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"Tea Party"- Bewegung: Aufruhr bei den Republikanern

In den USA mischt die streng konservative "Tea Party"-Bewegung die Kongressvorwahlen auf. Schon wieder hat ein gemäßigter Kandidat der Republikaner das Nachsehen. Die eigentlichen Gewinner könnten am Ende aber die Demokraten von Präsident Obama sein.

Die US-Republikaner sind in Aufruhr. Die konservativen Rebellen von der Basisbewegung "Tea Party" sind in der Partei auf dem Vormarsch. Bei der internen Kandidatenkür für die US- Kongresswahl im November gelang ihnen am Dienstag erneut ein schwerer Schlag gegen das Partei-Establishment. Die noch vor kurzem als hoffnungslose Außenseiterin geltende Christine O'Donnell bootete in Delaware den gemäßigten Michael Castle aus - einen der bisher populärsten Republikaner in dem Bundesstaat.

Zuvor hatten Tea-Party-Bewerber bereits in Alaska, Utah, Kentucky, Nevada, Colorado und Connecticut den etablierten Gegenkandidaten das Wasser abgegraben. Und auch bei der Gouverneursvorwahl am Dienstag in New York zeigte ein anderer Aufständischer seinem Gegenkandidaten, einem Liebling der Parteiführung, wo es langgeht.

Aber dieser Sieg in Delaware mit 53 zu 47 Prozent der Stimmen hat eine besondere Bedeutung. O'Donnell ist eine fundamentalistische Christin, die Masturbation und Sex außerhalb der Ehe öffentlich als Sünde anprangert. Sie ist eine Ultrakonservative, die die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama für ein Verbrechen hält. Und genau diese Frau gräbt nun einem erfolgreichen ehemaligen Gouverneur das Wasser ab - da bricht bei republikanischen Realpolitikern endgültig der Angstschweiß aus.

Denn mit jedem Vorwahl-Erfolg der Tea-Party-Kandidaten wächst für die Republikaner die Gefahr, dass der erhoffte überwältigende Sieg bei der Kongresswahl verspielt wird. Den Kandidaten der Tea Party werden im Rennen gegen die Demokraten nämlich allgemein deutlich geringere Chancen eingeräumt als Vertretern des republikanischen Establishment.

Das gilt insbesondere auch für O'Donnell, die in den US-Medien vielfach belächelt wird - als ewige Kandidatin, die sich in der Vergangenheit schon mehrfach um politische Ämter beworben und immer verloren hatte. Sie tritt in Delaware am 2. November gegen den Demokraten Chris Coons an, der nach Umfragen in einem Zweikampf mit Castle der klare Underdog gewesen wäre.

Jetzt reiben sich die Demokraten die Hände, nach dem Motto: Wenn sich zwei zanken, freut sich der Dritte. Denn die Obama-Partei kann nun optimistisch sein, dass sie den Senatssitz in Delaware im November verteidigt. Damit wiederum wären die Hoffnungen der Republikaner begraben, im November die Mehrheit im Senat, einer der beiden Kongresskammern, zu erobern.

Experten erwarten, dass sich der "Bürgerkrieg" innerhalb der Republikaner nun noch mehr verschärft. Das zeichnete sich bereits in O'Donnells Siegesnacht ab. Führende Republikaner deuteten an, dass sie möglicherweise aus der Parteikasse keinen Cent für den Senatswahlkampf der Rebellin lockermachen werden. Stattdessen solle das Geld für Kandidaten ausgegeben werden, die größere Erfolgschancen hätten.

Aber die 41-jährige O'Donnell, einst eine professionelle Beraterin in Sachen sexuelle Abstinenz, glaubt, dass sie es auch so schafft - mit der Tea Party und Sarah Palin im Rücken. Die Ex-Gouverneurin von Alaska hat mit ihrer Ausstrahlung wesentlich dazu beigetragen, der Protestbewegung zum Schwung zu verhelfen. Die Tea Party nährt sich davon, dass immer mehr Amerikaner angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Flaute die Nase voll von Washington haben, von staatlichen Eingriffen auf Kosten der Steuerzahler, die wenig zu bringen scheinen.

So verspricht denn auch O'Donnell, dass sie im Fall eines Wahlsiegs aufräumen wird in der Bundeshauptstadt - "dass Schluss ist mit einem übermächtigen Staat, der Knebelung individueller Rechte, Schluss mit Filz und Verschwendung". Sarah Palin gratulierte ihr prompt und überschwänglich, von der republikanischen Parteiführung kam nur ein pflichtschuldiger lauer Glückwunsch.

Gabriele Chwallek, DPA / DPA