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Hochwasser-Katastrophe: Die Flut erreicht Brandenburg

Erinnerungen an die Flut von 2002 werden wach: Beim schlimmsten Hochwasser in Sachsen seit Jahren sind zehn Menschen ums Leben gekommen. Und weiterer Regen ist angekündigt.

Schwere Überschwemmungen in Sachsen mit Massen-Evakuierungen und Toten wecken Erinnerungen an die Jahrhundert-Flut aus dem Jahr 2002. Nach einem Dammbruch an einem See hinter der polnischen Grenze trat der Grenzfluss Neiße binnen weniger Stunden über die Ufer und verwüstete unter anderem Teile der Grenzstadt Görlitz schwer. Durch die Wassermassen starben in der deutsch-polnisch-tschechischen Grenzregion zehn Menschen.

Bis zum Sonntagnachmittag brachten Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk mit Booten, Bussen und Hubschraubern im Landkreis Görlitz knapp 1500 Menschen vor den Fluten in Sicherheit, teilte der regionale Katastrophenstab mit. 1700 Rettungskräfte waren im Einsatz. Das Wasser hatte in dem für seine malerische Altstadt bekannten Ort zahlreiche Straßen und Häuser überschwemmt. Die Menschen mussten ihre Häuser nach Behördenangaben oft in Eile verlassen, weil die Pegel schnell stiegen.

Wie etwa in Bad Muskau in Sachsen. Schon vor dem Eintreffen der Flutwelle am Sonntagabend meldet der Ort "Land unter". Die Helfer mussten ihren Einsatz laut Katastrophenschutzstab aufgeben, der mit Sandsäcken verstärkte Damm wurde überspült. "Das Wasser steigt schneller als sie stapeln können", sagte ein Sprecher des Stabes. Das Unesco-Welterbe Fürst-Pückler-Park und die Altstadt würden wohl überflutet. Die besonders tief liegenden Häuser wurden geräumt, etwa 40 Menschen in Sicherheit gebracht.

Pegel sinkt nur sehr langsam

In anderen Teilen des Landes ging das Wasser im Laufe des Tages nur sehr langsam zurück, stand aber weiter so hoch wie niemals zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund einhundert Jahren. Ein Teil des Wassers wurde aus Görlitz kontrolliert in einen nahe gelegenen See geleitet. Schwer betroffen waren auch die Städte Ostritz und Zittau im Dreiländereck von Deutschland, Tschechien und Polen. In Ostritz brachten die Wassermassen ein unbewohntes Haus zum Einsturz.

Der höchste Pegelstand wurde in Görlitz am Sonntagmorgen mit 7,07 Meter erreicht, mehr als drei Mal so hoch wie üblich. Das war nach Angaben des sächsischen Landeshochwasserzentrums die höchste Marke seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1912. Bisher war der höchste Stand im Jahr 1981 erreicht worden, als die Neiße bis auf 6,70 Meter gestiegen war. Beim sogenannten Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 2002, als Sachsen großflächig überschwemmt wurde, war die Grenzregion im Vergleich zu anderen Gegenden um Leipzig oder Dresden herum den Angaben zufolge nur verhältnismäßig wenig betroffen gewesen.

Staumauer am Witka-See gebrochen

Nach heftigen Regenfällen war zuvor eine Staumauer am Witka-See im polnischen Grenzgebiet gebrochen. Nicht nur die Neiße trat daraufhin über die Ufer, sondern auch andere Flüsse in Sachsen, Polen und Tschechien. Mindestens zehn Menschen ertranken bisher - vier in Tschechien, drei in Polen und drei in Sachsen. Die drei älteren Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Neukirchen bei Chemnitz waren laut Polizei im Keller von den Fluten überrascht und am Samstagmorgen gefunden worden.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) besuchte die betroffene Region. Er sagte, es habe sich um ein "regional beschränktes Hochwasser" gehandelt. Es sei nicht vergleichbar mit dem Hochwasser aus dem Jahr 2002. Trotzdem hätten auch diese Überschwemmungen schwerwiegende Folgen. Tillich kündigte Hilfen für betroffene Menschen und Unternehmen an.

Fluten erreichen Brandenburg

Noch am Sonntag sollten die Wassermassen Brandenburg erreichen, sagte der Präsident des brandenburgischen Landes-Umweltamts, Matthias Freude. Erfahrungsgemäß steige die Neiße auf Brandenburger Gebiet aber nicht so hoch wie am sächsischem Oberlauf. Ab Dienstag ist nach Angaben des Umweltamts dann auch mit Hochwasser auf der Spree zu rechnen. Der Fluss werde dann so viel Wasser führen wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Eine Ende der Wassermassen ist nicht in Sicht: Tief "Wilhelmina" wird neuen Regen bringen, sagte Meteorologe Hans-Jürgen Langner vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Östlich von Zittau und dem überfluteten polnischen Bogatynia gebe es bereits erste Gewitter.

söw/DPA/DAPD / DPA