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Yoga mit Ralf Bauer: "Ich schaffe sogar wieder einen Spagat"

Viele Männer stehen dem Yoga skeptisch gegenüber. Nicht so Ralf Bauer: Bald kommt die zweite Yoga-DVD des Schauspielers heraus. Mit stern.de sprach er über Gleichmut auf der Autobahn und die gefährlichen Schwächen männlicher Stärke.

Herr Bauer, im Yoga gibt es viele Stellungen, die Tiernamen tragen. Sie sind zurzeit eine Ratte...

Zumindest leihe ich meine Stimme der Ratte "Roddy" in dem Animationsfilm "Flutsch und weg" (Start: 7. Dezember); im Original spricht Hugh Jackman diese Rolle. Daneben drehe ich die zweite Staffel der Serie "Fünf Sterne", die ab Herbst 2007 im ZDF ausgestrahlt werden soll.

Haben Sie heute schon Ihr Yogapensum genossen?

Wie immer habe ich heute den Morgengruß geübt, eine festgelegte Folge aus Bewegungs- und Atemeinheiten. Die mache ich 21-mal.

Genau 21-mal?

Ja, es geht einerseits um die Intensität des Trainings, andererseits um die Energie der Zahl: Von meiner Yogalehrerin habe ich gelernt, dass jede Zahl eine bestimmte Qualität trägt. Die Sieben hat eine gute Wirkung auf mich, und mit einundzwanzig Wiederholungen habe ich eine Anzahl, die mich fordert und die durch sieben teilbar ist.

Warum machen Sie ausgerechnet Yoga? Um in Form zu bleiben, könnten Sie Ihre Zeit auch auf dem Stepper verbringen oder auf der Hantelbank.

Ich war schon immer fasziniert von asiatischen Bewegungsformen - als Neunjähriger habe ich mit Judo angefangen, mit 15 habe ich es dann unterrichtet. Dadurch lernte ich viel über östliche Philosophie, aber ich suchte nach einer Trainingsmethode, die mich unabhängig von Lehrern und Öffnungszeiten fit hält. So gelangte ich nach einem Ausflug über das Tai Chi zum Yoga.

Welchen Yoga-Stil zeigen Sie auf Ihren DVDs?

Das ist Viniyoga, ein einfacher Stil, der für Menschen jeden Alters leicht zu erlernen ist.

Waren Sie jemals dick?

Nee.

Liegt das am Yoga oder liegt bei Ihnen nur rohes Gemüse im Kühlschrank?

Jeder Körper hat sein eigenes Gesetz, und ich versuche, darauf zu hören, was mein Körper will. Tatsächlich mag ich Salat besonders gern, ich brauche immer etwas Grünzeug. Aber zwischendurch lasse ich mich auch zu einem Steak oder einer Pizza hinreißen. Wichtig sind mir die Zeiten, zu denen ich esse: Ich versuche, bis neun Uhr gefrühstückt und bis 13 Uhr zu Mittag gegessen zu haben. Abends wird es wegen der Dreharbeiten schon mal später, als ich möchte. Am Liebsten würde ich dann gern nur eine Suppe essen, aber dafür ist der Hunger oft zu groß.

Hält Yoga Sie jung?

Seit vier Jahren praktiziere ich jetzt Yoga und ich spüre, dass meine Beweglichkeit zurückgekehrt ist. Früher bekam ich unter Stress oft Rückenprobleme, aber seit ich regelmäßig den Sonnengruß mache, sind sie verflogen - ich schaffe jetzt sogar wieder einen Spagat! Viele Menschen machen sich nicht klar, dass von ihrem Umgang mit sich selbst abhängt, wie der Herbst ihres Lebens aussehen wird.

Bislang dachten wir, Prince sei der einzige Mann in den Vierzigern, der noch einen Spagat schafft.

Prince war früher mein Idol, der konnte sich aus dem Sprung in den Spagat fallen lassen und stand beim nächsten Beat wieder auf den Beinen!

Die Unterhaltungsbranche feiert die Jugendlichkeit. Fürchten Sie sich davor, alt zu werden?

Einige meiner Freunde, darunter der 80-jährige Blacky Fuchsberger, sind viel älter als ich. Blacky hat sich früher immer gewünscht, im Alter finanziell unabhängig zu sein, und das ist ihm gut gelungen. Natürlich beschäftigt mich meine Zukunft, aber Sorgen bereitet sie mir nicht. Vor allem möchte ich mit 80 immer noch Yoga machen, denn das wird das Altern sehr erleichtern!

Oft geht es im Yoga um das Werden und Vergehen des Menschen. Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein. Ich glaube an Karma und ich versuche, in diesem Leben nicht absichtlich etwas Schlechtes zu tun. Ein Freund von mir war einmal Krankenpfleger und hat mir geschildert, dass für Menschen, die an etwas glauben, der Übergang vom Leben zum Sterben deutlich einfacher ist. Viele, die nicht glauben, ringen mit dem Tod, wenn es so weit ist. Mir fällt es leicht, Dinge loszulassen, und ich glaube, ich werde auch ohne große Mühe mein Leben loslassen.

Ursprünglich war Yoga ein rein geistiger Stil, die körperlichen Übungen wurden erst später ergänzt. Betrachten Sie auch einfache Verrichtungen des Alltags als spirituelle Technik?

Zu richtigem Yoga gehört auch Meditation, und vieles im Alltag kann Meditation sein - daran zeigt sich die innere Haltung einer Person. Wenn ich mit meinem Auto im Stau stecke, dann kann ich daran ja nichts ändern, also nutze ich ihn, um meine Geduld zu üben. Alles, was geschieht, hat seinen Sinn.

Yoga ist bei Männern nicht sehr populär. Woran liegt das?

In unserer Gesellschaft gelten bestimmte Prinzipien von Männlichkeit. Beim Eintritt in die Pubertät lernen wir, nicht zu weinen - als Mann sollst du Stärke zeigen. Wenn Männer später im Leben nach Dingen suchen, die ihnen gut tun, dann ist Yoga zu weich: Es passt nicht zu dem erlernten Selbstverständnis, es macht Menschen sehr durchlässig. Interessant ist, dass Männer sich öffnen für einen Weg wie das Yoga, wenn es ihnen schlecht geht, wenn sie krank sind und Schmerzen haben. Doch dann ist es oft zu spät.

Was halten Sie eigentlich von dem Agenten Jack Bauer aus der Serie "24", gespielt von Kiefer Sutherland? Stress, Schlafentzug, Handfeuerwaffen - dieser Herr Bauer ist nicht gerade berühmt für seine gesunde Lebensführung...

Ich liebe "24", ich warte schon sehnsüchtig darauf, dass die fünfte Staffel auf DVD erscheint! Kiefer Sutherland ist eine Sensation, er gibt alles und verlangt auch von den anderen Schauspielern das Maximum - und holt so das Beste aus ihnen heraus. Außerdem ist es sehr praktisch, dass die Rolle des Jack Bauer auf der ganzen Welt so bekannt ist. Jetzt muss ich im Ausland nicht mehr ständig meinen Nachnamen buchstabieren.

Interview: Burkhard Zimmermann
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