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Ebola-Fall in Spanien: Krankenhauspfleger verspotten Ministerpräsident Rajoy

Die Ebola-Patientin Teresa Romero ringt in einem Krankenhaus in Madrid um ihr Leben. Als der spanische Ministerpräsident das Hospital besuchte, bewarfen ihn wütende Pfleger mit OP-Handschuhen.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hat am Freitag Hohn und Spott geerntet, als er das Krankenhaus mit der schwer erkrankten Ebola-Patientin besuchte. Erboste Pflegekräfte beschimpften Rajoy und bewarfen sein Auto mit OP-Handschuhen. Im Hospital Carlos III. in Madrid ringt Teresa Romero um ihr Leben. Die Pflegerin hatte sich bei zwei Ebola-Patienten angesteckt, die sie in dem Krankenhaus betreut hatte. Sie ist der erste Mensch, der sich außerhalb Westafrikas, wo die Seuche grassiert, infiziert hat. Insgesamt 14 Menschen stehen in dem Hospital inzwischen wegen Ebola unter Beobachtung oder werden behandelt.

Gleichwohl sagte Rajoy, es sei äußerst unwahrscheinlich, dass sich die Krankheit, an der bislang mehr als 4000 Menschen gestorben sind, auch in Spanien ausbreite. "Für uns hat Teresa Romero Vorrang", sagte Rajoy auf den Eingangsstufen des Hospitals vor Journalisten. "Sie ist die einzige Person, von der wir wissen, dass sie die Krankheit hat."

Zornige Pflegekräfte unterbrachen Rajoy immer wieder mit Zwischenrufen. Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, sie wolle die Verantwortung für Mängel im Gesundheitsweisen auf die Pfleger abwälzen. Auch Romeros Bruder, Jose Ramon, zeigte sich empört. Der Zeitung "El Pais" sagte er: "Sie werden schon einen Weg finden, ihr die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sie hat nur ihren Job gemacht, und nun hat sie sich mit Ebola angesteckt."

Flugzeug wegen Ebola-Verdachts auf Rollbahn gestoppt

In den USA haben die Behörden derweil ein Verkehrsflugzeug wegen Ebola-Verdachts auf dem Rollfeld gestoppt. Die Maschine sei auf dem internationalen Flughafen McCarran in Las Vegas unter Quarantäne gestellt worden, weil zwei Personen möglicherweise Symptome der Krankheit gezeigt hätten, sagte eine Sprecherin des örtlichen Krankenhauses. Im University Medical Center bereite man sich darauf vor, die Patienten aufzunehmen, sagte sie. Ein Sprecher des Flughafens war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

An den US-Börsen gaben die Aktien von Fluggesellschaften Delta Air Lines, Southwest Airlines und United Continental Holdings nach dem Bericht über den Stopp des Flugzeugs rund zwei Prozent nach. Auch der Dow-Jones-Index und die Technologiebörse Nasdaq weiteten ihre Verluste aus.

Weltbank-Chef Kim will globalen Fonds

Angesichts der schleppenden internationalen Antwort auf die Ebola-Krise in Westafrika hat Weltbank-Chef Jim Yong Kim einen globalen Nothilfefonds zur Bekämpfung von Epidemien angeregt. Die Welt habe den Internationalen Währungsfonds für den Einsatz bei Finanzkrisen, sagte Kim bei der Herbsttagung von IWF und Weltbank in Washington. "Wenn es dagegen um Gesundheits-Notfälle geht, dann ist unser institutioneller Instrumentenkasten leer." Derzeit gebe es keine Einrichtung, die bei Epidemien den betroffenen Ländern finanziell und beratend zügig zur Seite stehen könne.

Die internationale Gemeinschaft habe "spät, unzureichend und langsam" auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika reagiert, kritisierte Kim. Die Weltbank wolle daher gemeinsam mit dem IWF, den Vereinten Nationen und den regionalen Entwicklungsbanken Vorschläge für einen Anti-Epidemie-Fonds entwickeln, um künftigen Krisen besser zu begegnen.

Mehr als 4000 Tote durch Ebola

Nach neuen Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind in Westafrika bereits mehr als 4000 Menschen an Ebola gestorben. Insgesamt infizierten sich mehr als 8300 Patienten mit dem gefährlichen Virus. Besonders betroffen sind Liberia, Guinea und Sierra Leone.

Die UNO hatte den Hilfsbedarf für die Ebola-Länder im vergangenen Monat auf eine Milliarde Dollar (780 Millionen Euro) beziffert. Bislang habe die internationale Gemeinschaft erst rund ein Viertel des Geldes bereitgestellt, sagte der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Eliasson am Freitag in New York. "Wir brauchen mehr. Wir brauchen viel mehr." Eliasson appellierte auch an Ärzte, Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal, sich freiwillig für die Arbeit in den geplanten Behandlungszentren in Westafrika zu melden.

mka/AFP/Reuters / Reuters