Kopfwelten Euer Herz erschrecke nicht!


Das Jahr ist noch frisch, da sind Staat und Kirche heftig aneinandergeraten. Wollen Politiker die Situation entkrampfen, müssen sie mit ihren hehren Ansprüchen Ernst machen.
Ein Kommentar von Frank Ochmann

Sie sind schwer getroffen, unsere Regierenden. Der Verteidigungsminister bekam seine Breitseite schon zum Jahreswechsel von der Kanzel der Dresdner Frauenkirche. Und aus Richtung einer anderen Frauenkirche, der in München, - als habe es die Gottesmutter gefügt - traf es dieser Tage gleich die gesamte C-Riege in der Regierung und im Parlament.

Hatte Bischöfin Käßmann für die evangelische Kirche deren Position zur deutschen Beteiligung am Krieg - ja doch, Krieg - in Afghanistan noch einmal dargestellt, indem sie den dümmlichen Nina-Ruge-Spruch vom "Alles wird gut" am Leben zerschellen ließ, nahm sich der römisch-katholische Oberhirte aus Bayern, Reinhard Marx, per Interview die CDU vor und fragte unmissverständlich mal wieder nach, wie die es mit dem "C" im Namen denn so halte und künftig halten wolle.

Unruhe bei den Machthabern

O Maria, hilf! Es heißt ja immer, wir lebten inzwischen in einer Gesellschaft, in der das Christentum fast randlos verdampft ist. Säkular seien wir, gottlos gar. Ganz so schlimm kann es aber noch nicht sein. Denn kaum schallt es mal etwas dissonant von den Kanzeln, macht sich große Unruhe breit unter unseren Machthabern auf Zeit. So richtig scheint die Trennung von Staat und Kirche wohl doch noch nicht vollzogen zu sein.

Nichts sei gut in Afghanistan, hatte Bischöfin Käßmann zugespitzt festgestellt - schon folgte eine ungewohnt nervöse Reaktion des sonst eher souverän wirkenden Ministers zu Guttenberg. Schließlich wurde nicht jeder, der die Afghanistanpolitik bislang kritisiert hat, mit Zwischenstation beim Minister auch gleich dorthin eingeladen.

Und als Erzbischof Marx jetzt nach der christlichen Praxis der theoretisch ja christlichen Partei/-en fragte, weil er es mit Blick auf die politischen Entscheidungen offenbar nicht mehr recht schaffte, Theorie und Praxis zusammenzubringen, da war mit Annette Schavan gleich die stellvertretende Parteivorsitzende auf der Zinne. Der Name Jesu Christi tauche nicht im Grundsatzprogramm der namentlich christlichen Partei auf, weil das eine "unzulässige Vereinnahmung" wäre. Bitte, was? Dann sollte eine marxistische Partei also auch besser nicht Karl Marx erwähnen?

Klausurtagung mit zwei christlichen Oberhirten

Am Donnerstag kommt es jedenfalls ganz hart für die CDU. Da trifft der Bundesvorstand nämlich bei einer Klausurtagung gleich mit zwei christlichen Oberhirten zusammen: Erzbischof Robert Zollitsch für die katholische Bischofskonferenz und Bischöfin Käßmann für den Rat der evangelischen Kirche. Da wird aber, biblisch gesprochen, Heulen und Zähneklappern sein! Doch wer Trost und Stärkung sucht, findet auch den in der so kritisierten Predigt von Margot Käßmann. Und das war sogar das eigentliche Thema ihres Sermons: "Euer Herz erschrecke nicht - glaubt an Gott und glaubt an mich" - an Jesus Christus natürlich, nicht an Frau Käßmann.

Wer das aber nicht will oder nicht kann oder wenigstens nicht so richtig kann, der sollte seiner Glaubwürdigkeit einen Gefallen tun und den Parteinamen ändern. Vielleicht in "Weltanschaulich-immer-bei-der-Mehrheit-demokratische-Union"? Bei der Klausurtagung gibt es sicher Zeit, diesen Vorschlag zu bedenken. Annette Schavan jedenfalls müsste er grundsätzlich gefallen: "Für die CDU gilt der Satz: Wer sich selbst treu bleiben will, muss sich verändern." Da wäre die Streichung des "C" doch ein hoffnungmachender Anfang.


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