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Uruguay: Spektakuläre Flucht: Mafia-Boss bricht aus Gefängnis aus und türmt über Dächer

Er galt als einer der meistgesuchten Männer Italiens: 2017 wurde Mafia-Boss Rocco Morabito in Uruguay geschnappt und ins Gefängnis gebracht. Ihm drohte die Auslieferung. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ist er nun geflohen. Der Ausbruch war filmreif.

Rocco Morabito während seines Aufenthalts im Gefängnis in Uruguay.

Rocco Morabito war seit 2017 in Uruguay im Gefängnis

AFP

23 Jahre lang war Rocco Morabito untergetaucht. Er stand auf sämtlichen Fahndungslisten, unter anderem war Interpol hinter ihm her. Der "Koks-König von Mailand" galt als Kopf der kalabrischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta; unter seiner Führung soll die Mafia in den 90er Jahren Hunderte Kilogramm Rauschgift in ganz Europa verschoben haben. Als es in Italien zu brenzlig für ihn wurde, setzte er sich Anfang des 21. Jahrhunderts nach Uruguay ab, wo er seitdem als vermeintlich unbescholtener Bürger mit einem gefälschten Pass lebte. Sein Deckname: Francisco Antonio Capeletto Souza, Unternehmer aus Brasilien, sesshaft im mondänen Badeort Punta del Este.

Die Polizei machte dieses Foto von Rocco Morabito nach seiner Verhaftung in Montevideo.

Die Polizei machte dieses Foto von Rocco Morabito nach seiner Verhaftung in Montevideo.

AFP

Bis 2017 ging das Spielchen gut: Morabito hatte sich einen Namen als Betreiber einer Import-Export-Firma und Unternehmer im Soja-Hande gemacht. Doch dann beging seine Familie einen Fehler: Sie meldete Morabitos Tochter unter ihrem richtigen Namen an einer Schule an – der Schwindel flog auf, der Drogen-Boss wurde am 4. September in einem Hotel in Uruguays Hauptstadt Montevideo verhaftet. Seitdem wartete er in einem örtlichen Gefängnis auf seine Auslieferung nach Italien, wo er in Abwesenheit zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war.

Gefängnis-Ausbruch war gut vorbereitet

Um einer erzwungenen Rückreise in sein Heimatland zu entgehen, hat Morabito nun das Weite gesucht. In der Nacht zu Montag ist der 52-Jährige in einer spektakulären Aktion zusammen mir drei weiteren Insassen aus dem Gefängnis ausgebrochen.

Der Argentinier Bruno Ezequiel Diaz floh zusammen mit Rocco Morabito aus dem Gefängnis in Montevideo.

Der Argentinier Bruno Ezequiel Diaz floh zusammen mit Rocco Morabito aus dem Gefängnis in Montevideo.

AFP

Wie die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" berichtet, hatte Morabito zunächst eine Erkrankung vorgetäuscht, um in die Krankenstation des Gefängnisses verlegt zu werden. Diese befindet sich nach Angaben des "Corriere" direkt unter dem Dach und war offenbar nicht abgeschlossen. Vermutlich waren auch die drei Komplizen kurz vor dem Zeitpunkt des Ausbruchs auf die Station verlegt worden.

Über ein Loch flohen die Männer nach Einbruch der Dunkelheit aufs Dach des Gefängnisses und von dort weiter auf das Dach eines benachbarten Hauses. Über eine Treppe gelangten sie schließlich auf einen Balkon und weiter in die Wohnung einer älteren Dame. Das Quartett raubte die Frau aus und setzte sich anschließend ab. 

Italien fordert vollständige Aufklärung von Uruguay

Italiens Innenminister Matteo Salvini reagierte empört auf die Flucht: Es sei "beunruhigend und schwerwiegend", dass ein Krimineller vom Kaliber Morabitos es geschafft habe, aus einem Gefängnis in Uruguay zu fliehen, in dem er eigentlich auf seine Auslieferung warten sollte. 

Das Gefängnis in Uruguays Hauptstadt Montevideo.

Das Gefängnis in Uruguays Hauptstadt Montevideo.

AFP

Er forderte die Regierung Uruguays zur vollständigen Aufklärung des Vorfalls auf. Italien werde die "Jagd" nach dem 52-Jährigen fortsetzen, um ihn ins Gefängnis zu bringen.

Rocco Morabito: der Koks-König von Mailand

Morabito soll von 1988 bis 1994 in den internationalen Drogenhandel verwickelt gewesen sein. Als Kopf der kalabrischen Mafia-Organsiation 'Ndrangheta" soll er unter anderem für den Drogenumschlag im Land, speziell in Norditalien, verantwortlich gewesen sein – deswegen der Name "Koks-König von Mailand".

Sein größter Coup: der versuchte Transport von 630 Kilo Kokain aus Brasilien nach Italien im Jahr 1993. 

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Sicherheitslücken in lateinamerikanischen Gefängnissen?

Lateinamerikanische Gefängnisse geraten immer wieder in die Schlagzeilen – nicht zuletzt durch einen anderen spektakulären Ausbruch. Dem mexikanische Drogen-Boss "El Chapo" gelang bereits zwei Mal die Flucht aus Hochsicherheitseinrichtungen, zuletzt türmte er im Juli 2015 auf abenteuerliche Weise aus dem Gefängnis Altiplano: Über einen 1,5 Kilometer langen Tunnel bis in die Dusche seiner Zelle entkam Joaquín Archivaldo Guzmán Loera, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, den Wärtern. 

Auf seiner Flucht gab er dem US-Schauspieler Sean Penn ein Interview. Penn berichtete damals, Guzmán habe seine Ingenieure für den Tunnel zu einer dreimonatigen Fortbildung nach Deutschland geschickt. Der Fluchttunnel war professionell gebaut und verfügte über elektrisches Licht, Luftzufuhr und ein Schienensystem. 

Nach mehreren Wochen auf der Flucht wurde "El Chapo" schließlich geschnappt und vor Gericht gestellt. Im Frühjahr dieses Jahres sprach ihn dieses in allen Anklagepunkten schuldig. Seitdem sitzt er in einem Gefängnis in New York. Er war dorthin verlegt worden aus Angst, er könne auch dieses Mal die mexikanischen Sicherheitssysteme überwinden. 

Quellen: "La Repubblica", "Corriere della Sera"

AFP