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Massencrash auf der A 19: BUND gibt Agrarindustrie Mitschuld

Die Staatsanwaltschaft ermittelt die Ursachen für den Massencrash auf der A 19. Der BUND gibt dabei der Agrarindustrie eine Mitschuld an dem vermutlich durch einen Sandsturm veursachten Unfall. Beim Bauernverband weist man die Vorwürfe entschieden zurück. Erste Politiker fordern derweil eine Debatte über Tempolimits.

Einen Tag nach dem Massencrash bei Rostock hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der Agrarindustrie eine Mitschuld am Entstehen des Sandsturms gegeben. Dieser gilt als Ursache für den Unfall, bei dem auf der Autobahn 19 acht Menschen starben. "Durch die jahrelange Vernachlässigung der Bodenstruktur haben die Böden immer weniger Humusgehalt, sie degradieren", sagte BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff der dpa. Die obere Krume trockne durch die breite Verwendung von Kunstdüngern aus. Je geringer der Humusgehalt vor allem bei den leichteren Böden in der Nähe der Unfallstelle sei, desto einfacheres Spiel habe der Wind, sagte Roloff.

Eine wesentliche Rolle spielten aber auch die riesigen Felder. "Die Knicks (Hecken) sind weg, das ist eine Altlast aus Ostzeiten", sagte Roloff. Auf den großen Feldern in Mecklenburg-Vorpommern sei die Wind-Erosion viel größer als beispielsweise in Schleswig-Holstein, wo die Felder vergleichsweise eine noch überschaubare Größe haben.

Der Präsident des Bauernverbands in Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Tietböhl, nannte die Vorwürfe gegenüber dpa "totalen Unsinn". In den vergangenen sechs Wochen habe eine enorme Trockenheit geherrscht, "da kann kein Landwirt was dafür." Bei solchen Stürmen wie am Freitag sei jeder machtlos. "Das hat auch nichts mit großen Flächen zu tun. Das sagen Leute, die keine Ahnung von der Landwirtschaft haben", ergänzte Tietböhl.

Auch die Theorie, dass die Verwendung von Kunstdünger schuld an der Bodenqualität sei, wies er zurück. "60 bis 70 Prozent des Strohs, das ist auch Humus, bleibt im Acker. Dann kommt Dung dazu, dann kommt teilweise Gülle dazu, das ist alles Humus, den wir dem Acker zuführen." Zudem werde der Dünger sofort von der Pflanze aufgenommen, "das hat mit dem Boden erstmal gar nichts zu tun."

Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) hat nach dem Massencrash eine Diskussion über Tempolimits gefordert. "Man kann nicht jeden Unfall durch Verkehrsregeln verhindern. Wir müssen aber darüber reden, ob und wie Tempolimits zu mehr Sicherheit beitragen können", erklärte Schlotmann am Samstag in Schwerin. Auf dem betroffenen Autobahnabschnitt bei Kavelstorf gab es zum Unfallzeitpunkt nach Angaben der Autobahnmeisterei keine Geschwindigkeitsbeschränkung.

Nach Angaben der Autobahnmeisterei soll die A19 schneller wieder für den Verkehr freigegeben werden als zunächst erwartet. "Die Fahrbahn nach Berlin ist geräumt und soll am Nachmittag wieder genutzt werden können", sagte Eckmund Klein von der zuständigen Autobahnmeisterei Kavelstorf am Samstag. Die deutlich stärker geschädigte Fahrbahn nach Rostock soll "wenn alles gut läuft am Sonntag wieder für den Verkehr freigegeben werden."Sobald die Autobahn freigeräumt und vorläufig repariert ist, soll die Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer begrenzt werden.

cjf/DPA / DPA