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Unwetter Eskalierte Partys und Gewitter - Deutschland erlebt hitzige Tage

Blitz
Ein Blitz schlägt am frühen Samstagmorgen während eine Gewitters in der Region Hannover ein. 
© Julian Stratenschulte/dpa / DPA
Abkühlung ist in Sicht: Mit Gewittern und Starkregen verabschiedet sich die erste Hitzewelle des Sommers. Ob sich damit auch die aufgeheizten Gemüter mancher Party-Gänger beruhigen?

Drückende Hitze, feierwütige Menschen und Corona-Maßnahmen: Diese Kombination hat in den vergangenen Tagen immer wieder für brenzlige Abende und Nächte in Deutschland gesorgt. In vielen Städten kam es zu Zusammenstößen zwischen Party-Gästen und Polizei. Auch an Badeseen und Flüssen kam es zu gefährlichen Zwischenfällen.

Schon bald dürften die schwülen Tage mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad vorbei sein: Mit Gewittern und Starkregen in weiten Teilen des Landes geht die erste Hitzewelle des Sommers zu Ende. Der Montag wird dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge zwar noch schwülwarm mit Höchsttemperaturen von bis zu 33 Grad im Osten. Am Dienstag liegen die Höchstwerte dann bei 20 bis 27 Grad, in Ostfriesland gar nur bei 18 Grad. Ähnlich sieht es am Mittwoch aus.

UNWETTER: Am Wochenende verursachten Gewitter und Starkregen vor allem im Westen viele Einsätze der Feuerwehr. In Köln gab es nach Angaben eines Sprechers 244 witterungsbedingte Einsätze in der Nacht zum Sonntag. Hauptsächlich ging es dabei um vollgelaufene Keller. Verletzt worden sei niemand. In Rheinland-Pfalz gerieten nach Blitzeinschlägen drei Dachstühle in Brand.

Bei einem Tornado im südbelgischen Beauraing wurden am Samstag 17 Menschen leicht verletzt. 92 Gebäude wurden beschädigt, wie die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die Stadtverwaltung berichtete. Bilder zeigten komplett abgedeckte Dächer, zerborstene Scheiben und kaputte Autos. Etwa zehn Wohnhäuser seien unbewohnbar, hieß es weiter. In den Niederlanden hatten Unwetter bereits zuvor erhebliche Schäden angerichtet, neun Menschen wurden verletzt.

PARTYS UND KRAWALLE: Ohne Clubs und Diskotheken findet das Partyleben derzeit vor allem auf den Straßen und in den Parks statt. Bis zu 7000 Menschen hielten sich in der Nacht zum Sonntag allein im Hamburger Stadtpark auf und feierten dort. Nach Polizeiangaben war die Lage aber nicht so angespannt wie in der Nacht zuvor, als Beamte den Stadtpark räumten. Ab dem frühen Samstagabend hätten sich die Menschen im Park versammelt, im Laufe des Abends sei die Stimmung aggressiver geworden. Demnach wurde Pyrotechnik gezündet, es flogen vereinzelt Flaschen. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern trafen sich Feierlustige zu unangemeldeten Techno-Partys.

Unwetter: Eskalierte Partys und Gewitter - Deutschland erlebt hitzige Tage

In Freiburg berichtete die Polizei nach Auseinandersetzungen mit aggressiven Feiernden von drei leicht verletzten Beamten. Bis zu 1000 Menschen fanden sich in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt auf einem Platz zum Feiern ein, wie die Polizei mitteilte. Es sei dort zu Körperverletzungen gekommen, zudem seien zwei sexuelle Übergriffe "in Form des Anfassens mit möglichem sexuellem Hintergrund" angezeigt worden. Beamte seien mit Flaschen beworfen worden. Einsatzkräfte räumten den Platz am frühen Morgen und setzte Pfefferspray ein.

Auf einem weiteren Platz versammelten sich rund 600 Personen, viele davon den Angaben zufolge aus dem linken Spektrum. Pyrotechnik wurde gezündet, Anwohner sowie Passanten körperlich angegangen. Mit Unterstützung von Polizisten aus Offenburg und Karlsruhe sowie Kräften der Bundespolizei wurde auch dieser Platz geräumt. In Augsburg feierten am Abend des deutschen Siegs beim EM-Spiel gegen Portugal Hunderte Menschen. Die Polizei löste die Party auf. Bei dem Einsatz, der sich über Stunden hinzog, wurden mehrere Menschen verletzt. Viel Alkohol habe zu aufgeheizten Gemütern und einer zunehmend aggressiveren Stimmung geführt.

BADEUNFÄLLE: Immer wieder kam es am Wochenende zu tödlichen Badeunfällen an Baggerseen und Flussufern. In Mannheim etwa ertrank ein acht Jahre altes Mädchen. Ein Rettungstaucher fand das Kind am späten Samstagabend unter der Wasseroberfläche eines Sees. Es starb wenig später in einer Klinik. In Schleswig-Holstein suchten Einsatzkräfte noch bis tief in die Nacht nach einem vermissten Mädchen in der Elbe. Die Neunjährige war am frühen Samstagabend im Wasser an der Badestelle bei Kollmar nahe Elmshorn verschwunden. Sie wurde nach Polizeiangaben vom Sog mitgerissen.

In Brandenburg, wo es besonders viele Seen gibt, hat der fehlende Schwimmunterricht in der Corona-Pandemie nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) die Zahl der Nichtschwimmer steigen lassen. "Eine große Masse an Nichtschwimmern rennt uns momentan die Türen ein und möchte Kurse belegen, das überfordert uns", sagte der DLRG-Sprecher des Landes. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kämen an ihre Grenzen.

DRÄNGELN AM FREIBAD: Coronabedingt sind die Plätze in den Freibädern derzeit begrenzt - bei dem hochsommerlichen Wetter sorgte das am Wochenende mancherorts für Unmut. Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, erwägt die Stadt Bayreuth, einen Sicherheitsdienst vor dem Freibad einzusetzen. Hintergrund sind demnach Auseinandersetzungen zwischen wartenden Badegästen, die vereinzelt auch versucht hätten, über den Zaun zu klettern. "Ich kann mir schon vorstellen, dass es die Überlegungen nicht nur in Bayreuth gibt und ich halte einen Sicherheitsdienst für keine schlechte Idee", sagte Bayerns DLRG-Sprecher Michael Förster der Deutschen Presse-Agentur.

Der Bürgermeister von Kahl am Main, Jürgen Seitz (SPD), wendete sich laut "Main Echo" zum Wochenende an die Öffentlichkeit: "Fahren Sie erst gar nicht nach Kahl!" Mit den erwarteten Dauergästen und den bereits online vorgebuchten Tagesgästen sei die zulässige Besucherzahl bereits im Vorhinein erreicht. In Straubing steht nach Angaben des "Straubinger Tagblattes" eine Ampel am Eingang, damit die Besucher sehen, ob sich das Anstehen in sengender Sonne lohnt oder nicht.

WALDBRÄNDE: Von Tag zu Tag steigt vielerorts die Gefahr von Waldbränden. Bei dem bisher größten Brand in Brandenburg seit Beginn der Saison kämpften Feuerwehrleute auf einer Fläche von etwa zehn Hektar bei Bötzow nordwestlich von Berlin gegen die Flammen. Vielerorts galt in Brandenburg am Samstag nach Angaben des Umweltministeriums landesweit die höchste Gefahrenstufe fünf. Auch in Mecklenburg-Vorpommern brannte es in einem Waldstück. Die nahe gelegene Autobahn 14 zwischen dem Kreuz Schwerin und Ludwigslust wurde gesperrt. Bei Kemberg in Sachsen-Anhalt geriet eine etwa vier Hektar große Fläche in Brand, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Bundesstraße 100 sei gesperrt worden, es gab eine starke Rauchentwicklung.

Christoph Zeiher und Sophia Weimer, dpa

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