Forschung Frühwarnsystem "made in Germany"


Wenn es nach dem Willen von Forschungsministerin Edelgard Bulmahn ginge, übernähme Deutschland die Führungsrolle bei der Entwicklung eines Erdbeben-Frühwarnsystems. Ein Institut in Potsdam sei bei diesem Thema "weiter als alle anderen".

Deutschland will bei der Verbesserung der internationalen Erdbeben-Frühwarnsysteme ein führende Rolle übernehmen. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will mit dieser Aufgabe das GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam betrauen, wurde im Auswärtigen Amt indirekt bestätigt. Ein Beben vor Sumatra hatte die tödlichen Flutwellen im Indischen Ozean ausgelöst.

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) habe im Dezember bei UN- Generalsekretär Kofi Annan angeregt, auch die dritte internationale Konferenz über Prävention bei Naturkatastrophen in der zweiten Hälfte 2005 in Deutschland abzuhalten, sagte Staatssekretär Klaus Scharioth. "Hier wird die Arbeit des Instituts in Potsdam eine ganz große Rolle spielen", betonte der Staatssekretär am Rande einer Sitzung des Krisenstabes in Berlin. Das Institut habe seit mehreren Jahren auf dem Gebiet gearbeitet und sei "sehr viel weiter als andere". "Und ich kann mir vorstellen, dass auch schon im Vorfeld der Konferenz alles darauf zuläuft, dass man hier Potsdam eine ganz aktive Rolle gibt."

Planungen laufen bereits

Die Potsdamer Wissenschaftler haben nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) vom Samstag im Auftrag von Bulmahn bereits entsprechende Pläne entwickelt. "Mit unserem Konzept können wir in ein bis drei Jahren ein leistungsfähiges Frühwarnsystem aufbauen", sagte Bulmahn der Zeitung.

Der Aufbau eines solchen Warnsystems, das sofort Erdbebenmeldungen per Internet, E-Mail und SMS an Datenzentren weitergeben kann, koste 40 Millionen Euro. Dem Bericht zufolge konzentrieren sich die Bemühungen zunächst auf den Indischen Ozean, später wolle Bulmahn ein solches System auf den Mittelmeerraum und den Atlantik ausdehnen.

Auch südeuropäische Küsten sind gefährdet

"Auch die griechische und die türkische Küste sind ein hochgefährdetes Erdbebengebiet", so die Ministerin. Das GFZ betreibt mit Partnerinstituten bereits ein eigenes seismologisches Forschungsnetz, das laut "FAZ" eng mit den Netzen anderer Länder verbunden ist. In der Region des Indischen Ozeans gebe es allerdings nur wenige Stationen. Das Konzept sehe daher vor, zu den 50 global bereits vorhandenen Stationen des GFZ etwa 30 bis 40 neu in der Region aufzubauen. In Kooperation mit anderen Geberländern sei ein Ausbau auf rund 250 Stationen angestrebt. Scharioth bestätigte, dass im EU-Sonderrat der Außen-, Entwicklungs- und Gesundheitsminister am Vortag über das Frühwarnsystem gesprochen wurde.

Zahl der vermissten Deutschen gesunken

Der Staatssekretär teilte mit, dass sich Zahl der in Asien vermissten Deutschen im Vergleich zum Vortag leicht um 8 auf 716 verringert habe. "Es gibt aber keinen Grund zur Entwarnung", sagte Scharioth. "Es ist nach wie vor zu befürchten, dass am Ende die Zahl der tatsächlich Vermisste leicht höher liegen wird." Inoffiziell gehen die Experten von mehr als 1000 vermissten Deutschen aus.

In der thailändischen Urlaubsregion Phuket wird laut Scharioth noch eine kleine Gruppe leicht verletzter Deutscher behandelt. Auf der indonesischen Insel Sumatra und auf Sri Lanka machten medizinische und humanitäre Hilfe Fortschritte. In Berlin werde psychosoziale telefonische Betreuung von Opfern und Angehörigen über die "NOAH" (Nachbetreuung der Opfer- und Angehörigenhilfe) stark in Anspruch genommen.

DPA DPA

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