Anti-Baby-Pille Die Erfolgsgeschichte eines Medikaments


Es gibt sie als Minipille, als Mikropille, als rosafarbener Dragee, als hellblauer, als weißer und unter unzähligen verschiedenen Markennamen. Die Deutschen sind Weltmeister beim Verhüten mit der Anti-Baby-Pille. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verwenden über die Hälfte der Erwachsenen die Pille. Damit liegt Deutschland in der Weltrangliste vor den Niederlanden und Belgien.

Seit 1962 ist die Anti-Baby-Pille in Deutschland zugelassen. Im Laufe der Zeit wurde vor allem die inhaltliche Zusammensetzung des Verhütungsmittels Nr. 1 geändert. "Die Hormondosierung hat sich dramatisch gewandelt", erklärt Peter Schütte, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Frauenärzte. "In den 40 Jahren hat man erkannt, dass viel weniger Hormone für eine effektive Verhütung ausreichen".

Hormone verhindern Eisprung

Die meisten Pillen enthalten eine Kombination aus den weiblichen Geschlechtshormonen Östrogen und Gestagen. Lediglich die Mini-Pille enthält nur Gestagen. Während der Schwangerschaft werden diese Hormone verstärkt im Mutterkuchen gebildet. Der veränderte Hormonspiegel verhindert, dass weitere Eizellen heranreifen und es zu einem Eisprung kommt. Die Pille ahmt diesen ovulationshemmenden Effekt nach, sie gaukelt dem Körper sozusagen eine Schwangerschaft vor. Gleichzeitig verdickt das Gestagen den Schleim am Gebärmutterhals, sodass die Spermien schwerer in die Gebärmutter eindringen können.

Auf dem Markt gibt es verschiedene Präperate. Es wird zwischen einphasigen und zwei- bzw. drei-phasigen Pillen unterschieden. Die einphasigen Präperate haben durchgehend die gleiche Hormonenmenge. Bei den mehrphasigen Produkten varriert die Dosierung der Hormone. Manche Patientinnen vertragen laut Schütte das Einphasen-System besser, andere wiederum das mehrphasige. "Natürlich ist das fachärztliche Vorwissen ausschlaggebend für die Entscheidung, welche Pille die Patientin erhält. Aber letztendlich muss die Verträglichkeit eines Präperates individuell ausprobiert werden".

Theoretisch total sicher

Jede Anti-Baby-Pille muss täglich eingenommen werden. Nur durch eine regelmäßige Einnahme kann sie effektiv wirken. "Aus gynäkologischer Sicht gesehen ist die Pille theoretisch absolut sicher", erläutert Schütte. Eine Schwangerschaft trotz Pille sei in den meisten Fällen auf Einnahmefelder zurückzuführen. "Sicherlich gibt es auch Frauen, bei denen das Blut die Wirkstoffe nicht ordentlich aufnimmt. Das ist aber sehr selten". Vorsicht ist geboten bei Antibotika, starken Schlafmitteln, aber auch bei Johanniskraut: bestimmte Medikamente können die Wirkung der Pille beeinträchtigen. Auch Erbrechen kurz nach der Einnahme und Durchfall können den Empfängnisschutz mindern.

Wie bei jedem Medikament kann es auch bei der Anti-Baby-Pille Nebenwirkungen geben. "Die geläufigsten Nebenwirkungen sind Störungen der Monatsblutung, Gewichtszunahme, Brustspannen und Kopfschmerzen", sagt Schütte. Manchmal löse die Pille auch Stimmungsschwankungen aus. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko von Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere für Raucherinnen. Dagegen gibt es nach Meinung von Schütte keine hieb- und stichfesten Studien, die einen Zusammenhang zwischen Pille und Krebserkrankungen beweisen. Im Gegenteil: Die Pille hemme die Funktion der Eierstöcke. Deshalb gehen einige Forscher davon aus, dass sie das Krebsrisiko an den Fortpflanzungsorganen reduziere.

Irena Güttel

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