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Erdstoß der Stärke 6,6: Schwerstes Beben in Italien seit 1980 - "Es ist alles eingestürzt"

Italien kommt nicht zur Ruhe: Wieder bebt die Erde, diesmal ist es eines der stärksten Beben in dem Land seit Jahrzehnten. "Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster", rief der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde erschüttert.

Basilika San Benedetto in Norica - Nach schwerem Erdbeben in Italien ist sie größtenteils eingestürzt

Die um das Jahr 1200 erbaute Basilika San Benedetto in Norica ist durch das schwere Erdbeben größtenteils eingestürzt

Eines der stärksten Erdbeben in Italien seit Jahrzehnten hat schwere Schäden in der Region südöstlich von Perugia angerichtet. Einige Dutzend Menschen wurden verletzt, unter ihnen sei auch ein Mensch mit schwereren Verletzungen, sagte Zivilschutz-Chef Fabrizio Curcio laut Nachrichtenagentur Ansa in einer ersten Bilanz. Die Verletzten würden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht. Mehrere Menschen wurden lebend aus Trümmern geborgen.

Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie und das Helmholtz-Zentrum in Potsdam gaben die Stärke am Sonntagmorgen mit 6,5 an. Das Seismologische Zentrum Europa-Mittelmeer sprach ebenso wie das US-amerikanische USGS von einer Stärke von 6,6. Das Zentrum des Bebens lag südöstlich von Perugia bei dem Städtchen Norcia. Am frühen Nachmittag gab es nochmal ein erhebliches Nachbeben der Stärke 4,6. 


Todesopfer sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu beklagen. Der Leiter der italienischen Zivilschutzbehörde bestätigte aber, dass es etliche Verletzte gibt. Mindestens eine Person befände sich in einem kritischen Zustand. Auch wurden dem italienischen Zivilschutz schwere Schäden gemeldet. "Es war ein sehr starker Erdstoß", sagte der Cesare Spuri vom Zivilschutz in den Marken. Drei Menschen konnten lebend aus Trümmern geborgen werden. Sie hätten in der Stadt Tolentino bei Macerata unter Schutt gelegen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Zivilschutz.

Der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, sagte der Nachrichtenagentur Ansa: "Es ist alles eingestürzt." In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. "Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen." Das Beben ereignete sich gegen 7.40 Uhr, laut den Experten in etwa 10 Kilometern Tiefe. 

Erschütterungen in Florenz, Metro in Rom unterbrochen

Der Erdstoß löste in der Region Marken Panik aus. Menschen liefen erschreckt auf die Straße, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das Beben sei auch deutlich und lange in der Provinz Umbrien und in Städten wie Florenz und Ancona - vor allem in oberen Stockwerken - zu spüren gewesen. Die Telefonleitungen in dem betroffenen Gebiet seien unterbrochen.

In Norcia sind zwei alte Kirchen in Folge des schweren Erdbebens eingestürzt. Von der Basilika San Benedetto aus dem 14. Jahrhundert sowie der Kathedrale Santa Maria Argentea blieben nur Teile stehen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Norcia ist eine bekannte mittelalterliche Stadt in Umbrien. Sie wurde bereits durch das Beben am vergangenen Mittwoch schwer in Mitleidenschaft gezogen.

In Rom wurden vorübergehend die zwei zentralen Metrolinien A und B gestoppt. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Beben um 7.40 Uhr, war auf der Internetseite der Verkehrsgesellschaft Atac zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugverkehr.


Erst am Mittwochabend hatten zwei starke Erdschöße die Region erschüttert, die bereits vor zwei Monaten von einem verheerenden Beben heimgesucht worden war. Ein Mann starb, allerdings an den Folgen eines Herzinfarktes. Es gab mehrere Verletzte, Tausende sind obdachlos. Seither hatte es immer wieder leichte und schwere Nachbeben gegeben.

Bei dem schweren Erdbeben Ende August kamen nach offiziellen Angaben 298 Menschen ums Leben, die meisten in dem Ort Amatrice. Die italienische Regierung schätzte die Erdbebenschäden zuletzt auf rund vier Milliarden Euro. Das Land wird häufig von Erdstößen heimgesucht, die immer wieder verheerende Folgen haben.

"Adriatischer Sporn" sorgt immer wieder für Erdbeben

Das mittlere Italien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der "Adriatische Sporn" - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet. 

USGS-Karte der Region in Italien, wo die Erde gebebt hat

Epizentrum unweit von Perugia - Hier bebte die Erde am Sonntagmorgen


dho/DPA/Reuters