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Jagd nach den ersten Sternen: Superteleskop "Herschel" auf dem Weg ins All

Am Nachmittag ist heute das größte jemals gebaute Weltraumteleskop ins All gestartet. "Herschel" und der Satellit "Planck" sollen Erkenntnisse über den Urknall und die Entstehung von Sternen liefern. Warum das Milliarden-Projekt auch in Krisenzeiten angemessen ist, erklärt Esa-Mitarbeiter Andreas Rudolph im stern.de-Interview.

Er könnte der Star im Weltraum werden und sogar "Hubble" noch übertrumpfen: Die Europäische Raumfahrtorganisation ESA hat am Donnerstagnachmittag das größte jemals gebaute Weltraumteleskop gestartet. Das High-Tech-Instrument namens "Herschel" hob um 15.12 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit an Bord einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana ab. Im All soll es auf die Jagd nach den ersten Sternen gehen. Mit an Bord der Rakete ist auch der Esa-Satellit Planck, der die kosmische Hintergrundstrahlung erforscht. Mit seinem Team hat Andreas Rudolph, Spacecraft Operations Manager bei der Esa, in den vergangenen Monaten immer wieder den Start und den Flug ins All simuliert und geübt, wie in Notfällen zu reagieren ist. Denn wenn bei dem Flug ins All etwas schief geht, würde die Esa mit dem 1,8 Milliarden Euro teuren Projekt nicht nur viel Geld verlieren, sondern auch die Aussicht auf bahnbrechende Erkenntnisse in der Erforschung des Weltraums. Über die Entdeckungen, die "Herschel" und "Planck" im Weltraum machen sollen, sprach stern.de vor dem Start der Ariane-Rakete mit dem zweiten Flugdirektor der Mission.

Herr Rudolph, das Weltraumteleskop "Herschel" und der Esa-Satellit "Planck" sollen heute mit einer Ariane 5 ECA vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abheben. Der Start wurde mehrmals verschoben. Wird heute grünes Licht gegeben?

Wir sind zuversichtlich. Die Rakete steht auf dem Abschussplatz. Die Satelliten sind an Bord, die letzten Aktivitäten geplant. Jetzt kann der Countdown beginnen.

Was sind die Knackpunkte beim Start?

Schief gehen kann viel, denn viele Dinge spielen sich gleichzeitig ab. In Kourou werden die Satelliten vorbereitet und alle Systeme noch einmal gecheckt. Parallel dazu wird fünf Stunden vor dem Start die Rakete, die auf der Abschussrampe steht, mit 2300 Litern flüssigem Helium befüllt. Damit werden die Instrumente während der Mission gekühlt: "Herschel" auf 0,3 bis 2 Grad über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius und "Planck" bis auf eine Temperatur von 0,1 Grad über dem absoluten Nullpunkt. Im Kontrollzentrum in Darmstadt stellen wir sicher, dass das Netzwerk an Bodenstationen und unsere Systeme funktionieren, mit denen wir die beiden Sonden im Orbit kontrollieren. Unsere Verantwortung beginnt, wenn sich beide von der Rakete abtrennen und wir einige Minuten danach das erste Signal auffangen. Der Start ist für 15.12 Uhr mitteleuropäischer Zeit vorgesehen, um 15.49 Uhr müssten sich "Herschel" und "Planck" zum ersten Mal bei den Stationen in Australien melden. Dann ist schon ein großer Teil geschafft.

Die Esa bezeichnet "Herschel" und "Planck" als "zwei der anspruchvollsten Raumsonden, die je gebaut wurden". Was soll das Tandem im Universum untersuchen?

Mit "Herschel" wollen wir herausfinden, wie Sterne entstanden sind. Dafür geht das Infrarotteleskop auf die Jagd nach den ersten Sternen und Galaxien des Universums, es schaut gleichsam zurück auf Ereignisse des frühen Universums. Junge, gerade geborene Sterne glühen in Infrarot, ein Teil des elektromagnetischen Spektrums, der bisher kaum erforscht wurde. In diesem Infrarotspektrum kann "Herschel" nicht nur Dinge sehen, die sehr heiß sind, auch einige der kältesten Objekte in unserer Galaxie soll das Weltraumteleskop untersuchen. Gas und Staubwolken, die das Material für Sonnen, Sterne und Planeten liefern, zählen dazu. Mit dem "Hubble"-Teleskop, das seine Beobachtungen im sichtbaren Licht macht, kann man da nicht hineinblicken. Kosmische Infrarotstrahlung durchdringt diese Gasansammlungen und Staubwolken, so dass Astronomen mit "Herschel" tief in die Zentren von Galaxien und Planetensystemen hineinsehen können. Von der Erde aus ist das allerdings nicht möglich, denn die Erdatmosphäre filtert die meisten Infrarotwellenlängen heraus.

Und was ist die Aufgabe von "Planck"?

Mit "Planck" sollen winzige Temperaturschwankungen im sogenannten kosmischen Mikrowellenhintergrund, ein Relikt des Big Bang, erfasst werden. Präzise wie nie zuvor soll der Satellit dieses Echo des Urknalls vermessen. Damit erhofft man sich, genauer herauszufinden, was vor 14 Milliarden Jahren passiert ist. "Planck" soll auch mehr Licht in das Rätsel um die Dunkle Materie bringen. Da beide Raumsonden mit nie gekannter Genauigkeit arbeiten, erwarten wir uns bahnbrechende Erkenntnisse.

Welche?

Im Detail kann man das vor dem Start der Mission natürlich nicht sagen. Wir hoffen jedoch mit Herschel und Planck mehr über die Entstehung und Entwicklung des Universums zu erfahren.

Von wo aus sollen "Herschel" und "Planck" den Weltraum beobachten?

"Herschel" und "Planck" werden auf eine Position im sogenannten Lagrange-Punkt (L2) gebracht, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. L2 ist ein Punkt, der sich auf der von der Sonne abgewandten Seite der Erde befindet, in gerader Verlängerung der Verbindungslinie Erde-Sonne. Von dort hat Herschel einen freien Blick auf die Tiefen des Weltraums, ohne dass er von der Erde oder der Sonne gestört wird, wie dies im Erdorbit der Fall wäre. Ein Satellit, der sich in diesem Punkt befindet, bewegt sich mit ungefähr der gleichen Geschwindigkeit um die Sonne wie die Erde. Dort herrschen zudem stabile Bedingungen, die Umlaufbahn muss nur ungefähr einmal im Monat korrigiert werden und die Temperaturen sind konstant.

Wird uns "Herschel" von dort genauso faszinierende Bilder liefern wie "Hubble"?

Es wird Bilder geben, die sicher faszinierend sein werden. Allerdings sind die Beobachtungen in Infrarot und nicht im sichtbaren Licht. Für das menschliche Auge sind sie daher nicht so leicht zu interpretieren.

Das gesamte Projekt kostet nach Esa-Angaben 1,8 Milliarden Euro. Können wir uns solche Investitionen angesichts einer Weltwirtschaftskrise überhaupt noch leisten?

Da Wissen unser kostbarstes Gut ist, bin ich der Meinung, dass diese Ausgaben gerechtfertigt sind. Mit "Herschel" und "Planck" betreten wir technologisches Neuland. Die wissenschaftlichen Instrumente und die komplexen Satellitensysteme sind einmalig in der Welt. Die Erkenntnisse, die bei der Mission herauskommen, können Europa im wissenschaftlichen Bereich an die Weltspitze bringen.

Interview: Lea Wolz

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.