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+++ Newsticker zur Lage in Ägypten +++: Muslimbrüder wollen Proteste fortsetzen

In Ägypten fürchten die Menschen ein erneutes Blutbad. Die Muslimbrüder haben zu einem "Freitag der Wut" aufgerufen. In Kairo demonstrieren zigtausende Mursi-Anhänger. Die Lage im Newsticker.

+++ 19.53 Uhr: Muslimbrüder kündigen tägliche Proteste an +++

Der "Freitag der Wut", zu dem die Muslimbrüder aufgerufen haben, soll um 20 Uhr MESZ enden. Doch die Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mursi haben angekündigt, dass sie eine Woche lang jeden Tag nach dem Mittagsgebet zu weiteren Protestmärschen zusammenkommen wollen.

+++ 19.08 Uhr: Ausgangssperre tritt in Kraft +++

Ab 19 Uhr MESZ gilt in Ägypten eine vom Militär verhängte Ausgangssperre. Doch noch immer sind die Straßen voller Demonstranten. Wenn die Armee ernst macht mit ihrer Ansage, die Einhaltung strengstens zu kontrollieren, stehen weitere gewaltsame Auseinandersetzungen bevor.

+++ 18.36 Uhr: Zahl der Opfer steigt auf 70 +++

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen ist die Zahl der Toten im ganzen Land inzwischen auf mehr als 70 gestiegen. Allein 50 Menschen sollen bei den Protesten in Kairo gestorben sein. Die meisten Opfer gibt es am Rande der zentralen Kundgebung am Ramses-Platz, wo sich immer noch etwa 20.000 Islamisten und deren Anhänger versammeln. Experten befürchten, dass die Lage weiter eskalieren könnte. Denn die Polizei hat Order, mit scharfer Munition auf Plünderer und Saboteure zu schießen.

+++ 18.05: Video soll Einsatz von Scharfschützen belegen +++

Mit diesem Video wollen die Muslimbrüder belegen, dass die Armee zur Eindämmung der Proteste Scharfschützen auf den Dächern postiert hat. Doch ob es sich bei den Personen tatsächlich um Solden handelt, lässt sich nicht prüfen.

+++ 18.01 Ausgangssperre beginnt in einer Stunde +++

In einer Stunde beginnt in Ägypten die vom Militär verhängte Ausgangssperre. Ein Sprecher der Armee hat angekündigt, dass jeden Verstoß gegen das Ausgehverbot streng bestrafen werde. Doch noch immer sind in Kairo Hunderttausende auf der Straße um gegen die Militärmachthaber zu demonstrieren.

+++ 17.01 Saudi-Arabien stellt sich hinter Armee +++

Saudi-Arabien stellt sich hinter Ägpytens Machthaber. König Abdullah sagt dem TV-Sender Al Arabija, sein Königreich unterstütze Ägypten beim Kampf gegen Terrorismus.

+++ 16.51 Uhr: Merkel will Beziehung zu Ägypen überprüfen +++

Angesichts der Eskalation der Gewalt in Ägypten will Deutschland seine Beziehungen mit dem Land "auf den Prüfstand stellen". Das kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten François Hollande an, wie das Bundespresseamt am Freitag mitteilt. Beide Politiker seien sich einig, dass auch die EU ihre Beziehungen zu Ägypten "einer umfassenden Prüfung unterziehen solle".

+++ 16.27 Uhr: Aufgebahrte Leichen +++

Alastair Beach twittert ein Bild von zwölf aufgebahrten Leichen in der Al Tawheed Moschee nahe dem Ramses-Platz.

+++16.18 Uhr: Neuerliches Blutbad deutet sich an +++

Das Innenministerium hat die Bürger von Kairo aufgefordert, die Straßen rund um den Ramses- und Galaa-Platz und die Corniche zu meiden, damit das Militär dort "gezielt Terroristen bekämpfen" könne. Beobachtern zufolge sind gewaltsame Auseinandersetzungen inzwischen überall in der Stadt ausgebrochen. Es ist derzeit kaum möglich, sich einen Überblick über die Opferzahlen zu verschaffen. Die Nachrichtenagentur spricht von derzeit 12 Toten in ganz Ägypen. AP berichtet von 17 Todesopfern. Doch allein der BBC-Reporter Jeremy Bowen twittert von 11 Leichen, der er allein in einer einzigen Moschee nahe des Ramses-Platzes mit eigenen Augen gesehen hat. Es steht zu befürchten, dass auch dieser Tag in einem Blutbad endet.

+++ 15.51: Die Lage am Ramses-Platz +++

Die ägyptische Tageszeitung "Daily News Egypt" hat eine Fotostrecke über die Situation am Ramses-Platz online gestellt. Und Reuters zeigt hier Live-Bilder von den verschiedenen Schauplätzen der Auseinandersetzung.

+++ 15.35 Uhr: Zusammenstöße auf den Nilbrücken +++

Die Auseinandersetzungen scheinen sich auf die beiden Brücken des 15. Mai und des 6. Oktober zu konzentrieren. Laut Mursi-Unterstützern setzt die Polizei dort Tränengas ein. Auch Schüsse sind zu hören. Der Ramses-Platz, Ziel der Protestzüge, liegt unter dunklen Rauchwolken, wie Bilder des staatlichen Fernsehens zeigen. Blogger der AntiCoup Allianz, zu der auch die Muslimbrüder gehören, berichten von 25 Toten und mehr als 100 Verwundeten.

+++ 15.25 Uhr: Flächendeckende Proteste im ganzen Land +++

Inzwischen werden aus dem ganzen Land Massenprotest der Mursi-Anhänger gemeldet. In der Hafenstadt Damietta sollen Sanitätern zufolge acht Demonstranten getötet worden sein. Auch in der Stadt Ismailia am Suez-Kanal werden nach Angaben aus Krankenhäusern vier Demonstranten getötet. Über die Lage in Alexandria berichtet hier die Al-Jazeera-Reporterin Jane Ferguson

+++ 14.52 Uhr: Demonstranten schießen in Kairo auf Anwohner +++

Anwohner haben aus ihren Wohnungen in Kairo Steine auf demonstrierende Islamisten geworfen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur DPA berichtet, einzelne Demonstranten, die über die 15. Mai-Brücke im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt liefen, hätten daraufhin auf die Häuser geschossen, aus denen die Steine geflogen waren.

+++ 14.38 Uhr: Auch Thomas Cook sagt alle Reisen ab +++

Nach TUI hat auch Reiseveranstalter Thomas Cook alle Reisen nach Ägypten abgesagt. Dies gelte für alle Buchungen bis einschließlich 15. September, teilten eine TUI-Konzernsprecherin in Hannover und Thomas Cook in Oberursel mit. Die Absage von Thomas Cook gilt für die Marken Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Öger Tours. Die beiden Reiseanbieter reagieren damit auf einen sogenannten Reisehinweis des Auswärtigen Amtes, in dem das Ministerium von Reisen in alle Teile Ägyptens abrät. Für einige Gebiete wie die Hauptstadt Kairo gilt sogar eine explizite Reisewarnung.

+++ 14.06 Uhr: Muslimbrüder blockieren Brücke +++

Unterstützer der Muslimbrüder haben die Brücke des 15. Mai blockiert. Sie skandieren armeefeindliche Parolen und fordern die Rücknahme des Militärcoups. Die Armee wiederum versperrt den Weg über die Brücke des 6. Oktober. Auch alle Zufahrtsstraßen zum Tahrir-Platz seien gesperrt, berichtet ein Reporter des US-Senders NBC

+++ 13.49 Uhr: Tränengas und Maschinengewehre +++

Die Lage scheint sich schnell zuzuspitzen. Offenbar ist Maschinengewehrfeuer zu hören. Auch Tränengas wird eingesetzt, währen am Himmel Helikopter der Armee kreisen. Erste Meldungen von Verwundeten machen die Runde.

+++ 13.41 Uhr: Tui sagt Ägypten-Reisen ab +++

Tui sagt alle Reisen nach Ägypten bis einschließlich 15. September ab. Der Veranstalter reagiert damit auf den aktualisierten Reisehinweis des Auswärtigen Amtes. Urlauber, die sich derzeit in den Baderegionen am Roten Meer befinden, können ihren Urlaub jedoch fortsetzen, da es dort unverändert ruhig sei. Wer seinen Urlaub dennoch abbrechen möchte, soll sich laut Tui an die Reiseleitung vor Ort wenden. Die Absage der Reisen gilt für die Marken Tui, 1-2-FLY, airtours und Discount Travel.

+++ 13.37 Uhr: Protestzüge setzen sich in Bewegung +++

Nach dem Ende der Freitagsgebete haben sich vor zahlreichen Moscheen die Muslimbrüder formiert und zu ihren Protestmärschen in Bewegung gesetzt, die am Ramses-Platz enden. Einzelne Beobachter wollen Scharfschützen gesehen haben, die auf den Dächern von Kairo postiert sind. Vereinzelt seien Schüsse zu hören, posten Teilnehmer auf Twitter.

+++ 13.27: Deutschland friert Hilfsmittel für Ägypten ein +++

Die Bundesregierung friert als Konsequenz aus der Eskalation in Ägypten 25 Millionen Euro Fördergelder für das arabische Land ein. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) stoppt ein Kooperationsprogramm für Klima- und Umweltschutz, für das entsprechende Hilfsmittel vorgesehen waren. Neue Zusagen für Entwicklungsprojekte in Ägypten soll es vorerst nicht geben.

+++ 13.19 Uhr: Protest in Alexandria +++

Auch in anderen Städten des Landes versammeln sich die Mursi-Anhänger zu ihren Protestmärschen. Ein Live-Stream von Reuters zeigt hier die Szenerie in Alexandria

+++ 12.57 Menschen versammeln sich am Ramses-Platz +++

Laut BBC-Reporter Jeremy Brown gibt es erste größere Menschenansammlungen auf dem Ramses-Platz, wo die Gläubigen ihr Freitagsgebet gerade beendet haben. Hier sollen auch die mehr als 20 Protestmärsche der Muslimbrüder enden.

+++ 12.48 Auswärtiges Amt schickt Mitarbeiter in Urlaubsorte +++

Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass sich derzeit noch eine fünfstellige Zahl von Deutschen in Ägypten aufhält. Mitarbeiter der Botschaft sollten in Reiseorte entsandt werden, um für Fragen von Urlaubern zur Verfügung zu stehen.

+++ 12.38 Uhr: Strategie des Militärs wird sichtbar +++

Langsam wird die Strategie des Militärs sichtbar. An neuralgischen Punkten nahe von Moscheen werden Panzer zusammengezogen, um die angekündigten Protestmärsche der Muslim-Brüder schon im Keim zu ersticken, berichten Augenzeugen auf Twitter.

+++12.12 Uhr: Merkel und Hollande beraten am Telefon +++

Die Bundesregierung fordert die Beteiligten in Ägypten zum Gewaltverzicht auf. "Wir rufen alle Seiten entschieden dazu auf, gerade auch heute sich friedlich zu verhalten und auf jegliche Gewaltanwendung zu verzichten", sagt Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Am Nachmittag wollen Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Hollande zur Lage am Nil telefonieren.

+++ 12.11 Uhr: Armee riegelt Innenstadt ab +++

Die Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mohammend Mursi wollen von 28 Moscheen aus nach dem traditionellen Freitagsgebet zu Protestmärschen aufbrechen. Die Armee riegelt weite Teile der Innenstadt mit gepanzerten Fahrzeugen ab. Der Reporter Paul Ronzheimer ist für die "Bild"-Zeitung vor Ort. Hier sein Bild von einer der Straßensperren.

+++ 11.47 Uhr: Saboteure sprengen Bahnlinie +++

Saboteure zünden offenbar Sprengsätze an einer Bahnlinie, die den äußersten Nordwesten Ägyptens mit Alexandria und Kairo verbindet. Das berichtet die Website der ägyptischen Zeitung "Al-Watan". Die Gleise seien durch die Explosionen 35 Kilometer östlich von Marsa Matruh beschädigt worden und würden jetzt repariert. Es gibt offenbar keine Verletzten.

+++ 11.32 Uhr: Auswärtiges Amt rät von Reisen nach ganz Ägypten ab +++

Das Auswärtige Amt verschärft seine Reisehinweise für Ägypten und rät von Reisen in das ganze Land ab. Es gebe eine "sehr zugespitzte Lage" in der Hauptstadt Kairo, während in den Touristenzentren am Roten Meer die Situation "derzeit noch anders sei", so ein Ministeriumssprecher. Bislang galt eine Teilreisewarnung für Kairo und weitere Regionen wie das Nildelta, allerdings nicht für die großen Touristengebiete am Roten Meer auf der ägyptischen Festlandseite.

Der Sprecher betont, dass es sich um einen Reisehinweis und keine Reisewarnung handele. "Dringend abgeraten" werde derzeit aber von Reisen nach Kairo, ins Nildelta und in die Region Oberägypten. Insgesamt sei die weitere Entwicklung "unvorhersehbar".

Zuvor hatten die USA Reisewarnungen für ganz Ägypten ausgegeben und zugleich US-Bürger zum Verlassen des Lands aufgerufen. Moskau rief die russischen Tourismusunternehmen auf, keine Ägypten-Reisen mehr anzubieten.

+++ 11.22 Uhr: Polizei verhaftet Muslimbrüder +++

Laut Nachrichtenportal youm/ gehen die Verhaftungen von Angehörigen der Muslimbrüder weiter. Bei Razzien in der Provinz Al-Buhaira seien vier führende Mitglieder der Islamisten-Organisation abgeführt worden. Das staatlich Fernsehen berichtet von der Festnahme von sechs Männern am Mustafa-Mahmud-Platz, bei denen 60 Brandbomben gefunden worden seien.

+++ 10.39 Uhr: Botschafter zurückgerufen

Türkei und Ägypten rufen ihre Botschafter aus den jeweiligen Hauptstädten zurück. Wenige Stunden nach der Entscheidung in Ankara reagiert damti auch der ägyptische Außenminister Nabil Fahmi mit diesem Schritt. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Vorgehen in Kairo mehrfach heftig als "Massaker" verurteilt und eine Bestrafung der Verantwortlichen gefordert.

kng/kmi/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters