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Attentäter Oswald und der KGB: Zweifelhafte Aussagen aus Russland zum Kennedy-Mord: Was die neuen Akten enthüllen

Zum Kennedy-Mord werden immer mehr Akten zugänglich. Darin findet sich auch das Protokoll des späteren Untersuchungsausschusses. Der sowjetische Geheimdienst KGB gab damals an, nie mit dem späteren Attentäter Lee Harvey Oswald gesprochen haben - obwohl der jahrelang in der UdSSR gelebt hat.

Lee Harvey Oswald wurde ermordet, bevor ein Prozess endgültig beweisen konnte, dass er alleine für das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy verantwortlich war

Lee Harvey Oswald wurde ermordet, bevor ein Prozess endgültig beweisen konnte, dass er alleine für das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy verantwortlich war

Es hat wohl nicht viele US-Amerikaner gegeben, die mitten im Kalten Krieg in die Sowjetunion gereist sind, um dort zu leben und ihre US-Staatsbürgerschaft abzugeben. 1959 hat es den Erkenntnissen zufolge jedenfalls nur drei gegeben. Einer von ihnen: Lee Harvey Oswald, der am 22. November 1963 US-Präsident John F. Kennedy erschoss. Von 1959 bis 1962 lebte Oswald in der UdSSR, arbeitete in Minsk und gründete eine Familie. Und in dieser Zeit soll der sowjetische Geheimdienst KGB nicht versucht haben, ihn anzuwerben?

Das jedenfalls hat KGB-Überläufer Juri Nosenko 1978 vor dem US-Untersuchungsausschuss  zur Kennedy-Ermordung ausgesagt, wie kürzlich veröffentlichte Dokumente zeigen. Das Aussageprotokoll zeigt allerdings auch, wie große Zweifel einige Mitglieder des Untersuchungsausschusses an Nosenkos Aussage hegten. "Sie haben ausgesagt, dass der KGB nicht einmal mit Lee Harvey Oswald gesprochen hat, weil er uninteressant gewesen sei", sagt Ausschuss-Mitglied Kenneth Klein. "Und, dass sie entschieden haben, dass er uninteressant sei, ohne mit ihm gesprochen zu haben."

Für KGB interessantere Personen als Lee Harvey Oswald?

Noch verwunderlicher werden Nosenkos Aussagen etwas später, als sich herausstellt, dass Oswald der einzige von drei Überläufern gewesen sein soll, für den der KGB sich nicht interessiert hat. Nosenko begründet das damit, dass es 1959 viele andere US-Bürger gegeben habe, die dem KGB wegen ihres Hintergrundes nützlicher hätten sein können als Oswald: Lehrer, Studenten und sogar ein CIA-Mitarbeiter. Außerdem seien viele KGB-Mitarbeiter mit anderen Fällen beschäftigt gewesen. Denn die "American National Exhibiton" 1959 in Moskau habe viele für den KGB interessante Besucher aus den USA angezogen - und deren Überwachung habe viel Personal gebunden. Die Ausstellung endete allerdings am 4. September 1959 - mehr als einen Monat, bevor Oswald nach Moskau kam.

Nach einem Selbstmordversuch Oswalds sind zwei Psychiater zu dem Schluss gekommen, dass er psychisch labil sei, sagt Nosenko aus. Dennoch habe die Sowjetunion nicht versucht, Oswald zurück in die USA zu bringen. "Hätte man Oswald in die US-Botschaft in Moskau bringen und sagen können 'Er ist Amerikaner, kümmert Ihr Euch um ihn. Wir wollen ihn nicht!'?", fragt Klein. "Das hätte man machen können, sicher", antwortet Nosenko. "Das hätte man machen können. Aber man hat es nicht gemacht."

Juri Nosenko kann Zweifel nicht ausräumen

Die Zweifel an dieser Aussage kann Nosenko damit zumindest bei Klein nicht ausräumen. "Stattdessen haben sie ihm erlaubt, unbegrenzt in der Sowjetunion zu bleiben, sodass sie sich tagtäglich Gedanken machen mussten, was ein psychisch labiler Amerikaner anrichten könnte. Trifft das zu?", fragt Klein. Das sei eine Entscheidung der Sowjetregierung und nicht des KGB gewesen, erwidert Nosenko darauf. 

Ob der KGB wirklich nie mit dem späteren Kennedy-Attentäter gesprochen hat? Trotz Nosenkos Aussage bleiben Zweifel. Und die wird wohl nur der KGB ausräumen können, wenn er seinerseits Unterlagen zu Lee Harvey Oswald veröffentlicht.

Das gesamte Protokoll der Aussage Nosenkos vor dem Untersuchungsausschuss finden Sie hier.