleme vonstatten. Sein Arzt bescheinigt ihm das Herz eines "Mannes im mittleren Alter".

Die Hälfte seiner Kameraden starben

Während die Welt das Jubiläum eines der Schlüsselereignisse im Zweiten Weltkrieg feiert, das schlussendlich zur Befreiung von den Nazis führte, bringt der Jahrestag für den Ururgroßvater aus Bournemouth natürlich viele Erinnerungen zurück. An seine eigene Geschichte und die vieler Freunde, die im Krieg ihr Leben verloren: "Für mich geht es mehr um die Opfer als um die Feier. Dadurch wurde die Feier erst möglich. Ich werde an meine Kameraden denken, die gestorben sind." Allein 200 Fallschirmspringer seien schon kurz nach dem Sprung gestorben, berichtet der "Guardian".

Read und seine Division wurde damals durch einen Fehler an einer falschen Stelle abgesetzt und landeten auf sumpfigem Gebiet. Bereits vor dem Absprung sei ihnen von einem Offizier gesagt worden, dass bei der Landung wahrscheinlich die Hälfte von ihnen sterben würde. "Wir waren jung, wir dachten, wir sind unsterblich. Es würde passieren, aber nicht bei mir", beschreibt Read seine Gedanken dieses Moments. "Ich hatte großes Glück, dass ich überlebt habe", sagt er über seine Kriegserfahrungen im Nachhinein.

Read sammelt Spenden für Opfer von Menschenhandel

2016 wurde Read in die französische Ehrenlegion aufgenommen, die höchstmögliche Auszeichnung Frankreichs. Den Krieg überstanden zu haben, sei für ihn eine Verpflichtung, sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen, sagte er zu diesem Anlass. Besonders liegen ihm Opfer von Menschenhandel am Herzen. Für sie hat er mit der Spendenaktion, die seinen Fallschirmsprung begleitet, bereits mehr als 8000 Pfund gesammelt. Das alles getreu seines Mottos: "Das Beste war nicht gestern, das Beste kommt morgen."

Quellen: "The Guardian" / Spendenseite von Harry Read / The Salvation Army United Kingdom with the Republic of Ireland auf Facebook / BBC

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