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Winter in Deutschland: Zu viel Schnee, zu wenig Salz und Demut

Seit gut vier Wochen herrschen frostige Temperaturen im Lande: Streusalz wird knapp, Straßen werden nur sporadisch geräumt, Züge kommen nicht mehr pünktlich. Verkehrsminister Peter Ramsauer ist zornig auf die Bahn und die Kommunen, mahnt aber zur Demut vor der Natur.

Kalt, kälter, Tiefkühl-Deutschland: In manchen Orten des Landes ist der Kälterekord des Jahres gebrochen worden. Silvester wird es zwar etwas weniger frostig. Dafür muss der "gute Rutsch" in der Silvesternacht wörtlich genommen werden - denn es soll glatt werden. Auch wenn sich die Lage bei der Bahn und auf den Straßen leicht entspannte: Die Kritik an der Bahn und den Kommunen wird lauter.

Verkehrspolitiker forderten von der Bahn, sich auf den kommenden Winter besser vorzubereiten. "Die Bahn muss nun alle verfügbaren Züge in Europa leasen oder kaufen, um für 2011 besser gewappnet zu sein und eine größere Fahrzeugreserve zu haben", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne). Mit scharfer Kritik reagierte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Jost de Jager (CDU) auf die schweren Störungen im regionalen Bahnverkehr. Er sprach auch von eventuellen Sanktionen und forderte die DB Regio und die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) auf, die Probleme umgehend in den Griff zu bekommen.

Nicht genug Salz in den Lagern

Die Verkehrsminister von Bund und Ländern warfen derweil den Gemeinden indirekt vor, auch in diesem strengen Winter zu wenig Streusalz in Reserve zu haben. Eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wies darauf hin, dass die Gemeinden von der Verkehrsministerkonferenz schon im Spätsommer aufgefordert worden seien, nach den Erfahrungen des vergangenen Winters genügend Streusalz vorrätig zu haben. Nachbestellungen sollten demnach spätestens dann eingeleitet werden, wenn der Tagesverbrauch 20 Prozent der gelagerten Kapazitäten übersteige.

Die "Rheinische Post" (Mittwoch) zitierte aus einem internen Papier des Gremiums unter der Überschrift "Maßnahmen zur Vermeidung eines Salznotstandes", wonach bereits im August klare Vorgaben für unbedingt notwendige Streusalzmengen aufgelistet worden seien. Danach sollten die Gemeinden für vierspurige Autobahnen mindestens zehn Tonnen Salz pro Kilometer bevorraten. Für zweispurige Bundes-, Landes-, Kreis- und innerstädtische Straßen seien mindestens 3,5 Tonnen je Kilometer als Mindestreserve unerlässlich.

Nach Stichproben der Zeitung hielten manche Städte aber nicht einmal die Hälfte jener Mindestmengen auf Lager. Im vergangenen Winter hätten gerade einmal 20 Prozent der Städte über ausreichende Mindestvorräte verfügt.

Ramsauer fordert Demut von den Deutschen

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will aber nicht nur meckern und fordern. Der CSU-Politiker hat nun mehr Nachsicht bei höherer Gewalt verlangt. "Es hat sich eine gewisse Anspruchsmentalität in Deutschland breitgemacht nach dem Motto: Mag der Winter auch noch so kalt sein, so hat man doch einen Rechtsanspruch darauf, dass alle Verkehrsmittel zuverlässig und pünktlich funktionieren", sagte er Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung. "Bei allem Verständnis für den Ärger über die Ausfälle und Mängel, ein bisschen Demut vor der Natur und ein bisschen Nachsicht bei höherer Gewalt würde nicht schaden."

Der starke Wintereinbruch habe alle Verkehrsträger erwischt. Besonders aber die Bahn, weil sie in der Hauptreisezeit einen zusätzlichen Ansturm von Passagieren zu bewältigen habe. "Ich würde also nicht von einem Armutszeugnis reden", meinte Ramsauer. "Es wurden uns aber wieder einmal die Grenzen unserer gesamten Verkehrsinfrastruktur aufgezeigt."

Bittere Kälte verschwindet langsam

Einer der Spitzenreiter bei den Tiefkühltemperaturen war in der Nacht zu Mittwoch nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia mit minus 23,4 Grad der sächsische Ort Morgenröthe-Rautenkranz. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) machte in Tirschenreuth in der Oberpfalz mit ebenfalls minus 23,4 Grad und in Dippoldiswalde am Erzgebirge mit minus 22,2 Grad den dortigen Minusrekord des Jahres aus. Bundesweit war es aber nicht die kälteste Nacht des Jahres. Am 27. Januar war es laut Meteomedia in Morgenröthe-Rautenkranz mit minus 24,6 Grad und in Haidmühle in Bayern mit minus 27,5 Grad noch eisiger.

Die bittere Kälte im Osten soll langsam nachlassen. Am Donnerstag und Freitag erreicht feuchte Luft von der Nordsee den Norden Deutschlands. "Dann kann es wieder verbreitet gefrierenden Regen geben", sagte Meteorologin Dorothea Paetzold vom DWD. Das bedeutet Glatteis für die Straßen.

Was viele fühlen, bestätigte sich offiziell: In Deutschland fiel das Jahr 2010 etwas zu kalt aus. Nach 13 zu warmen Jahren registrierte der DWD entgegen dem globalen Trend diesmal ein zu kaltes Jahr. In Deutschland habe die Durchschnittstemperatur mit 7,9 Grad um 0,3 Grad unter dem vieljährigen Mittel gelegen.

swd/DPA / DPA